Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1913
- Issue
- Nr. 8 - August
- Date
- 1913-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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keine gewöhnliche Erziehungsanstalt, sondern vielmehr eine geistige Hochschule sein, und wenn wir das geistige Niveau hüben und drüben betrachten, in den jüdischen und in den interkonfessionellen Logen, dajiu dürfen wir zum mindesten aussprechen, dat> jüdischer Einschlag hüben und auch drüben dieses Niveau noch nie herabgedrückt, sondern nur gehoben hat. Die Schätzung der geistigen Werte im Judentum ist ja uralt und hat selbst in solchen Zeiten nicht nachgelassen, in denen die Juden von aller Kultur durch ihre äußere traurige Lage abgeschlossen waren; ja stlbst in solchen nicht, in denen sie selber in einer gänzlich unberechtigten Furcht vor der Einwirkung der äußeren Kulturentwickelung freiwillig sich vor ihr zurückgezogen hatten. Eine Erscheinung, wie sie sich gerade in den Tagen dieses tiefsten Kulturstandes herausgebildet hatte und zwar in den Ländern, die noch immer wegen ihrer jüdischen Kulturtiefe die Schmerzenskinder der jüdischen Hilfsvereine, auch der Logen; sind, daß der Millionär im polnischen"Dorfe und in der russischen Stadt sich geradezu glücklich schätzte, einen hochgelehrten Jungen, und wenn er auch so arm wie eine Bettelmaus war, als seinen Schwiegersohn zu ergattern, daß er ihn mitsamt Frau und Kindern dauernd im Hause behielt und ernährte, nur damit der kluge Kopf, unbehe'Mgt von allen Lebenssorgen, ausschließlich und allein seiner Wissenschaft leben konnte, — eine solche, wenn auch mit unseren heutigen besseren Begriffen nicht harmonierende, so doch typische Wettschätzung geistiger Arbeit weist die Geschichte keines anderen Volkes auf. Und das ist nur e i n Beispiel der Art, wie geistige Werte im Judentum hochgeschätzt wurden, trotzdem man, sicherlich ist auch das wahr, die m a - t e r i e 11 e n Werte nicht verachtete, sondern sie r i c tätig einschätzte als unentbehrliche Waffe und Wehr im Kampfe ums Dasein. Das ist es eben, was das jüdische Bewußtsein als besonderen Einschlag besitzt, daß es die Welt mit vernünftigen Blicken betrachtet und keine dogmatischen Ideen in sie hineinträgt. Es hat niemals einen Idealzustand darin erblickt, daß ein Mensch arm sein müsse, und es hat auch niemals das Geistes wissen als eine Ausgeburt von Teufeln und Hexen gebrandmarkt. Daß wir für die äußere Fortentwickelung in der Welt die Materie und für die innere den Geist brauchen, das ist für uns Juden von jeher etwas so Selbstverständliches gewesen, daß selbst kein religiöses Dogma sich an diese Selbstverständlichkeit heranwagte, sondern im Gegenteil die Religion selber beides, die Nutzung des Materiellen. und des Geistigen, in ihren Kreis hineingezogen hat- Ist das nun so verdammenswert, wenn in einem Maschinenzeitalter wie dem unsrigen, da die gewaltigen '..; - 11 Fortschritte auf dem Gebiete der Materie alle anderen überragen, da die machtvolle Umgestaltung des ganzen äußeren Lebens durch die Technik die Gefahr einer Unterwertung des Geistigen nahelegt, Juden sich um so kräftiger dieser geistigen Werte in ihren Kreisen annehmen und zu ihrer Pflege und Erhaltung sich in eigenenLogen zusammenschließen? Es ist ihre Pflicht, als Juden gerade dies zu tun; sie genügen damit nur den Lehren, die sie aus üirer Geschichte, und den Anschauungen, die sie aus ihrer Religion entnehmen. Sie treten damit auch nicht in Gegensatz zu ihren konfessionellen Dogmen; sie brauchennicht etwa in den Logen, wie es die christlichen Freimaurer tun, etwas Höheres, die Konfession Ueberragendes, oder •sogar manchmal etwas zu ihr Gegensätzliches und sie Aufhebendes zu erblicken! Nein, unsere jüdischen Logen entsprechen ganz und gar dein Geiste unserer Religion, indem sie die geistigen-Werte äjs das Höchste einschätzen, 'und mit vollem Rechte wird in den feierlichsten Augenblicken, die es je in eiriet'Logensitzuiig nur geben kann, und in denen wir. auf die% höchsten geistigen Ziele des Ordens immer wjeder hingewiesen werden, gerade die Gestalt des Mannes den Brüdern vorgeführt, in dem wir als Logenbrüder unser Ideal und als Juden zugleich den Begründer unserer Religion erblicken. Ist nun aber eine solcheSlärkung des jüdischen Geistes oloß jüdisch, oder dient sie nicht vielmehr den höchsten, allgemein menschlichen Interessen? Kommt uns das nur als J u d e n zugute, wenn wir an die Hochschätzung der geistigen Werte im Menschenleben gewöhnt werden, oder nicht vielmehr und erst recht als Menschen? Und nun gar, wenn wir uns der Betrachtung der materiellen Werte zuwenden, ist da der jüdische Einschlag in das Logenleben nichj erst recnt der allfcri reinste menschliche, der sich nur denken läßt? Wir Juden schätzen die materiellen Besitztümer nicht bloß als Waffen im Lebenskampf für u n s, sondern auch für andere, und wir, entnahmen daraus die Pflicht auf Erden, diese anderen, die wehrlos dem Lebenskampf gegenüberstehen, mit unter unserentSchild und Schutz zu nehmen. Weil wir aber in der Armut kein Ideal erblicken, darum ist auch unserldeal vom W o h 11 u n ein ganz anderes, und wenn wir in dieser Hinsicht hüben und diüben vergleichen, dürfen wir gewiß wieder sagen', daß der jüdische Einschlag nie etwas geschadet hat- Auch hinsichtlich der rechten' Wertnutzung der materiellen Güter ist das j ii d i s c h e B e w u ß ts e i n durch die Tätigkeit der Logen ein noch stärkeres und ausgeprägteres geworden, als es ohnedies schon war. Die Loge ist gleichsam auch hier eine Erziehung .