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Bericht der Großloge für Deutschland · 1913-07-01 · Nr. 7 - Juli · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1913
Issue
Nr. 7 - Juli
Date
1913-07-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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/ der Arbeit" gewendet werden, die Zerstörung der Maschinen durcli die Weber in Schlesien konnte schnell durch ein paar Gewehrschüsse zu einer vorübergehenden Episode gemacht werden. Die französische Revolution des endenden IS. Jahrhunderts zeigt ein ander Gesicht. Die Geschichte der letzten Jahrzehnte mit ihrer politischen Zusammenfassung der untersten Schichten, mit ihren Teil- und Massenstreiks schreibt deutliche warnende Zeichen an den politischen Horizont. Zu allen Zeiten existierte die private Wohltätigkeit als Ausgleich der schlimmsten Auswüchseder Ungleichheit, zuerst in der individualform, der HHfe des Einzelnen für den Einzelnen,, sodann in der Gruppenform, der Vereinsform, im Zusammenschluß der Einzelnen für möglichst viele Einzelne. Diese Tätigkeit bestand — soll man sagen als Gegensatz oder als Ausgleich zu der vielfach gepflegten Anschauung von den „gottgewollten Notwendigkeiten" des Gegensatzes von Arm und Reich. Wenn man's recht betrachtet, wäre eigentlich vom Standpunkt der göttlichen Vorsehung sowohl der Gegensatz wie der Ausgleich sündhaft. Wie dem auch immer sei, es lag doch ein Moment in dieser Tätigkeit, das nicht verkannt werden darf: Güte! Der neueren Zeit blieb die Erkenntnis vorbehalten, dali zu ihr mehr wie Güte gehört: Pflicht! Aus solcher Erkenntnis heraus hat der Staat seine Krankenkassen-, Invaiiditats- und Unfallversicherungsgesetze geschaffen. Wie weit dabei die Rücksicht auf die erstarkende Macht der Arbeiterpartei mitgewirkt hat, also die Angst, bleibe hier dahingestellt. Das mag für Politik gelten! Im Fühlen und Denken der Edelsten ist jedenfalls nicht die Angst das Entscheidende, nicht das plötzlich auftauchende Gefühl der Unsicherheit im Genuß, wie es Kiellands Novellette „Ballstimmung" schildert. Es biegt sich gleichsam der Boden der Tanzenden unter dem Fiuchc von Millionen. Angst ist ein schlechter Erziehungsfaktor. Die tiefste Erkenntnis des menschlichenLeides muß den höchsten Willen zur Linderung erwecken. In dieser Beziehung ist es zweifellos in der Neuzeit erheblich besser geworden gegenüber der „gutetf*alten Zeit" und es daif .Münsterbergs Wort wohl beigepflichtet werden: „Kein Zeitalter ist reicher gewesen an Barmherzigkeit als das unsere." ,Um so niederdrückender ist bei der Erkenntnis der Unendlichkeit des menschlichen Leids das BewuLS'sein der Begrenztheit der Mittel, mit denen man helfen kann. Der Staat kann in seiner jetzigen Form den wirtschaftlich Versinkenden nur das Minimum geben/das ihre l ortexistenz eben gerade noch gewährleistet. Das Zaubermittel, mit dem der Staat höhere Wünsche befriedigen, die allgemeine Glückseligkeit herstellen könnte, ist noch nicht gefunden. Die private Wohltätigkeit ist noch nicht zu entbehren. Zu ihrer Ausübung sind eine nicht unbeträchtliche Anzahl Vereinsgründungen entstanden, die ein reichliches Arbeitsfeld haben und im allgemeinen gut arbeiten. Daß ein Verein — nach Berichten — eine Lebensdauer von einem Jahre, aber keinen Unterstützungsbedürftigen aufzuweisen hat und daß er nichtsdestoweniger beflissen ist, neben einer Normaleinnahme von 48. Mark Vereinsbeiträgen sein Vermögen durch eine Tombola auf 288 Mark zu steigern, um dann auf die Suche nach Hilfsbedürftigen zu gehen, kann wohl als eine kuriose Ausnahme bezeichnet werden. Im allgemeinen reichen alle Mittel nicht aus, um das menschliche Leid genügend zu lindern, so wie es noch nie einen Krieg gegeben hat, in dem der Bedarf an Aerzten völlig ausreichend gewesen ist. Die Aufbringung der erforderlichen Summen, die Art der Mittelbeschaffung hat nun in der letzten Zeit die öffentliche Aufmerksamkeit in nicht geringem Maße in Anspruch genommen. Der Vorsitzende der Zentrale für private Wohltätigkeit Dr. Albert Levy-Berlin hat über das Thema der „Beschaffung der Geldmittel für die Bestrebungen der freien Liebestätigkeit"*) eine beachtenswerte Schrift geschrieben. Aus den Berichten, die ihm zuflössen, ist interessant zu entnehmen, daß — beLeiner Zusammenstellung der Resultate von 1500 Organisationen — bei der Beschaffung der Geldmittel einmalige Beiträge an erster Stelle standen f 1S.69" o), an zweiter Steile Mitgliederbeiträge (13.68" an sechster Stelle Blumentagc (3.75° 0), an siebenter Kollekten und Büchsen (2.81° ,), an neunter Feste (0.91° ,l, an zehnter Lotterien (0.9° 0), an elfter Bazare und Tombolen (0.6°',,), an dreizehnter Konzerte (0.41' 0), an vierzehnter Theateraufführungen (0.2"/0) Aus dieser kurzen Uebersicht ergibt sich, daß die Einnahmen aus besonderen Veranstaltungen einen Vorrang jedenfalls nicht beanspruchen dürfen. Sie ergeben zusammen nur 6.87 0 der Beträge. Ihnen stehen gegenüber diejenigen Akte der Geldmittelbeschaffung (mit 46 54 ), die als werbende bezeichne! werden (einmalige Beiträge, Mitgliederbeiträge etc. i — Nur die Art ^der Agitation kann für die Zwecke der freien Liebestatigkeit im tieferen ') Verlag von Dmicker und Humblot, München und Leipzig 1912 — Preis 4,40 M. . I

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