Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1913
- Issue
- Nr. 7 - Juli
- Date
- 1913-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Sinne des Wortes wirksam «ein, welche das soziale Gewissen schärft und die soziale Tatkraft stählt — sagt Levy. Die soziale Erziehung ist die Hauptsache, die Geldbeschaffung steht erst an zweiter Stelle. — Mit der Verfeinerung des Empfindens ist das Gefühl für die Auswüchse wohltätiger Veranstaltungen stärker geworden. Feilchenfeld*) hält die Wohltätigkeitsfeste für eine sehr, unsympathische Art der Geldbeschaffung. Sie geben bei hohen Unkosten minimale Erträge. Die Unkosten betragen bis 75, ja bis 90" „. Feilchenfeld bezeichnet diese Feste, als eine bedeutende Belästigung des Publikums und hat ethische Bedenken gegen das Amüsement der Wohlhabenden zu Gunsten der Armen. Lassen wir noch einige andere Stimmen folgen. Eine männliche: „Es gibt Frauen, die im Winter gefährlicher sind als Dynamit. Bei den Bomben ist es dgch mit einem Male vorüber, aber bei diesen Damen bricht aus der Tasche jedesmal eine neue Eintrittskarte." Und.eine weibliche:**) „Sie tanzen zum Besten der Krüppel und hören Konzerte / zum Besten der Taubstummen, sie trinken Champagner, um arme Kinder zu speisen, Trinkerheilstätten baüen zu können; — aber kennen sie wohl die Menschen, denen ihr Amüsement zugute kommen soll? Nein, natürlich nicht! Dann wären nämlich solche Absurditäten unmöglich." Die Wohltätigkeitsfeste mögen im Interesse der Wohlhabenden und der Armen an manchen Plätzen schwer zu entbehren sein, besonders an kleinen Orten, wo Leute mit ausgedehntem Vermögen, engem Gesichtskreis und vielen Töchtern leben, aber sie müssen doch bekämpft werden. Es darf nicht vergessen werden, daß die Erziehung zu tiefer sozialer Einsicht auf der ganzen Linie für die Zukunft mehr Mittel, verspricht, als der Wegfall der Wohltätigkeitsfeste in der Gegenwart Verluste bringt. Wenn nun die Jetztzeit daran geilt, gewisse Formen der Mittelbeschaffung zu beseitigen, so ist es ein selbstverständliches Gebot, diejenigen Formen auszubauen, gegen die eine Einwendung nicht zu erheben ist, bezv/. das allgemeine Interesse für sie zu erwecken. Dazu gehören: Mitgliederbeiträge, einmalige Beiträge, Sammelbüchsen, Selbstbesteuerungen, Ablösungen, Stiftungen einzelner, Stiftungen von Gruppen zu Ehreii einzelner, Wohlfahrtstage,***) einheitliche ' Artikel: Jüdische Wohlfahrtspflege. Mon.-Ber. der Groliloge Beilage 1909. s , **) Adele Beerensson: „Wohltätigkeiissaison". Artücel Vossische Zeitung 4. Dez. 1909. ' . '") Nicht tti dem Sinne der üblichen Blumentage. Einziehung aller Wohlfahrtsgelder des einzelnen, ein Verfahren, welches geeignet isf, einerseits die Belästigung vielfacherAbholung vonQeldern zu beseitigen, andererseits eine Erhöhung-der Selbstbesteuerung durch den Vergleich aller. Gaben für Wohlfahrtszwecke mit dem Jahresetat des.Gebers herbeizuführen. Es ist hier nicht der Ort nachzuprüfen-, welche Wege bisher eingeschlagen, welche Vorschläge gemacht worden sind, um eine Steigerung der Mittel für die allgemeine WohJfahrtspflege herbeiziiführen. Eine freudige Genugtuung aber dürfen wir empfinden, indem wir angesichts der Bestrebungen der Gegenwart feststellen können, daß in unserem Orden die als bedenklich bezeichneten Mittel der Geldbeschaffung nur in verschwindendem Umfange — stellenweise — angewandt worden sind, während fast alle anderen als „werbende" bezeichneten Formen bereits bei uns existieren. Wir führen — als selbstverständlich — an: die Mitgliedsbeiträge und einmaligen Beiträge. Die als vorbildlich bezeichnete Form des Gedenkens im Glück besteht bei uns seit der Gründung des Ordens. Sie beschränkt sich nicht bloß auf das Glücksverhältnis, sondern ist auch auf den Zeitpunkt der Trauer ausgedehnt. Es vergeht kaum ein Ereignis der Freude oder Trauer im Orden, an dem der einzelne Bruder nicht sein . Scherflein , für die Enterbten des Glückes darbringt. Als Ansporn darf aber vielleicht eine kleine Geschichte, die Levy berichtet, hier Platz finden: Ein Arbeiter war in den unerwarteten Besitz einer durchaus nicht sehr'erheblichen, Erbschaft gekommen. Er erschien auf dem Bureau eines Wohltätigkeitsvereins, dem er selber von früher verpflichtet war, und legte einet» Teil der Erbschaft nieder, weil für ihn und seine Frau ein voller Genuli des unerwarteten Glückes nicht denkbar sei, ohne daß auch andere — der Hilfe mehr Bedürftige — daran teilnähmen.— Die Form der Kollekte besteht bei uns in der logenabendlichen Aufstellung der Sammelbüchsen. In den letzten Jahren hat das System der Ablösungen in den Orden Eingang gefunden'. - Wir besitzen als Form die Stiftungen einzelner und zwar1^ soweif ich übersehen kann — ,in höherem' Maße die Stiftungen Lebender als Legate; unter den ersteren verhältnismäßig häufig solche zu ehrendem Gedenken lieber Verstorbener. Andrew Carnegie greift in seinem Buche „Die Pflichten des Reichtums" die Legate an. Der Ueberfluß soll nach seiner MejiHing zu Lebzeiten verwendet, sein Zweck bestimmt und verfolgt.werden; man soll die Mühe nicht anderen überlassen. Carnegie tritt für hohe Besteuerung hinterlasse,ner großer Güter l