Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1913
- Issue
- Nr. 8 - August
- Date
- 1913-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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zu systematischer jüdischer Wohltätigkeit, die nicht bloß geben lehrt, sondern auch das Interesse für alle Wohltätigkeitsfragen weckt und vor allem zu ihrer verständigen Lösung anregt. Wie man vernünftig helfen, nicht mit bloßer planloser Gabe sich begnügen soll, das lernt man in dir Schule der Loge, und diese Wissenschaft ist doppelt wertvoll in u n s e r e f Zeit, in der Sie großen sozialen Fragen nur durch planvolle, geordnete, konzentrierte Hilfsaktionen gelöst werden können, soweit überhaupt eine Lösung möglich ist. Und zuletzt gilt ja auch auf diesen Gebieten unsere speziell jüdische Arbeit der allgemeinen Menschheit. Wir wollen unsere unglücklichen Glaubensbrüder, sei es im Inlande, sei es im Auslände, zu Menschen erziehen, zu brauchbaren Menschen im Lebenskampf, zu Menschen, für die es auch ein Menschentum gibt, und deren sich dann weder das Judentum noch das Menschentum zu schämen hat. Nichts ist beweisender dafür, wie die Logen mit ihren größeren Zielen gewachsen sind, als gerade ihre Betätigung auf diesen Gebieten. Welch gewaltige Stufenleiter von jenen Zeiten an, da der Orden nur eine Lebensversicherungsanstalt für seine Mitglieder war, bis •hinauf zur Gegenwart, wo er im Bunde der großen jüdischen Welt-Hilfsbrganisationen eine so bedeutsame Rolle spielt. Es gibt ja noch eine große Zahl von Brüdern, diedie-e ganze Entwickelungsreihe mitgemacht haben: erst die energische Abstreifung der rein geschäftlichen Lebensversorgung, dann die enge Beschrankung auf lokale und gelegentliche Wohltatigkeitsnbung, hierauf die ersten schüchternen Versuche, die Verwaltung größerer Wohltätigkeitsobjekte mit zu unterstützen, alsdann selbst solche zu begründen, endlich das Eintreten in die allgemeine Hilfstätigkeit und die rasche Zunahme aer Bedeutung des Ordens von diesem Augenblick an! Und wir stehen noch lange nicht am Ende dieser Entwicklung! Der Orden fängt erst an, innerhalb Europasauchin anderen als deutschen Ländern sich auszubreiten, und mit seiner Expansion wird auch seine Kraft und Bedeutung für die internationalen Hilfsaktionen des Judentums wachsen. Und wer wollte leugnen, daß auch diese großen Aktionen allgemeine Menschheitszjeie angehen, Menschheitsziele denen wir allein einstweilen noch immer nachstreben, weil wir keinerlei Unterstützung von anderer Seite dabei Finden, selbst von denen nicht, die'mit ihren großen interkonfessionellen Menschheits- und Humanitätsgedanken sonst so viele Worte machen. Ich habe noch nicht gehört, daß nichtjüdische Logen uns auf diesem Gebiete dringend notwendiger Menschlichkeit dauernd zur Seite stehen; höchstens solche, in denen sehr viele oder gar überwiegend viele Juden Mitglieder sind, und auch diese nur gelegentlich dann und wann, wenn einmal ganz besonders rohe Exzesse gegen Juden in einem Lande die Aufmerksamkeit darauf lenken, daß die Judenfrage auch eine noch immer nicht gelöste Menschheitsfrage ist. Jüdischer Einschlag, jüdisch etslarktes Bewußtsein bedeuten also auch hier, bei der Wertung der geistigen wie der materiellen Erdengüter, keine Hinderung, sondern eine Förderung und Erweiterung der großen, weittragenden, allumspannenden Menschheitsideen. In der Rechtfertigung des jüdischen Einschlages unserer Logen und der daraus resultierenden Erstarkung des jüdischen Bewußtseins denen gegenüber, die ausschließlich dem angeblich interkonfessionellen Freimaurertum das Wort reden, liegt nun aber auch zugleich die Verteidigung vor denjenigen, die in unserer eigenen Logenmitte das Jüdische zu Gunsten allgemeiner Tendenzen zurückgestellt wissen wollen. Denn die Schätzung geistiger Werteunddiepraktische, vernünftige, systematische Wohltätigkeit, diese beiden Hochziele, zu denen die Logen uns erziehen wollen und sollen, sind, wenn sie auch im Sinne des Judentums erstrebt werden, doch gewiß nicht theologischer oder auch nur rein konfessioneller Natur und erfordern in keiner Weise eine Einschränkung religiöser Freiheit die so manchem mit Recht lästig fallen würde. Im übrigen habe ich von jeher den Standpunkt vertreten, daß die geistigen Werte, die in den Logen gepflegt werden sollen, nicht ausschließlich religiösen oder jüdischen Charakters sein müssen. Ueber religiöse und über jüdische Dinge wird ohnedies viel zu viel von Unberufenen geredet; hier hält sich jeder für berufen, und auf keinem ernsten Gebiete macht sich die Einbildung und die Halbbildung so breit, als wenn es gilt, allgemein religiöse oder speziell jüdische Fragen zu erörtern. Die Loge soll solchen Mißständen gar nicht ihren Resonanzboden leihen. Warum soll denn nicht in den Logen ein jeder über dasjenige sprechen und vortragen, das er versteht? Es gibt doch genug Geistes- und Wissensgebiete, die für alle belehrend und interessant sind, und es gibt jn jeder Loge Männer aus allen Lebenskreisen, die^Kenntnisse und Erfahrungen genug besitzen, sie in einem. Vortrage den übrigen Brüdern zu übermitteln. Für die brennenden Fragen der Philosophie, der Literatur, der Kunst, der Technik, des Handels, der sozialen Strömungen, des Wirtschaftslebens alle Brüder zu interessieren, sie zu orientieren über dies und jenes auf allen diesen Gebieten, das sie sonst nicht^kennen lernen würden, und das doch mit zur Allgemeinbildung und ~z\x den allgemeinen geistigen