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Bericht der Großloge für Deutschland · 1913-08-01 · Nr. 8 - August · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1913
Issue
Nr. 8 - August
Date
1913-08-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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Personen von der Wand<rarmentür,sQrge, und welche von der Grenzarnienfürsorge erfaßt werden sollen; ferner erläutern, welche Mrttel und Wege einzuschlagen sind, dann aber will ich auf die großen Ziele hinweisen, die allein maßgebend sein müssen für unser ^arzes Arbeiten in, diesen Fragen. Zu den Wanderarmen sind zu rechnen die sogenannten Schnorrer, die von Ort zu Ort, von Provinz zu'Piovinz und von Land zu Land ziehen, vagabondierend, sittlich verkommen, zum Teil durch Not zu ihrem elenden Berufe, wenn man davon reden darf, getrieben, zum Teil durch Vererbung und •allgemeinen sittlichen Tiefstand. Diese Leute sind eine Landplage für alle O.te, die, sie mit ihrem Erscheinen heimsuchen; sie dienen wahrlich nicht zur Hebung des jüdischen Namens.' Ferner sind zu den Wanderarmen zu rechnen Personen, die aus ihrer Heimat ohne genügend Geld auswandern, und ferner ■Q&che, welche in;ihre Heimat rückwandern. Es.sind d.c beiden letzteren Kategorien nicht die schlechtesten Elemente; aber auch sie laufen Gefahr, in kürzester Zeit ihren sittlichen und moralischen Halt auf der Wanderung zu ver ieren. Zu den Grenzarmen sind zu rechnen diejenigen Leute, die in den '-Grenzdörtern und Grenzsadten "wohnen, durch die widrigsten politischen und sozialen Verhältnisse kümmerlich ihr Leben fristen und ihren Unterhält zu verdienen suchen. Bei uns in Deutschland würden Sie der iVtferitlichen und privaten Wohlrahrts*- fürsorge anhefmfatlen. Da sie in ihrer Heimat eine solche nicht in ausreichendem Maße finden, stellen sich in.regelmäßigen Abständen ein, und holen ihren Obolus Mit der Zeit entwickelt sich dadurch . gewisses Gewohnheitsrecht, und mir ist es mehrfach passiert; daß ich darauf aufmerksam gemacht wurde, ich hatte mich diesmal geirrt. DSes Kurz zur Charakteristik des Personenbereiches, auf den sich die Fürsorge' erslrecken soll. Wie ist dem Uebel zu steuern?- Was ist bereits geschehen und vfeas rat noch zii geschehen? Wie I inen bekannt ist, existiert die Deutsche Zentrale für Wanderarmenfürsorge in Berlin, für die einzelnen Provinzen und Landesteile Provinzialkassen, in deren Geschäftsgebiet die Ortskassen. Leider steht roch ein großer, in Ostpreußen wohl der überwiegende Teil der Gemeinden diesen Bestrebungen, fern und mißtrauisch" gegenüber. Es wird immer noch das jüdische Herz von den Outsidern angeführt, das den Betteleien nicht widerstehen kann. Und doch läßt sich nur durch die Regulierung der privaten und öffentlichen Wohltätigkeit etwas erreichen. Hand in Hand arbeitet mit" der Zentrale für Wanderarmen- . i— 11 fürsorge^unter der Aegide des D. I. G. B. die Arbeiterkolonie in Weißensee bei Berlin. Hier werden Wanderarme, die aufnahmefähig sind (d. h. also solche, die arbeitsfähig sind und an keiner ansteckenden Krankheit leiden), zur Arbeit erzogen, indem sie in einem Berufe angelernt werden. Meist nach 3 Monaten, oft aber auch später, werden die zu Menschen gemachten Leute entlassen, indem sie in den verschiedenen Berufen untergebracht werden, oder sich selbst Stellen suchen. Manche etablieren sich auch, viele aber, und das ist das Schlimme, kehren in die Heimat zurück. Vorübergehende Arbeitsbeschäftigung gibt es in Köln; in Hannover und in Leipzig werden die Wanderarmen vt>m städtischen Arbeitsamte beschäftigt. Wir sehen also, der Apparat funktioniert bereits; überall regt es sich schon, und es ist auch viel erreicht worden. Aber — und es muß auch vor einem größeren Kreise einmal offen ausgesprochen werden - im großen und ganzen hat man doch das Abschiebpngssystem kultiviert, und es ist wie eine Schnur ohne Ende, ein circulus vitiosus. Man war und ist froh, die Wanderarmen abschieben zu können, und man kennt an der. Provinzialkassen bestimmte Individuen ganz genau, die sie periodisch aufsuchen. Ich komme nunmehr auf den Punkt: Inwieweit ist die Wanderarmen- und Grenzarmenfürsorge für die Logenarbeit geeignete Was kann clie Groß'oge für Deutschland, was der Nordostdeutsche. Logenverband, was die einzelnen Logen tun?! Meine Ib. Brödei' Wenn wir wirkliche, praktische Logenarbeit leisten wollen, wie der Orden es von uns verlangt, dann müssen wir uns sagen: Wohltun und Bruderliebe finden ihre schönste Betätigung in der Fürsorge für unsere sozial und sittlich tiefer stehenden Glaubensbrüder. Auch für sie gilt das Propheten wort: Haben' wir nicht alle einen Vater, hat nicht e i n Golt uns erschaffen? Und für uns muß es heißen nach dem Spruche der Väter: Lo hamidrasch ikkor e!o hamaasse! Nicht die Lehre einer Sache allein, sondern die Tat ist die Hauptsache! Und darum meine ich, wird die Wander- und Grenzarmenfürsorge ein ganz spezielles Arbeitsgebiet unseres Ordens werden müssen! Nun ist ja von vornherein klar, daß nur die gemeinsame Arbeit mit den übrigen bereits bestehenden Institutionen zum Ziele und Erfolge führen kann. Darum wird die Bnei Briß-Loge gleichsam der gute Geist sein, der überall helfend und fördernd und befruchtend eingreifen wird. Darum wird es erforderlich sein, daß dieGroßloge mit den bestehenden Institutionen Fühlung nimmt und stets in großzügiger Weise auf

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