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Bericht der Großloge für Deutschland · 1913-08-01 · Nr. 8 - August · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1913
Issue
Nr. 8 - August
Date
1913-08-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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serer Loge, und dies Geheimnis darf ich auch in offener Loge hier verraten, — ob wir den hohen Zielen unseres Ordens auch allezeit gerecht geworden sind. Solch eine ernste, nicht bloß frohe Stunde ist auch diese Feier des zehnjährigen Bestehens unserer Loge. Wir würden gegen alle Regeln unseres Ordens handeln, wollten wir sie nur zu einem zufriedenen Rückblick auf das Erreichte und nicht auch zu einem gewissenhaften, mahnenden Ausblick auf das noch zu . Erstrebende nutzen. Möge darum das kommende Jahrzehnt hinter diesem vergangenen nicht bloß nicht zurückstehen, sondern es noch weit übertreffen und uns ein tüchtig Stück vorwärts bringen, hin zu den großen Hochzielen unseresOrdens, soweit wir bisher zu ihnen in diesem kurzen Spannraum mjch nicht gelangt sind, noch nicht gelangen konnten. Morgen werden die Festesworte wieder zerrönnen, die Festeskiange wieder verrauscht sein! Doch der Geist, den ein solcher Festtag in uns wachruft und stählt, soll bleiben und immer lebendiger in uns werden und immer stärker uns hinführen zu W. B. E., das heißt: als Mens c h e n zum Wohltun, als Brüder zur L i e b e,. als J u d e n zur E i n t r a'c h t! Dann war es wirklich , ein Festtag im Sinne unseres Ordens Bnei Bris-, im Sinne des Bundes der Brüder und der . Brüiler des Bundes!?.»'=)" V «r A . . Karikatur. Von Br. Grolisekre'tär Dr. Alfred G o I dsc h m i d t. Bf. A Boskouitz, Vorsitzender des Karikatur- ■ * ' Komitees der Theodor Herz! - Loge in Portland Oregons kille im Dezember des vorigen Jahres mit, daß seine Loge sich die Aufgabe stelle, die Judenkarikaturen, in Literatur, Kunst, Presse auszumerzen. Er fügte hinzu, daß die diesbezfiglichen.Beschwerden bei Tiieaterdirektoren find Zeitungsredaktionen guten Erfolg gehabt hätten. Die Theodor Herzl-Loge stellte 'beim Exekutiv-Komrtee den Antrag, ein National- Karikatur-Komitee zh begründen, um den Kampf systematisch zu führen. Dieser Antrag wird den Bearrfenrat der Kons,titutionsgro31oge beschäftigen. , In England ist ein ähnliches Vorgehen geplant. — In amerikanischen Schulen wurde auf eine Schülereingabe hin die Lektüre von Shakespeares „Kaufmann von Venedig" abgesetzt, weil, das Drama besonders mi* tt Rücksicht auf das kindliche Gemüt zu judenfeindlichen Deutungen Anlaß geben könnte, und durch ' „Julius Cae'sar" ersetzt. Ein tiefes Verständnis der Zeit und ihrer Erfordernisse spricht sich in diesem Vorgehen aus. Wir müssen von einer Erkenntnis ausgehen: im Völkereben herrscht die Macht. Die Macht bildet sich das „Recht", das ihr genehm ist. Mit dem „Recht" des Stärkeren wird der Schwächere unterdrückt. Aber „Recht': soll wenigstens Recht scheinen: der Schwächere wird als der Minderwertige hingestellt, der mit Recht unterdrückt scheint, und man tut alles, um ihn auch dazu zu machen; man schließt ihn gegebenenfalls von der Kultur — höheren oder niederen Grades — aus und sagt dann, daß er zu höherer Gesittung oder auch nur zu bestimmten Anforderungen nicht reif sei. Nicht zu den letzten Mitteln, die der Starke in d esem Kampfe gegen den Schwachen anwendet, gehört der Hohn und die Verachtung. Die Starken werden nach ihren s t ä r k s t e fi E-jc e m plaren, die Schwachen nach ihren schwächsten beurteilt; die Großen werden p'a r o d i e r t, die K I e i n e n karikiert. Die Karikatur ist an sich nichts -Bösartiges, sie wird es nur durch ihre Tendenz und durch den, der sie anwendet. Sie hat ein ander Gesicht,, wenn sie von dem Schwachen gegen den Starken, und ein anderes, wenn sie von dem Starken gegen den Schwachen1 angewandt wird. Die Karikatur an sich tendenzlos autgefaßt — wendet sich an diejenige Stelle der menschlichen SeeJe, in der nicht die schlechtesten Elemente ihrer Zusammensetzung sind, an die Stelle, wo das befreiende Lachen ausgelöst wird. Lachen aber ist die Befreiung aus Druck, Stimmung, Verstimmung. „Nichts ist allen Menschen so gemein," sagt Bruno Weil ), ,^vie die Freude an der Freude, und ein guter Witz überspringt mit dem Rechte der Narrenpritsche gesellschaftliche Vorurteile, und bindet alle Welt, mag sie sonst noch so geschieden sein, in menscheneinigendem göttlichen Lachen." . Äbe/ aus Himmel kaniv Holle werden! Das Lächeln kann zur Grimasse, das Lachen zum Hohn werden. Und Hohn ist etwas Häßliches. Gelährliches Wir wissen sehr wohl, daß Kinderfibeln, Literatur, Presse von Hohn, Spott, Verachtung — Karikatur im übelsten Sinne — gegen uns wimmeln. Auch die Großloge hat die Gefahr erkannt. Die Jugendschriften- Kommission wirkt in dem Sinne der Reinigung des öffentlichen Lebens auf literarischem Gebiete. Auch der Centräl-Verein führt seit langem in dieser Beziehung einen Kampf auf allen ihm erreichbaren Gebieten. Das Theater — Abbild des Lebens — spiegelt jeweils die Stellung des Juden im öffentlichen Leben wieder. Im Mittelalter ist der Jude iri den Passionsspielen**) ein Gegenstand des Abscheus, in den *) Bruno W«il: Spielarten des Antisemitismus. K. C** Jahrbuch 19Ü8. **) Confer Simchowitz, Dramaturg der Vereinigten Theater zu Köln — Vortrag „Der Jude auf dem Theater" — dt. Israel. Wochenblatt, 21. Febr. 1913.

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