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Bericht der Großloge für Deutschland · 1913-06-01 · Nr. 6 - Juni · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1913
Issue
Nr. 6 - Juni
Date
1913-06-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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mittelbar nach ihrer Entfesselung bewährt haben, vergegenwärtigt man sich, dalJ auch die schärfsten Widersacher an ihrem Verhalten in den Freiheitskriegen keinen-Tadel finden konnten, so wird man sagen müssen, daß die preußischen Juden in diesen Kriegen Jen Beweis einer Verjtingungstähigkeit geliefert haben, die geradezu staunenswert .genannt werden muß und :n der Geschichte nL'ht so leicht ihres Gleichen findet. So sind die Freiheitskriege> soweit'die Beteiligung der Juden an ihnen in Fragt kommt, über den Einzelfall hinaus ein leuchtendes Wahrzeichen für die Unver- : .ütliclFkeit und sittliche Kraft des Judentums. Das ist ihre zweite und allgemeinere Bedeutung für das Judenprob!em; Br. Rudolf Mosse. Vdn Br. A f p h o :i s J. S u ss n i.t z k i. Herr Rtuk/li M<-«.-'<K r .un S. Mti * ' - j u " TOiahrigen GenurtsM;; leiert, ' rüir verlassen, um *kh .Uten _~ .t.hrun^en zu inrziehen. ' v I* r c * >■ <-n c. I i r. ■ Eine fast .paradoxe Antithese: der Schöpfer des nqdemen Reklamewesens, der Begründer und Besitzer der verbreitesten Tagespresse zieht sich, still bescheiden, an seinem Ehrentage von aller Welt zurück. Allein just in dieser Antithese birgt sich des jubilars wahre Charaktergröße. Er brauchte nur zu wollen : nein, er brauchte mit seinem Unwillen nur einigermaßen zurückzuhalten — und er wäre gefeiert worden wie kaum eine Berühmtheit in unseren Tagen. Und dies ja auch" mit Recht. Denn der Name ..Rudolf Mosse" bedeutet ein Programm, um nicht geradezu zu sagen ein Symbol kapitalistischer Wirtschaftsgestalturfg. Bildet doch sein Werk nicht bloß den Ausdruck der weitausholenden Organisationskraft und des weltumspannenden Unternehmungs- -geisu.*, sondern darüber hinaus noch in sublimiertester Form die Verkörperung einer ganz spezifischen Beschaffenheit unseres modernen Gesellschaftslebens. Was der technischen Leistung eigentümlich war, ihr unpersönlicher, versachlichter, sozial - objektivierter Charakter, das verlieh er den geistigen Faktoren in der Regelung des gesellschaftlich - wirtschaftlichen Verkehrs. So ist in gewissem Sinne sein Verhalten das Spiegelbild seiner Schöpfung: der Mann, der, ich möchte sagen, dem sozialen Organismus zugleich neue sensorische und motorische Nerven eingepflanzt hat, proklamiert, indem er hinter sein Werk völlig zu verschwinden scheint, durch seinen Ehrentag selbst als Aufgabe und Ziel seiner Arbeit die Hinaushebung der individuellen Tätigkeit zum Rang einer Gesellschaftsleistung .... ■ , Soll ich seine Lebensgeschichte erzählen? Es ist die bekannte, für diemeisten Träger des modernen Wirtschaftslebens typische. Als Sohn eines vielleicht nicht armen, aber sicherlich nicht reichen Arztes eines Poseoschen Städtchens ' kam Rudolf Mosse schon in jilngen Jahren in die Provinzhauptstadt, wo er sich mit dem Verlags- und Zeitungsbetrieb vertraut machte. ' Er zog dann nach Leipzig, der altberühmten Buchdruckermetropole, nach Berlin, der neu empbrgeblühten Preußenresidenz, sowie nach anderen Städten, die ihm Gelegenheit boten, seinen "Blick zu sch.irfen, sein Wissen zu bereichern und die Lebensbedingungen besser kennen zu lernen. Es war damals eine Zeit großer Umwälzungen; Umwälzungen nicht nur politischer, sondern auch wirtschaftlicher Natur. Preußen hatte, sich innerlich konsolidierend und weite Gebiete in «ich aufsaugend, seine prädominierende Stellung in Deutschland erlangt, und die kapitalistische Wirtschaftsproduktion nahm in wachsendem Maße mit dem gesteigerten Verkehr und den sich immer komplizierter gestaltenden Absatzverhältnissen ihren Aufschwung. Allein noch fehlte es an geeigneten Mitteln, um die sich daraus ergebenden Schwierigkeifen zu uberwinden. Zur Lösung dieses Problems hat nun Rudolf Mosse ein eigenes Organ geschaffen: die Annoncenexpedition. „Ich sagte mir", schreibt er einmal über die Gedanken, die ihn dabei bewegt hatten, „daß Handel und Industrie aus der Verbreitung der Zeitungen Nutzen ziehen könnten, wenn das Annoncenwesen, dem bis dahin weder von der Presse selbst noch vom Publikum gebührende Beachtung geschenkt worden, sorgfältigere Pflege erfahren würde. Der intelligente Kaufmann hatte wohl schon erkannt, daß die Annonce ein bedeutender Hebel geschäftlichen Erfolges werden könne, jedoch war der Verkehr mit den einzelnen Zeitungen für ihn eine zeitraubende und mühsame Arbeit. Es fehlte hier also offenbar ein Bindeglied, welches den Verkehr -zwischen dem insertionsbedürftigen Publikum und der Presse vermittelte. Ich erblickte nun meine Aufgabe darin, ein Institut zu schaffen, welches diesem Bedürfnis nach allen Richtungen entsprach. In diesem Sinne sollte die Annoncenexpedition ein unparteiischer Berater des inserierenden Publikums werden. Und Hand in Hand mit der Verkehrserleichterung, die durch das Institut bewirkt wurde, sollten Kostenersparnisse

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