Mannheim
Compact Memory

Bericht der Großloge für Deutschland · 1913-06-01 · Nr. 6 - Juni · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1913
Issue
Nr. 6 - Juni
Date
1913-06-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/4864325-6029030-6074215--1512-4865637
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

gehen, welche durch die Zentralisation der Reklame dem einzelnen Inserenten erwuchsen. Zeit ist Geld". Mit klarem Auge durchschaute Mosse die Situation. Er blickte schärfer und tiefer in das Wesen des Wirtschaftslebens und sah Möglichkeiten, die ganz in den Dingen latent waren, und erkannte Konjunkturen, die kaum in die Erscheinung traten. Auf dem Wege der Analyse gewann er eine neue Synthese, kam er zur Organisation des Inseratenbetriebes und zur Begründung seines Welthauses. Wie er 1867, ein |ahr nach dem Kriege mit Oesterreich, seine reformatorische Tätigkeit bezüglich des Annoncenwesens begonnen hatte, so wandte er 1872, ein Jahr nach dem deutsch-französischen Kriege, sein Augenmerk der Presse und der Publizistik selbst zu. Am 1. Januar 1872 begründete er seine Buchdruckerei und rief damit zugleich das „BerlinerTageblatt" ins Leben. Auch diesmal bewies Mosse sein feines eindringliches Verständnis für die Anforderungen der Zeit. Freilich aber auch noch mehr als das. Denn hat er bei seinem Unternehmen auf ökonomischem Gebiete den praktischen Sinn und die glückliche Hand des Geschäftsmannes erfolgreich bekundet, so bewährte er sich bei seinem politischen Vorgehen als vornehmer Charakter, als aufrechter Bürger und als ehrenvoller Mensch aufs glänzendste. Die Verwirklichung des. alten Traumes des deutschen Volkes, die Einheit Deutschlands, ist im Zeichen des Krieges ' vor sich gegangen. Das neue Reichsschiff segelte unter preußischer Flagge mit Bismarck als Steuermann. Es war.also vorauszusehen, daß ein liberales, ja vielfach radikales Blatt, wie das Berliner Tageblatt seil seinem Bestehen war, häufig gegen die herrschende Strömung anzukämpfen haben und mit den Machthabern in Konflikt geraten wird. Aber dies ließ Mosse nicht nur von dem eingeschlagenen Wege nicht abirren, sondern er ging in der Folge sogar noch zu weiteren Zeitungsgründungen über. Fast zwei Jahrzehnte hindurch gab er das „Deutsche Morgenblalt" und das „Deutsche Reichsblalt" heraus. Seit 18S9 erscheint die „Becliner Morgen-Zeitung" und seit 1904 die als ältestes demokratisches Organ der Residenz rühmlichst bekannte „Berliner Volks-Zeitung", die er durch Kauf erworben hat, in seinem Verlag. Bedenkt man nun, daß die von Mosse herausgegebenen Zeitungen weit über eine halbe Million Abonnenten und Millionen aus ■\ * & * den besten und gediegensten Elementen der Bürgerschaft sich zusammensetzende Leser zählen, so kann man sich leicht einen Begriff davon machen, was alles dieser Mann für die Verbreitung \*oa Bildung, für die Förderung von Aufklärung, und vor allem für die politische Erziehung des-deutschen Volkes geleistet hat. Haben wir es doch erst vor kurzem erlebt, wie dank dem energischen Auftreten des Berliner Tageblatt«, die deutsche Regierung sich zu einer-Schwenkung in ihrer Orienlpolitik veranlaßt gesehen hat. . Daß ein solcher Erfolg dem Tageblatt beschieden sein konnte, lag freilich daran, daß es die öffentliche "Meinung hinter sich hatte. Aber diese -öttenUiche Meinung selbst ist ja zum großen Teil das Werk der von Mosse ins Leben gerufenen Presse. . Das Tageblatt ist ein „Judenblatt". Nicht in-dem t ■ . Sinne, daß sein Herausgeber ein Jude ist, sondern daß es stets mannhaft für die berechtigten Interessen der Juden im In- und Auslände gekämpft hat. Und in diesem Sinne *ist auch Mosse ein Jude, kein Zufallsjude, sondern einer, der sich ' mit dem Judentum organisch verwachsen fühlt. So war er jahrelang Vorsitzender der Berliner jüdischen Reformgemeinde, und so ist er seit nahezu einem Vierteljahrhundert Herausgeber der „Allgemeinen Zeitung des'Judentums", der er in pietätvoller Anhänglichkeit,zu seinem angestammten Glauben ein äußerst lebhaftes Interesse entgegenbringt. Aber auch durch, seine großzügige Tätigkeit auf dem Gebiete sozialer Fürsorge hat er sich alsein vollwertiger Erbe alter, jüdischer Tradition erwiesen. Das in-seiner Vaterstadt Graetz errichtete „Dr. Mosse-Krankenhaus" sowie das für die Aufnahme1 gebrechlicher, erwerbsunfähiger Personell beiderlei Geschlechts bestimmte „Rudolf MosSe-Heim"; die in Berlin-Wilmersdorf mit einem Stiftungskapital von drei Millionen Mark begründete „Ernilie-Rudolf-Mosse- Sfittung"; die für die technischen\uftd kaufmännischen Angestellten seiner Firnia ins Leben gerufenen Pensions: kassen, durch die den invaliden Beamten oder deren Hinterbliebenen eine sorgenfreie Zukunft gewährt werden soll; sowie überhaupt sein großes Interesse für alle wohltätigen, literarischen und künstlerischen Organisationen, deren es nur wenige gibt, die nicht Mosse zu ihrem Mitgliede zählen,' weisen ihm für alle Zeiten einen Ehrenplatz in Reih und Glied der namhaftesten und f verdienstvollsten Wohltäter der Menschheit an Und so darf mich der Bnei Briß- Orden mit Stolz Rudolf Mosse zu den Seinigen rechnen. Denn er hat im besten Sinne des Wortes sich als werktätiger Bruder erprobt; indem er die Ideale des Ordens stets hochgehalten, in ihrem Sinne gehandelt und ihre Verwirklichung unermüdlich angestrebt hat

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.