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Bericht der Großloge für Deutschland · 1913-06-01 · Nr. 6 - Juni · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1913
Issue
Nr. 6 - Juni
Date
1913-06-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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williger Ergreifung der Waffen vorangingen und alle mit eben der Ausdauer, eben der Treue wie andere Staatsbürger fochten und bluteten. > Tatsache ist es daß jüdische Aerzte und Wundärzte ihr, Leben den Gefahren der Hospitäler aussetzten und als heilige Opfer fielen. Tatsache ist es, daß jüdische Frauen und Mädchen keine Anstrengungen, keine Gefahren scheuten, um den Verwundeten Trost und Hilfe angedcihen zu lassen. Tatsache ist es endlich, daß alle israelitischen Bürger durch die zahlreichsten freiwilligen Geldopfer Beweise der Anhänglichkeit an' König und Vaterland gaben." Also noch einmal: Haben die Juden die Probe bestanden? Die Tatsachen antworten bedingungslos mit Ja! Darin liegt die besondere Bedeutung der Freiheitskriege für die preußischen Juden. ■ ■ . , * i In der Geschichte des jüdischen Volkes wechselt Sommer und Winter.BlühenundVergehen.DieGeschichte vieler Völker weist einen Aufstieg zur Höhe auf. Doch wenn ihre Zeit gekommen war, sanken sie dahin und gehörten der Geschichte an. Nur das jüdische Volk hat sich über die Jahrtausende hinweg in der Fähigkeit erhalten, neue Blüten zu treiben, sobald günstige Lebensbedingungen sich ihm darboten. Das Mysterium der jüdischen Geschichte ist deshalb für manchen Denker ein Problem gewesen, das den allgemeinen Gesetzen sich nicht fügen wollte. „Die Juden — so schreibt einer der bedeutendsten Botaniker des 1°. Jahrhunderts, Schleiden, am Schlüsse eines reichen Forscherlebens1) — sind und bleiben das merkwürdigste Volk, und — wenn man sich auf die Symbolik einer Vorsehung einlassen will, darf man sie wohl das „auserwählte Volk Gottes nennen". Und Wilhelm von .Humboldt äußerte sich in dem Gutachten, das er unter dem 17. Juli 1809 über die beabsichtigte Emanzipation abgab, im Hinblick auf die Geschichte der Juden über diese wie folgt-'): „Ihre Lage ist eine kirchlich welthistorische und so merkwürdige Erscheinung, daß bereits von gewiß nicht schlechten Köpfen bezweifelt worden ist, ob sie sich überhaupt auf bloß menschliche Weise erklären lasse." Ein Beispiel für die unverwüstliche Lebensfähigkeit des jüdischen Stammes bieten die Freiheitskriege. Man würde den preußischen Juden nicht gerecht werden, wollte man '•" p- ... i ') M. J. Schleiden. Die Bedeutung der Juden für die Erhaltung und Wiederbelebung der Wissenschaften im M ttelalter. S. 5. -) J. freund. Die Emanzipation der Juden in Preulietl. Bd. U, S. 270. sich mit der Feststellung begnügen, daß sie in den Freiheitskriegen hinter der übrigen Bevölkerung nicht zurückgestanden haben- Man muß sich vielmehr Folgendes vergegenwärtigen: Firr Jahr erst war seit ihrer Entfesselung vergangen, als die schwerste Probe, die ihnen gestellt werden konnte, irt den Freiheitskriegen an sje herantrat.! G e n er-ä t i o n e n hindurch aber waren sie durch widernatürliche Zwangsverhältnisse geistig und körperlich verkrümmt und verbildet worden. Daß sich, was in Jahrhunderten ,',an ihnen gesündigt worden war, mit einem Federstrich in seinen Folgen würde beseitigen lassen, daß die Juden sobald man sie für gleich b e r e c h t i g t erklärt, mit einem Schlage auch gleichwertig dastehen, insbesondere vollwertige Kämpfer lürs Vaterland abgeben würden, das hatten auch die größten Optimisten unter ihren Fürsprechern nicht zu hoffen gewagt. Der Staatsrat Köhler, der erste Referent über den Entwurf des neuen Judengesetzes im Ministerium des Innern, hatte in seinem Gutachten vom 13, Mai 1809 sich in Bezug .auf' die. unmittelbaren Wirkungen einer Judenemanzipation dahin ausgesprochen: „Der Sprung von der'höchsten Unterdrückung zur vollen Freiheit ist zu groß;' jene hat nun einmal die Juden niederträchtig gemacht und die plötzlich erteilte Freiheit kann nicht den natürlichen Menschenadel mit einem Male in ihnen" wieder herstellen."1) „Schlechte Nahrung, enges Zusammen wohnen in elenden Quartieren, zu frühe Heiraten" — sö.hatte die Gewerbepoüzei sich zu der Frage geäußert') — „haben die Rasse im ganzen geschwächt, man findet daher sehr wenig feste, starknervige und muskulöse Körper unter den Juden. Vorzüglich aber fehlt die frühe Gewöhnung an anhaltende körperliche Arbeit gänzlich. Man wird zufrieden sein müssen, wenn aus der jetzigen Generation* Schneider, Posamentierer, Gürtler, Drechsler, Glasschleifer, Lackierer usw. überhaupt solche Handwerker hervorgehen, die weder eine sehr schwere, noch ' eine wenig abwechselnde Arbeit erfordern. Die nächste Generation läßt dann schon einige Schlosser und Tischler hoffen, in der dritten werden sich an diese der Grobschmied und Zimmermann anschließen und so wird von den ländlichen Handwerkern der Uebergang zu Landarbeitern möglich werden." Also auch diejenigen, welche für die Emanzipation der Juden eingetreten waren, hatten erst nach Generationen die Beseitigung ihrer Fehler erhofft. Hält man dem gegenüber, wie die Befreiten sich un- >• 'i Vgl. Freund, a. a. O. S. 251. f. -i Ebenda. S. 263 f:

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