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Bericht der Großloge für Deutschland · 1913-08-01 · Nr. 8 - August · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1913
Issue
Nr. 8 - August
Date
1913-08-01
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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die idealen und sittlichen Gesichtspunkte bei den Fürsorgebestrebungen hinweist und einwirkt. Dem Nordostdeutschen Logenverbande fällt die Aufgabe zu, das Material zu sammeln; er ist vermöge seiner geographischen Lage am besten geeignet, an Ort und Stelle durch seine Vertrauensmänner die ganze Frage zu studieren und geeignete Vorschläge zu machen. Es muß ein Arbeitsausschuß gewählt werden — von jederLoge mindestens zwei Brüder—, der unter dem Vorsitzedes Präsidenten des Nordostdeutschen Logenverbandes oder sonst eines geeigneten Bruders in gemeinsamer Arbeit und Aussprache die ganze Frage vom Gesichtspunkte der Loge aus behandelt i nd das gewonnene Material der Großloge zur weiteren Behandlung übergibt. Und die einzelnen Logen werden die Kleinarbeit leisten müssen. Es wird auch von ihnen ein großes Maß von Idealismus und Begeisterung für die gute Sache verlangt werden, und es wird Sache des Präsidenten sein, die Brüder auf die Wichtigkeit der ganzen Sache immer wieder hinzuweisen, bis auch die Fernstehenden überzeugt sind. Unsere Brüder, die meist in einflußreichen Stellungen in ihren Gemeinden leben, könnqn dann in weiten Kreisen Propaganda für diese fürsorgebestrebungen machen. Ich komme nunmehr zii dem Hauptpunkte: meines Vortrages: ps muß immer mehr'die Erkenntnis durchdringen, daß wir bei der ganzen Wander- und Grenzi armenfüisorge uns von ethischen und sittlichen Gesichtspunkten leiten lassen müssen. Als Grundlage muß dienen, daß wir Wander- und Grenzarme wieder zu vollwertigen Menschen machen wollen. Dies läßt ' «ich nur bewerkstelligen dadurch, daß wir diese Menschen aus ihrem bisherigen Milieu entfernen, daß wir ihnen den Begriff -von dem Werte der Arbeit beibringen. Letzteres geschieht in großartiger Weise in der Aibeitetkolonie. Dort werden fliese zum Teil verkommenen Individuen zur Arbeit erzogen, die Erziehung Erstreckt sich auch auf die Hebung der sittlichen Werte im Menschen; Unterricht in den elementaren Fächern, in allgemein bildenden Gegenständen, fördern die geistigen Fähigkeiten. Besonderer Weit .wird in der Kolonie auf die Körperpflege gelegt; das turnen spielt eine große Rolle im Stundenplane der Kolonie. Es ist erstaunlich, wie ■ in verhältnismäßig kurzer Zeit diese Wanderarmen mit der Aenderung ihrer bisherigen Lebensweise und ihres bisherigen Milieus auch ihren äußeren Menschen wechseln. Die Persönlichkeit wird in jedem einzeihen geweckt. Wert und Zweck der Arbeit drücken jedem bald ihren Stempel auf. Mit den Grenzarmen ist es ein wenig anders. Hier haben die überaus traurigen Verhältnisse auf die Individualität der Leute 'eingewirkt. Sie würden meist gern ihren Lebensunterhalt selbst verdienen; das böse Beispiel der Schnorrer ist aber, oft zu verführerisch. Dazu kommt auch der niedrige Bildungsgrad, kurz der fehlende sittliche Halt. Da hatdieKatto.vitzerConcorJia- Loge in hervorragender Weis;'bahnbrechend gewirkt, indem sie einen Versuch mit Grenzärmen machte und für sie in den Bergwerken ÖbcTschlesiens Arbeitsgelegenheit schuf. Der Erfolg hat diese Bemühungen gekrönt, und ich möchte an dieser Stelle der Concordia- Loge unsere freudige Anteilnahme an dem schönen Unternehmen zum Ausdruck' bringen. . Ich gestehe auch gern ein, daß mich ihr Vorgehen zu meiner Propaganda für die Wander- und Grenzarmenfürsorge bestimmt hat. Wenn wir auch keifte Bergwerke als Arbeitsgelegenheit für unsere Grenzärmen zur Verfügung haben, so wäre doch vielleicht,das Problem für unseren Osten auf andere Weise, zu lösen: alljährlich eröffnet die deutsche Feldarbeiterzenlrale in Berlin auf ihren ürenzäm t e r n e i n'e fieberhafte -Tätigkeit, u m . g e n üg e titf Und: wirtschaftliche Arbeiter für die"grollen Güter zu bekommen, Ich glaub?, dir-s wäre eine gute Gelegenheit, unsere Grenzärmen der Arbeit zuzuführen. Es würde (Sache der Großl'ige sein, gemeinsam mit der Zentrale *tür-, jüdische WanJerarmenfürserge, mit der deutschen-FtJdarheitcrzeniräle, dem Deutschen Landwirischaftsrafi? und .dem preußischen Landwirtschaltsmiiiisterittm in '-Verbindung zu treten und die Sache zu beraten. Dir Hinweis auf die Erfolge in Kattöwitz müßte meines Erachrens Erfolg haben. Unseren Agrariern» dürfte es vollkommen gleich sein, welch' r Konfession ihre Arbeiter angehören, wenn sie nur fleißig ihre Arbeit machen. Es müßten auf großen Gütern, auf Domänen, Versuche mit einzelnen Trupps gemacht werden. Man könnte eine Baracke mit Kochgelegenheit einrichten. Statt des Sonnabends würden eile Leute Uebcrstunden machen, bezw. am Sonntag mit stillschweigender Duldung durch die Behörden arbeiten. Das Aufcnthaltsr'echt würde sicher genehmigt werden, da ja nur wenige Moiiate in Betracht kommen. Hat sich erst einmal diese Methode bewährt, so ist uir-mich kein Zweifel, daß unsere nüchternen und fleißigen Glaubensgenossen von jenseitsderGrenzebald die gesnchtesleiiLandarbeiter sein werden. Selbstverständlich würde jede andere Arbeitsgelegenheit mit Freuden ergriffen werde^n. Mein Vorschlag soll auch nur eine Anregung sein. Nun habe ich vorhin gesagt, daß wir die Wander¬ und Grenzarmen aus ihrem Milieu entfernen nSüssen. — ny —

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