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Bericht der Großloge für Deutschland · 1913-06-01 · Nr. 6 - Juni · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1913
Issue
Nr. 6 - Juni
Date
1913-06-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Im Mai 1909 traten auf Einladung der Großloge Vertreter der Jugendvereine zu einer Konferenz zusammen, um den von uns erstrebten Verband zu begründen. Nicht ohne Sorge folgten wir damals den Verhandlungen, bei denen die leidenschaftlich aufschäumenden Meinungen und Gegensätze aufeinanderstießen. In jener, man darf wohl sagen, historisch denkwürdigen Stunde der Entstehung Ihres Verbandes, fiel seitens des Vertreters der Großloge, Geheimrat Maretzki das Wort: „Mit der heute eifolgten Gründung des Verbandes hört unsere eigentliche Täligkejt auf Wir wünschen in keiner Weise in Ihre Selbständigkeit einzugreifen und legen vertrauensvoll die Zukunft des Verbandes in Ihre eigenen" Hände." Das Vertrauen, das die Großloge in die junge Verbandsgründung gesetzt hatte, ist vollauf gerechtfertigt worden. Mit noch nicht 1500 Mitgliedern begiündet, umfaßt der Verband heute 15000 Vereinsmitglieder. Verzehnfacht hat sich nicht nur die Mitgliederzahl; verzehnfacht, ja verhundertfacht hat sich die Begeisterung, der Eifer, der Enthusiasmus, die Ihre Reihen erfüllen und Ihre jugendlichen Herzen und Köpfe beseelen. Mit lebhaftem Interesse hat die Großloge die Entwicklung und den Aufbau des Veibandes verfolgt, mit Freude seine Arbeiten beobachtet. Sie fügen sich zusammen aus zahlreichen einzelnen Leistungen Ihrer mehr als 100 Vereine, aus der Ameisenarbeit und dem Bienenfleiß vie'ler einzelner Kräfte, Vereinsleiter und Mitglieder, die alle strebsam den Erfolg herbeitragen, in gewissenhafter ytremstechnischer, geistiger, geselliger, sozialer Arbeit. Was Sie alle treibt und lenkt und leitet, das ist das Bewußtsein, einer großen Idee zu dienen, der Idee, die uns heraushebt aus den Niederungen, der Idee des Fortschritts und jener unsterblichen Ideale, die in unserer Religion, in unserem Judentum wurzeln und feit verankert sind, die aber mit dem höchsten geläuteitsten allgemeinen Menschentum zusammenfallen.— Ihre Arbeitsmethoden und Arbeitsprogramme begegnen sich aufs innigste mit unseren Logentendenzen. Sie heißen auch für Sie: Geistige und ethische Fortbildung im allgemeinen, Pflege und Stärkung jüdischen Bewußtseins im besonderen. Es gilt, schon' bei der Jugend das jüdische Gemeinschaftsgefühl zu wecken, Wissen und Gewissen zu schärfen, das Interesse fürs Judentum rege zu halten, die Kenntnis seines geistigen Besitzes zu mehren, im Zusammenhang mit allgemeinen Bildung-, Kültur- und vaterländischen Interessen. Es gilt, da die Gemüter noch jung und umso empfänglicher sind, zum Ideatismus zu erziehen, zu geistiger Widerstandsfähigkeit, zu tapferer aufrichtiger Gesinnung, zu Persönlichkeiten, zu Charakteren. Es gilt, die Jugend beizeiten mit dem geistigen Rüstzeug zu versehen, dessen wir als Juden im Leben umso notwendiger bedürfen.— Ihre Bestrebungen und Aufgaben sind darin ein Teil unsere eigensten Ordensprogramme, übertragen auf die Jugend und auf die Verhältnisse der Jugend. Die Wirksamkeit der Jugendvereine ist eine willkommene Ergänzung der Arbeit unserer Logen. — Hat man doch vielfach Ihre Jugendvereine mit „Jugendlogen" verglichen, und war man doch soweit gegangen, die Begründung von Jugendabteilungen im Anschluß an unsere Logen und in Abhängigkeit von diesen vorzuschlagen.. Neben 'gewichtigen anderen Gründen, die gegen derartige Projekte sprechen, war man in der Großloge schon deshalb gegen solche von Logen abhängige Jugendvereinigungen, weil wir den Standpunkt einnehmen, daß man der Jugend bei allem Hinweis auf Selbstdisziplin, Selbstbescheidung und Selbstverantwortung, die Selbständigkeit belassen soll, sich frei von schulmeisterischer Bevormundung zu betätigen und in ihrer ungebundenen Individualität zu entwickeln. Nur darf kein übermäßiges Polemisieren der positiven Arbeit den Raum allzu sehr streitig machen.— Ein hauptsächliches Bederfjcqn, das in unseren Kreisen gegen selbständige . Jugendorganisationen geltend gemacht wurde, war die Furcht vor beunruhigenden Parteikämpfen. Wenn auch dieses Bedenken immer noch nicht überwunden ist, so haben Sie doch auch diesen Optimismus durchaus gerechtfertigt — - Der Verband mit den ihm angeschlossenen Vereinen beharrt unerschütterlich auf.dem Stanilpunktdes N e u - tralitätsprinzips, das ebenso sehr die Voraussetzung seiner Begründung war, wie es die Grundlage seiner Wirksamkeit sein und bleiben muß. Auch die Großloge ist nach wie vor der Üeberzeugung, und unser Großpräs. Geheimrat Timendorfer hat dieser üeberzeugung wiederholt Ausdruck gegeben, daß der Zusammenschluß der Jugend in neutralen Vereinen, die keine einseitig ausgeprägten religiösen, parteipolitischen Zwecke verfolgen, den Voraug verdienen vor separatistischen Tendenzvereinen, die zumeist auch wohl Kampfvereine sind.— , Wenn in den neutralen Jugendvereinen auch hie und da Funken sprühen und Gegensätze auflodern, so ist dies noch immer besser,, als die Jugend bewußt und systematisch in getrennte Lager zu drängen un'l e

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