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Bericht der Großloge für Deutschland · 1913-08-01 · Nr. 8 - August · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1913
Issue
Nr. 8 - August
Date
1913-08-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Gütern gehört, das ist oft genug viel wichtiger und noch öfter viel interessanter und anregender, als wenn Brüder sich mit jüdischen Dingen abquälen, die ihnen gar nicht liegen. Auch die Zahl der Redner und Vortragenden würde wesentlich sich mehren, wenn die Logen sich endlich über diese gutgemeinten, aber oft genug schlecht angebrachten Einschränkungen ihrer geistigen Darbietungen hinwegsetzen wollten.*) Vor allen Dingen, würden aber eine ganze Anzahl von Reibungsflächen in Wegfall kommen, die bei Behandlung ausschließlich jüdischer Probleme besonders in solchen Logen unvermeidlich sind, in denenidie weitest auseinandergehenden religiösen'Richtungen sich als auf neutralem Boden zusammenfinden oder wenigstens zusammenfinden sollten. Es heißt auch wieder praktische Religiosität üben und die religiöse Freiheit wahren, wenn diese Neutralität aufs strengste aufrecht erhalten wird. Das ist und bleibt eine der heiligsten Aufgaben jeder Loge um ihres inneren Friedens, wie um ihrer äußeren Existenz willen. Einer Loge kann gar keine schlimmere Brandmarkung widerfahren, als wenn sie in dem Ruf irgend einer einseitigen religiösen Richtung stehen würde; sie würde sich selberdamit um ihre Fixistenz Fähigkeit und, was noch schlimmer ist, weil die Vorwürfe dann den ganzen Orden treffen, um ihre Existenzberechtigung bringen. |a, ich stelle noch viel weitergehende Ansprüche an die Mitglieder einer Loge n dieser Hinsicht. Wir leben heute in einer Zeit scharfer politischer, wirtschaftlicher und religiöser Kämpfe. Von allen Seiten scharen sich die Gleichgesinnten enger und enger zusammen, und oft nehmen diese Kämpfe Formen an, die alles weniger als ideal und vornehm sind. Logenbrüder sollen solche Formen des Kampfes immer selber vermeiden und bei andern zu verhüten suchen; sie sollen immer nur die Sache im Auge behalten. Was im engen Logenraum als BrüderIjchkeit 'gepredigt und gepriesen wird und dort die Form, die'Rücksicht aufeinander gezwungen bewahren muß, kann selbstverständlich nur dann einen wahren Wert bekunden, wenn es außerhalb der Loge und ohne Zwang ebenso hoch und vielleicht noch höher gehalten wird. Wir sind alle darüber einig, daß auch die Ideale der Loge jene Gegensätze und Kämpfe nicht aus der Welt schaffen werden; ob nun wirtschaftliche, bürgerliche, geistige oder religiöse Strömungen in Betracht kommen, — die Weltgeschichte wird' noch lange nicht in einem großen, ruhigen Flußbett dahinrauschen, und die messianische Zeit *) Auch der Sonderausschuß für geistige Interessen''ist der gleichen Ansicht wie der Vf. bezüglich der Vorträge und Referate in den Logen. Vgl. Beilage Juli 1913. O — 11 der Eintracht unter den Menschen und des Friedens unter den Völkern steht einstweilen noch weit aus — im Judentum und außer halb "desselben. Aber wenn die Erziehung durch die Loge, wirklich einen Erfolg bekunden will, dann muß sie diesen Kämpfen jede persönliche Schärfe nehmen und lehren, niemals über dem Gegner den Menschen zu vergessen, gleichviel ob sich Fremde, timwievielmehr wenn sich Brüder einander gegenüberstehen. Das ist auch eines jener allgemein m enschlichen Hochziele, das eigentlich.nur vom Boden der Loge aus erstrebt werden kann, weil er der gemeinsame Sammelpunkt der verschiedenartigsten Juden, der. verschiedenartigsten Menschen ist, die sonst in ihren Berufen und - in ihren Anschauungen weit auseinandergehen, und jene Erstarkung des jüdischen Bewußtseins, die eben mit daraus entsprungen ist, daß man-sich auf diesem neutralen Beden gegenseitig trotz aller Dissonanzen und Differenzen als Menschen achten^ als luden anerkennen lernte, wird denn auch nur solange vorhalten, als diese gegenseitige Achtung und Anerkennung vorhält, sonst aber gar schnell wieder zerrinnen. Und das wäre höchst bedauerlich! Denn die Logen haben sich als eine t r e f f I i c1i e S c h u t zwehr gegen Abfall und gegen Gleichgültigkeit bewährt und haben gerade in den freier Denkenden das Gefühl geweckt," daß auf jüdischen Gebieten noch so .viel zu arbeiten und zu helfen not tut, daß es eineSchmach wäre, wollte irgend einer gerade aus den besseren jüdischen Schichten sich dieser Arbeit und Hilfe oder gar dem Judentum überhaupt entziehn. So darf ich denn zum Schluß" nochmals denen gegenüber, die in unserer Logenmitte ihre religiöse Freiheit nicht durch allzuviel Theologisches verkümmert sehen wollen, gerade .als Theologe sagen: Ihr habt recht! Der Logentempel ist keine Kultstätte, das Pult des Redners keine Kanzel, die Zeremonie kein religiöser Ritus! Ihr habt recht, daß Ihr in jeder Weise Eure religiöse Freiheit hier gewährt wissen wollt! Aber die Arbeit, dt'e hier geleistet wird, ist praktische jüdische Arbeit! Ihr dürft ruhig daran teilnehmen; dehn sie ist-irci besten Sinne des Wortes .Jüdisch". Wir hattet) 'uns nach außen hin ihrer noch nicht zu schämen, und es wird nur an uns allein liegen, daß wir auch u n-t e rei nander uns ihrer nicht zu schämen brauchen. Vergessen wir nur niemals, daß, ob wir nun als" Brüder* oder als Juden oder als Menschen von einander abweichen, doch.jeder einzelne von uns alles das i n e i h e m ist: Bruder, Jude, Mensch! In ernster Stunde sollen wir uns fragen — so heißt es drinnen in den geheimnisvollen Formen un- 9 —< 1 '

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