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Bericht der Großloge für Deutschland · 1913-06-01 · Nr. 6 - Juni · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1913
Issue
Nr. 6 - Juni
Date
1913-06-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Waren diese Ideen Utopien gewesen, Gedanken wirklichkeitsfremder Phantasten, oder Staatsmannische Einsichten von Weitblick und Tiefe? Die Antwort hierauf zu geben, waren die Freiheitskriege berufen. Daß sie die Frage bejaht und damit den Beweis dafür erbracht haben, daß nicht in der Fesselung und Bevormundung der Untertanen sondern in dem Prinzip der Freiheit ein Staatswesen die Wurzeln seiner>Kraft zu suchen habe, das ist die lebendige Bedeutung der Freiheitskriege für die Gegenwart und ihr fortwirkender Wert auch für alle Zukunft. Was hier für den preußischen Staat im allgemeinen gesagt ist, gilt im besonderen auch für das Judenproblem. Die besondere Bedeutung der Freiheitskriege für die preußischen Juden liegt darin, daß' sie den Prüfstein für die Richtigkeit derjenigen Ideen abgegeben haben, aas denen heraus die Emanzipation erwachsen ist. Diese war den Juden nicht widerspruchslos gewährt worden. Man hatte ihnen mancherlei vorgeworfen: insbesondere, daß ihnen, wenigstens in den unteren Schichten, ein niederer Hang zum Schacher und Wucher eigen sei und ,sie deshalb in ihrer Gesamtverfassung dem Gemeinwohl mehr schadeten als nützten. Die Gegner hatten es behauptet und die Fürsprecher nicht bestritten. Nur darin waren die Ansichten auseinandergegangen : die Gegner hatten gesagt: So sind die Juden ihrem innersten Wesen nach. All das Haßliche, Abstoßende und Schädliche, tias man an ihnen wahrnimmt, ist ein Einfluß ihres Charakters, und nur durch Zwangsmaßregeln und Unterdrückung der Juden kann dem Uebel. gesteuert werden. Die Vorkämpfer der Emanzipation hatten dem entgegengehalten: Nicht die Juden sind an den traurigen Verhältnissen schuld, sondern der Staat, der sie durch sinnwidrige, unmenschliche Z^angsmaßregeln aus dem natürlichen Geleise geworfen und zu dem gemacht hat, was sie sind. Will man also eine Besserung herbeiführen, dann darf man nicht mit weiteren Zwangsmaßnahmen gegen sie vorgehen^ sondern muß mit dem bisherigen System der Gesetzgebung brechen. Sollen die Juden nicht fürder einen Staat im Staate bilden, so darf man sie nicht länger von der allgemeinen menschlichen - Gesellschaft ausschließen und in einen politischen Sönderverband zusammenschweißen. Sollen sie den übrigen Staatsbürgern gleich werden, so muß man ihnen die Möglichkeit bieten, sich ihnen gleich zu betätigen. Will man sie von ihrer Einseitigkeit ab-' bringen, so muß man ihnen neue Berufe erschließen. Will man den Schacher- und Wuchergeist aus ihren Mitte bannen, so muß man sie durch Gewährung anderer Erwerbsmöglichkeiten von dem Kleinhandel und Geldgeschäft abziehen. Mit einem Wort: Will man zu einer befriedigenden Lösung des Problems gelangen, so darf man sie nicht an allen Ecken und Enden knebeln und fesseln, sondern muß ihnen die Freiheit geben. f Wer hatte nun recht gehabt, die Gegner oder die- Freunde der Emanzipation? Diejenigen, die in der Verderbtheit der Juden eine unabänderliche, durch ihren Charakter bedingte Tatsache erblickt hatten, gegen die der Staat sich nur durch Unterdrückung der Schädlinge schützen könnte, oder diejenigen, welche den Verhältnissen die Schuld gaben und von den Juden vollwertige Glieder des Staates erwarteten, sobald man sie erst zu Vollbürgern gemacht haben würde? Auch auf diese Frage sollten die Freiheitskriege die Antwort geben. Sie sollten zeigen, was der Staat von den Juden in der Stunde der Not zu erwarten habe. Haben die Juden die Probe bestanden? Es soll hier nicht Up einzelnen wiederholt werden, was in der letzten Zeit so oft in Wort und Schrift dargelegt worden ist: wie Juden es gewesen, die als erste herbeieilten, um ihre Spenden auf dem Altar des Vaterlandes niederzulegen; wie sie nicht'eirien Augenblick zögerten, als der Ruf des Königs an das Volk erging, gleich den übrigen Landeskindern begeistert zu den Fahnen zu eilen; wie sie im Felde freudig'den Blutzoll für das Vaterland entrichtet, die Zurückbleibenden in Werken der Mildtätigkeit und Nächstenliebe mit der christlichenBevölkerung wettgeeifert, und wie zahlreiche Krieger jüdischen Glaubens mit dem höchsten Zeichen der Tapferkeit, dem eisernen Kreuz, geschmückt von dtr' blutigen Walstatt heimkehrten. Es mag genügen, an die ■ Zeugnisse berufenerchristlichei Zeitgenossen zu erinnern, insbesondere andie Worte'Hardenbergs, derunterdem 4. Januar 1815 an den ^preuß. Gesandten v. Grothe schrieb: „Die jungen Männer jüdischen Glaubens sind die Waffengefährten ihrer christlichen Mitbürger gewesen und wir haben auch utiter ihnen Beispiele dewahren Heldenmutes und der rühmlichen Verachtung der Kriegsgefahren aufzuweisen, so wie die übrigen jüdischen Einwohner, namentlich auch die Frauen, in Aufopferungen jeder Art den Christen sich anschlössen." Und ferner an das Zeugnis eines anderen christlichen Beurteilers, der den Anteil der Juden an den Op.err. der Freiheitskriege wie folgt kennzeichnet: „Tatsache ist es, daß die Söhne der wohlhabendsten jüdische:: Familien in den Hauptstädten mit dem Beispiele frei- /

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