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Bericht der Großloge für Deutschland · 1913-06-01 · Nr. 6 - Juni · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1913
Issue
Nr. 6 - Juni
Date
1913-06-01
Page
[Seite] (sequence 14)
Language
German
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Mitte gerissen. Noch hatten wir uns nicht von dem Entsetzen und dem Schmerze des Vorangegangenen erholt, als unser I. Br. Salo Creutzberger als vierter Bruder in dieser kurzen Zeit starb. Alle diese leider viel zu früh Heimgegangenen waren nicht nur.durch unseren Orden mit uns verbrüdert, sondern standen i'ns weit mehr noch durch innige freundschaftliche Bande sehr nahe. Darum ist es begreiflich, daß unsere Gemüter in reichem Maße bedrückt waren und dies viel zur Unterlassung mancher guten Vorsätze beigetragen hat. Ebenso waren diese traurigen Ereignisse von großem Einfluß auf unsere geselligen Veranstaltungen, die fast ganz unterblieben. Später mußten wir auch noch zu unserem großen Bedauern unseren 1. Präs. Br. Dr Alfred Goldschmidt von uns scheiden sehen, der von der hochw. Großloge als Nachfolger des verstorbenen Br. Wolff nach Berlin berufen wurde. Durch den Wegzug dieses lieben Bruders, — inmitten seiner Amtstätigkeit, — der zu nnseren populärsten und beliebtesten Brüdern gehörte, ist eine besonders große Lücke jn unseren Reihen entstanden. Gern gedenken wir an -dieser Stelle der regen und erfolgreichen Tätigkeit „unseres" Präsidenten Br. Dr. Alfred Goldschmidt. Trotz alledem zeigen die Protokolle, daß sehr fleißig gearbeitet, nichts vernachlässigt und sämtliche eingegangenen Schriftstücke recht eingehend behandelt und' gewissenhaft erledigt wurden. Zu Beginn des Jahres 1912 wurde auf Anregung des Br. Dr. Alfred Goldschmidt und dessen Gattin die Michael Sachs- Schwesternloge gegründet. Hier möchte ich noch besonders die verdienstvolle Tätigkeit der ersten Präsidentin, Frau Dr. Goldschmidt, erwähnen. Dem Jugendverein, der durch einen beklagenswerten Unglücksfall so gut wie aufgelöst war, wurde durch das Eingreifen unserer Loge eine neue Existenzmöglichkeit geschaffen. Im September fand die Trauerloge für die verstorbenen BBr. statt. Nach vorangegangenen Beratungen wurde beschlossen die bisherigen Räume zu verlassen,- und nci;e Räume zu beziehen. Im Dezember wurden drei BBr. neu eingeführt, die letzte Amtstätigkeit unseres scheidenden Präsidenten Dr. Goldschmidt. Zu dessen Ehren wurde am 22. Dezember das Abschiedstest begangen, an welchem sich alle Nachbarlogen und die Lessingloge durch Entsenden von Delegierten beteiligten. Hierauf übernahm Vizepräsident Br. Münzer die Leitung unserer Loge und entfaltete ebenfalls eine recht rege Tätigkeit. Zu erwähnen wäre noch, daß 30 Sitzungen und eine außerordentliche Sitzung abgehalten wurden. Von den interessanten und belehrenden Vorträgen und Referaten ist besonders hervorzuheben das in offener Loge gehaltene Referat unserer Logenschwester Frau M. Tichauer über das Thema: „Sollen die Frauen an den Arbeitssitzungen der Männer teilnehmen?" Dieses Referat beweist, daß unsere Logenschwestern an unseren Arbeiten den regsten Anteil nehmen! Auch das Unterstützungskomitee hatte reichlich Gelegenheit in Aktion zu treten. — Die letzten Sitzungen stehen im Zeichen des Umzugs. Bei der Neueinrichtung des neuen Logenheims zeichneten sich sämtliche BBr. durch reichliche Spenden aus, um das neue Heim recht würdig auszustatten. Es ist anzunehmen, daß auch die Arbeitslust aller BBr. in den neuen Räumen wachsen wird. So hat in diesen auch schon ein Vortrag unseres jetzigen Präsidenten Br. Dr. Steinhardt stattgefunden. Die erste Sitzung im neuen Logenheim ist besonders durch eine sehr würdige Ansprache unseres Expräsidenten Br. Rabbiner 9 Dr. Goldschmidt eingeleitet worden. i Somit ist w ieder ein Jahr, — das mit einer Trauerloge bei uns begonnen, — dahingegangen! —Das neue Geschäftsjahr beginnt mit der Einweihungsfeier, also einem freudigen Anlaß! Dazu ist das kommende ein JuDiläumsjahr für die Michael Sachs-Loge. Alles dieses sei uns für die Zukunft ein günstiges Vorzeichen des Fortschritts und der Freude und so schließe ich meinen Bericht mit dem Wunsche, daß unsere Loge weiter wachsen und blühen möge! Besprechungen literarischer Neuheiten. Die Sagen der Juden. Gesammelt und bearbeitet von Micha Josef bin Oorion. Rütten & Loening, Frankfurt a. M. Preis brosch. M. 6. , geb. M. 7.50. Gibt es jüdische Sagen? Echte, alte jüdische Mä chen und Mythen? Man hört in wissenschaftlichen und populären Werken viel vom Intellekt der Juden. Von der Phantasie der. jüdischen Rasse ist selten die Rede. Und doch haben auch die Juden wie alle anderen Völker geträumt und gedichtet, und wer das Judentum beurteilen will, muß auch diesen weniger beachteten Zweig des jüdischen Geisteslebens kennen. Solange die jüdischen Sagen jedoch in einer ungeheuren, mehr als ein Jahrtausend umfassenden Literatur zerstreut waren, war es selbst dem Fachmann kaum möglich, mehr als einen Bruchteil dieses Oebietes zu kennen. Jetzt sind in einem großangelegten Werke, dessen erster Teil uns vorliegt, zum ersten Male die Sagen der Juden gesammelt und durch die Uebersetzung in die deutsche Sprache einem größeren Kreise zugänglich gemacht worden. — —

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