Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1913
- Issue
- Nr. 7 - Juli
- Date
- 1913-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Berlin, Juli 1913. BERICHT Nummer 7. der GPSSLOGE FÜR DEÜTSCRLAND flll i 0. i l Eingetragener Verein. Eigener Verlag der Grossloge. Bureau: W. 62, Kleiststr. 12. Telephon:-Amt. Lzw., No. 4619. Nachdruck sämtlicher Artikel aus diesen Berichten verboten. Inhaltt Der Orden und du- Beschaffung der Geldmittel füt freie I .iebestiitigkcit. F.iujährigcr' oder zweijähriger Terrinn*? <-7 äitziiuc: J« K nken Schwestern Komitees. - Beelitz. Ans den Losen des VIII. Distrikts. - Sitzung des Lxekutiv-Komirec>. ,\u< Amerika. Badeplatzen. Mitteilungen der Logen. - Aus dem Oedächtnisbuche der QroHloge.' Vrrangements an Der Orden und die Beschaffung der Geldmittel für freie Liebestätigkeit. Von Br. Orolisekretär Dr. Alfred O o I d s c h m i d t. Als Prof. Klumker im Berliner Kathaus am Anfang dieses Jahres einen Vortrag über die Notwendigkeit der Zusammenfassung aller charitativen Bestrebungen hielt, erwähnte er eine kritische Aeußerung, die seiner auf sozialem Gebiete liegenden Lebensaufgabe galt. „Sie ist schön — Ihre Tätigkeit!" lautete, diese Aeußerung. „Das würde mir nicht genügen" - antwortete Klumker, „würde zu meiner inneren Befriedigung nicht ausreichen. Mehr noch: sie ist notwendig!" Ob sie notwendig ist — die soziale Tätigkeit? Die Tätigkeit derjenigen Gruppen und Individuen im Volkskörper, die es vermögen, für eine menschenwürdigere Lebenshaltung derjenigen Schichten zu sorgen, die dazu nicht imstande sind? Lassen wir einige Zahlen sprechen! Ich entnehme sie der preußischen Einkommensteuerstatistik des Jahres 1908 : von 38 Millionen Einwohnern Preußens waren rund 20 Millionen steuerfrei, d. h. sie hatten noch nicht 900 Mark Einkommen. Unter den 38 Millionen waren ca. 14% Millionen Personen eigentliche Steuerzahler, d. h. Haushaltungsvorstände oder Alleinstehende Von ihnen waren 8.7 Millionen (=59.6 ' 0) steuerfrei bei Einkommen unter 900 Mark; 4.7 Millionen hatten ein Einkommen von 900—2000 Mark. Die beiden letzten Gruppen machten zusammen 92 >„ aus, nur der Rest von B*/i versteuerte über 2000 Mark. In Worten, ausgedrückt heißt das in freier Uebersetzung: der überwiegende Teil der Gesamtheit bat ein so dürftiges Einkommen, daß der Gedanke einer Versteuerung, eines Beitrages zu den Kosten der Allgemeinheit.nicht aufkommen konnte; die angegliederten Schichten leben knapp und unzureichendJür berechtigte und natürliche Ansprüche ihrer Lebenshaltung, nur eine Minderheit ausreichend und behaglich, efn Bruchteil luxuriös. In einem Artikel*), der jeine Besprechung der österreichischen Strafrechtspflege enthielt, waren unter Individuen, die wegen Verbrechen verurteilt worden waren, aufgezählt: 901 ■_> °,0 ohne Vermögen, 9l lft mit einigem Vermögen, Vi,," , also noch nicht 1 wohlhabend. Verbrecher ist also fast hur der Arme — sagt Gizycki mit Rücksicht auf diese Zahlen. Ich nehme an, daß mit „Vermögen" der finanzielle Ausdruck der Lebenshaltung d. h. des Gesamteinkommens gemeint ist. Trotz der Mangelhaftigkeit der statistischen Notiz kann man aber doch wohl, ohne Wideispruch zu finden, den Satz aufstellen: das Verbrechen ist in einer erschreckend.großen Anzahl von Fällen der verzweifelte Ausdruck einer yölHgunzureichend'en Leb e n s h a 11 u n g. Die schreiende Ungleichheit der verschiedenen Gruppen hat in der Weltgeschichte — früher mehr unbewußt, später mehr und mehr bewußt — zu mannigfachen explosiven Reibungen geführt.. Die Aus- - Wanderung der Plebejer auf den Heiligan Berg, der Massenstreik des arbeitenden (römischen) Volkes, wie man sich heute ausdrücken würde, konnte noch durch eine Fabel des Menenius Agrippa -(vom Magen und den Gliedern) zur Heimkehr, zur „Wiederaufnahme *) Zitiert in Gizycki „Vorlesungen, ürjer soziale Ethik." 1tS°5. Diimmlers Verlag.