Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1913
- Issue
- Nr. 8 - August
- Date
- 1913-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Schwänken die Zielscheibe des Hohnes und Spelles. Am Anfang des 19. Jahrhunderts wird der gebildete Jude in einer Posse „Unser Verkehr" lächerlich gemacht und das „Mauscheln" in die Literatur eingefühlt. Eine verwüstende Wirkung ist davon ausgegangen. in den Zeiten trübster Volksvergiftung auf diesem Gebiete ist es fast ausgeschlossen, daß ein Jude als ..Held" einer Geschichte oder auf der Bühne erscheint. Eine leuchtende Ausnahme aus früherer Zeit Ist Lessings „Nathan". Wir wollen aber nicht verhehlen, drß es in der Neuzeit besser geworden ist, tmd daß heute der Jude als „Held" in diesem Sinne nicht zu den Unmöglichkeiten gehött. Ein solcher „Held" ist — um nur ein Beispiel anzuführen - der Professor BernharJi in Schnitzlers gleichnamigem Schauspiel. — ' Die Karikatur — angewandt vom Starken gegen Jen Schwachen - -. hat ihre intensivste Wirkung errecht, wenn sie bei dem Schwachen zu einer Selbstkarikatur, zu einer Selbst Verspottung geworden ist. (iustav Freytag") spricht mit folgenden Worten über i'as Prager GheUo in Feiertagsglanz: „Die Gemächer strahlen von modischem Glanz und duften von Pariser Parfüms, gebildete Herren un.l Fräuleins führen in a lermodernsten Tableaus, ,jäte ein geistreicher ..Schmock" zur Verspottung der eignen Sekte er-onnen hat, die Geschichte vom „Ritter Schmock und Dame Schöckeline," auf." Mit tiefer Betrübnis müssen wir - trotz vielfacher Haferungen — feststellen, daß auch heute die Zeit : 'ich nicht frej ist — weder, von der Karikatur üblen Stiles nooli von Selbstkarikatur. Noch existiert, das I lerrnfeld-Theater und roch wird (lies Theater von lidischer Seite besucht, um sich „die Sache einmal anzusehen" „Alle? just wie einst und heute; Selbe Welt und neue Leute." Die jüdische Stlbstverspottung,. dies kläglichste l eberbleibsel einer kläglichen Zeit, ist auf der ganzen Linie mit wachsendem Selbstbewußtsein zurückgegangen, aber sie ist noch nicht ganz verschwunden, tmd das ist das Einzige, was sie noch tun sollte. Ein christlicher Autor, der sich in einer jüdischen Zeitschrift mit Achtung über die jüdische Gemeinschaft ausließ, äußerte, daß er dieser Seite der jüdischen Seele stets völlig verständnislos gegenübergestanden hätte. *) Gustav Freytag : „Erzählungen und Geschichten aus schwerer Zeit" — Prosastücke aus dem Nachlaß, in Buchform veröffentlicht iVerlag Walther Fiedler—Leipzig 1849-511. Es gibt aber eine Erklärung-dafür, und das ist eine exzessive spezifische Freude am scharfen Witz. Es soll nicht geleugnet werden, daß sich nicht selten mit. diesen Selbstverspottungen ein scharfgeschliffener Witz vei bindet. Er darf aber keine Entschuldigung für sich selbst bilden. Für diesen Witz muß in unseren Reihen — sofern etwa noch auf diesem Gebiete gesündigt wird — als Ersatz Kunst treten. Kunst hat vielleicht nicht eine so explosive Augenblickswirkting wie der Witz, von dem wir eben sprechen, aber sie hat den Vorzug einer seelischen Reinigung und Läuterung, die nachhaltig wirkt, während der Witz der Selbstverspottung im Augenblick viel-1 leicht auf' viele Gemüter mehr wirkt, aber schließlich das Gefühl der Niedergedrücktheit nach sich zieht. Die KritiV am nächsten Morgen ist das Entscheidende. Ich will ein Beispiel aus jüdischem Kreise anführen, bei dem ich. selbst zugegen war. Ein jüdischer Künstler tritt auf. Ein wirklicher Künstler! Er bringt erst wahre Kunst, indem er ein Dichterwerk recitiert und mit. tiefer Tragik in gleicher Weise auf die Seelen wirkt wie. mit sonnigem Humor. Dann setzt er ein vertrauliches Lächeln auf und stellt fest, daß wir ja „unter uns" seien, in welcher Situation wir vermutlich manchen Ptift leichter vertragen. Und nun kommt Selbslverspotung, Selbstkarikatur üt allermöglichsten, in allerwitzip-.ten Variationen — mit einer Augenblickswirkung, vor der die a,rme--Kunst vorher s:ch schämig zurückziehen muß. Ich hoVf*, daß der nächste- Morgen wenigsten« Spreu von Weizen geschieden haben wird. - Die Logen werden gewiß mit wachsender Schärfe und mit wachsendem Erfolge ' den-Kampf, nicht bloß gegen die Karikatur, sondern noch viel mehr gegen die Sei b s t k a r i k a f u r führen. i '• Jüdisches Gemüt. Von Br. J o s e p h - Wiesbaden. . ,AL> wir Am vergangenen Montag Abend räch lange verausgegangenen Erwägungen* den definitiven Entschluß gefaßt hatten, die Toynbeehalle endgültig zu konstituieren, und mir die Ehre zuteil würde, an der Seite meines lieben Kindes; den erst in Abend mit eröffnen zu dürfen, wurde die Frage ventiliert, welches Thema Sie wohl alle ausnahmslos interessieren dürfte; und einstimmig wurdij gutgeheißen, über „Jüdisches Gemüt" zu sprechen. Was sollte uns denn auch näher liegen! Denn das jüdische Gemüt, das vielleicht durch die veränderten Erwerbsverhältnisse der letzten 40 Jahre manches Mal verloren zu sein schien, hat zugulerletzt uns doch auch hier zusammengeführt. Ja, ich