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Bericht der Großloge für Deutschland · 1913-06-01 · Nr. 6 - Juni · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1913
Issue
Nr. 6 - Juni
Date
1913-06-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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zu7 spalten. Wir wollen nicht trennende Barrieren, sondern verbindende Brücken bauen.— Die Kräftigung jüdischen Bewußtseins, die Verbreitung allgemeiner Bildung und Fortbildung und jüdischer Geschichte im besonderen, die Vertiefung und Befestigung der Charakterentwicklung zu guten Juden und. zu ethisch hochstehenden Menschen, die Aufgaben sportlicher Art in Turn-, Ruder- und Wanderabteilungen, die körperliche Ertüchtigung, die Pflege edler Geselligkeit, die ausgleichende freundschaftliche Annäherung, die vielfachen sozialen Aufgaben, die Bekämpfung des Indifferentismus und des jüdischen Antisemitismus, all dies und so vieles mehr sind gemeinsame Aufgaben, in denen sich die Anhänger aller Richtungen Itarmonisch zusammenfinden können und zusammenfinden sollten. Auch die hierbei aufzubringende und allseitig zu übende Toleranz ist mit ein wesentlicher Erziehungszweck. Darum sehen wir in der Vereinigung der Jugend aller sogenannten Richtungen, Anschauungen und Schat'ierungen ebenso die Grundpfeiler, auf denen Ihre Organisation ruht, wie gleichzeitig deren schönsten und segensreichsten Erfolg. Auch noch aus einem anderen Grunde wurde der Schöpfung spezifisch jüdischer Jugendvereine widerraten. Man glaubte, daß sich unsere Jugend allzusehr von Andersgläubigen absondern und eine neue Scheidewand aufrichten würde. Auch diesen Einwand haben Sie zunichte gemacht. Sie haben die kameradschaftlichen Beziehungen zu nichtjüdischen Organisationen sorgsam gepflegt die gegenseitige Achtung und An^ näherung der gesamten Jugend ohne Unterschied der Konfession gehütet, und an allen beruflichen, allgemein menschlichen, gemeinnützigen und staatsbürgerlichen Aufgaben regen Anteil genommen. Der Vorsitzende hat in seiner Begrüßung auf Goethe, als den großen Sohn dieser Stadt hingewiesen. Goethe sagt: Der Zweck aller Geschichte ist, Begeisterung zu erwecken. Das gilt nicht zum wenigsten auch von unserer jüdischen Geschichte. Unsere sichersten Fundamente ruhen in den Traditionen unserer historischen Vergangenheit. Wir müssen Stätten schaffen, um das jüdische Bewußtsein nicht verlöschen zu lassen, die'Jugend mit dem Geiste des Judentums im Zusammenhange zu erhalten, aber ohne jede konfessionelle Engherzigkeit und ohne irgendwelche Abschließung und Absonderung. Wir sind darin eines Sinnes mit der Auffassung des sehr geehrten Herrn Vertreters der Stadt Frankfurt a.Main, der in den freundlichen Worten der Anerkennung und Begrüßung, die er Ihnen heute hier gewidmet hat, von der Gemeinsamkeit aller ethischen Ziele und von der Vereinigung aller konfessionellen Ausbildungsstätten zu interkonfessionellem Wirken im Dienste der Allgemeinheit so beredt und eindrucksvoll gesprochen hat. Mit Recht weist ja auch der Bericht der Verbandsleitung darauf hin, daß unsere jüdische Jugendbewegung bei allen ihren eigensten Aufgaben, ein Teil und ein Ausschnitt der gesamten modernen Jugendfürsorge ist, die Staat und Gesellschaft so sehr bewegt und beschäftigt. Ihr Ziel „ein ah Geist und Körper gesundes Menschengeschlecht heranzubilden" ist in der Tat auch das unsere wenn wir auch spezifisch jüdische Aufgaben kultivieren. Unsere jüdische Jugendbewegung ist nur um so zeitgemäßer und zeitgerechter. Die in Ihren; Tätigkeitsberichte zum Ausdruck gebrachte Bereitwilligkeit, unter taktvoller Wahrung jüdischer Ehre und "Würde, an allen gemeinsamen Aufgaben mitzuwirken, wo eine Zusammenfassung aller Kräfte notwendig und ersprießlich erscheint, findet daher un-. eingeschränkte Zustimmung auch der Großloge. Der Geschäftsbericht Ihres Verbandes deutet auch auf' gelegentliche Uebergriffe utid vereinzelte Ausschreitungen innerhalb der Vereinsbewegung hin. Derartige gelegentliche Mißgriffe, einer jugendlichen Organisation, die sich immer noch im Sturm und Drang ihrer Entwicklung befindet, dürfen weder die Jugendvereine beirren und entmutigen, noch auch die befreundeten Organisationen beunruhigen. Der heutige eindrucksvolle Aufmarsch Ihrer wohlgegliederten, ganz Deutschland umfassenden Organisation kann nur dazu angetan sein, Ihnen die vermehrte Sympathie und Förderung der befreundeten Organisationen und die vermehrte Achtung der gesamten deutschen Judenheit einzutragen. Jede materielle und ideelle Förderung dieser Jugendbewegung ist eine Versicherungsprämie für den Fortbestand und die Fortentwicklung des Judentums. Gewisse Pessimisten sprechen zuweilen vom drohenden Untergang des Judentums. Die elementar starke, frisch pulsierende Jugendbewegung ist allein schon ein unwiderleglicher Beweis für die Unbesiegbarkeit unserer jüdischen Ideale, Darum fort mit allem grauen, scheuen, hemmenden Pessimismus. - Blicken Sie voll freudiger Zuversichf auf die kommenden Tage, denen Sie im jugendlichen Optimismus, zielbewußt, sieghaft und rüstig entgegenschreiten.

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