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Bericht der Großloge für Deutschland · 1913-05-01 · Nr. 5 - Mai · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1913
Issue
Nr. 5 - Mai
Date
1913-05-01
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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eine „politische1' anzusehen, so dürften wir uns in der Tat nicht mit ihr befassen. Aber das verneint Br. Kuznitzky selber und aus zutreffenden Gründen, denen ich nichts hinzuzufügen habe. Hr. Kuznitzky scheint dann aber anzunehmen,Bestrebungen auf diesem Gebiete widersprächen dem auf unsere Fahne geschriebenen Idealismus. Darin vermag ich ihm nicht zu folgen. Ich müßte es als eine Ueberspannung des idealistischen Prinzips bezeichnen, wenn wir für'eine materielle Förderung unserer Gesamtheit überhaupt nicht arbeiten düiften. Da, wie eingangs betont, das materielle Wohl unserer Stammesgenossen bis zu einem gewissen Grade die unerläßliche Vorbedingung für ihre geistige. und sittliche Höherentwicklung bildet, so ist bis zu diesem Grade seine Förderung auch Ordenssache. Was den Br. Kuznitzky stutzig macht, ist denn auch bei Licht besehen, nicht eine Unvereinbarkeit dieser Bestrebungen mit den Zielen des Ordens,, sondern nur ein in ihnen enthaltenes Durchbrechen allzu enggewordenerSchranken, die nicht durch das Wesen unserer Bewegung notwendig gesetzt, sondern durch bisherige Gepflogenheiten sozusagen willkürlich errichtet worden sind. Allerdings, meine lieben Brüder, werden wir hier wie wohl auch an manchen andern Funkten aus der übergroßen Reserve heraustreten müssen, die wir bisher zu beobachten für gut befunden haben und w.erden damit, wie ich hoffe, nicht nur dem Judentum, sondern auch unserm ()rden nützen. Damit komme ich zu der weiteren These: wir sollten uns von Ordenswegen von der unmittelbaren Arbeit an dem in Rede stehenden Problem fernhalten und dieselbe anderen. Organisationen, insbesondere dem Central verein, überlassen. .Wir sollen also wohl, so muß ich annehmen,' wieder einmal nach unserer alten, aber schwerlich bewährten und jedenfalls nicht mehr zeitgemäßen Methode im Hinter- ' treffen stehen bleiben und zwar unsere Brüder zur * / indirekten Hilfeleistung abkommandieren, auch bei Aufbringung der etwa erforderlichen Mittel reichlich beisteuern, aber nicht den Ruhm, die Verantwortung und die Befriedigung der selbstvollbrachten Tat erwerben-. Brechen wir mit dieser quietistischen Methode, meine lieben Brüder! Benutzen wir die Gelegenheit! Um des-Ansehens unseres Order.s willen! 'Aber auch um der Sathe selber willen? Ist nicht aus gewissen in unserer Organisation liegenden Ursachen, insbesondere wegen der Möglichkeit einer viel stärkeren Einwirkung auf den einzelnen, die Angelegenheit bei urs besonders gut aufgehoben? I;rul scheint nicht der Centraiverein selber ausweislich seines an uns in dieser Sache gerichteten Schreibens unsere Betätigung zu wünschen? Würde man es dort und in unsern Logen verstehen, wenn wir aus Gründen der Doktrin versagen würden? Greifen wir also zu. Uebernehmen wir die Aufgabe oder, doch mindestens denjenigen Teil derselben, der unter den Gesichtspunkt der inneren Mission fällt, nämlich die Förderung der Anstellung von Juden bei jüdischen Prinzipalen, auf eigene Rechnung und Gefahr! Wir haben ' uns bisher -mit einem allzu kleinen Ausschnitt aus dem großen Kreise jüdischer Kulturinteressen begnügt. In Zukunft muß unser Motto lauten: nil judaei a me alienum, d. h es gibt keine jüdische Angelegenheit, in der der Orden sich nicht nach irgend einer Richtung hin im Sinne seiner Kulturaufgabe betätigen kann. Es scheinen nun aber noch Hedenken vorzuliegen, ob der Orden, wenn er sich auf dem in Rede stehenden Gebiet betätigt, Aussicht habe, Erfolge zu erzielen. Es wird insbesondere, wie Sie soeben gehört haben, geltend gemacht, daß die Abneigung der Prinzipale gegen die Anstellung von Juden ihren berechtigten Kern habe. So viel ich von dieser Seite der Sache verstehe, ist auch dies durchaus zu bestreiten. Die Behauptungen von der allzu großen Begehrlichkeit speziell jüdischer Angestellter und von ihrer Ausbeutung der Geschäftsgeheimnisse der PrinzipaledurchGründung von Konkurrenzunternehmungen halte ich mindestens für maßlos übertrieben. Und was soll man erst zu Erklärungen selbst jüdischer Prinzipale sagen, wie: die Kundschaft nehme Anstoß an jüdischen Angestellten (warum nicht am jüdischen Chef?), oder sie (die Chefs nämlich) seien zu fromm, um jüdischen Angestellten Sabbatarbeit zuzumuten. Das sollten existenzberechtigte Zustände sein, die sich nicht beseitigen ließen? Und wären solche torgegebenen Gründe selbst ernst zu nehmen, steht ihnen nicht ein größeres Interesse und Verständnis des jüdischen Angestellten für seine Arbeit und noch so mancher andere Vorzug ausgleichend gegenüber? | Mir persönlich ist denn auch nicht zweifelhaft, daß es sich bei den meisten Prinzipalen um uneingestandene Vorurteile handelt, die aus Gedankenlosigkeit und Bequemlichkeit geboren, von der Gewohnheit großgezogen, als solche vielleicht den Herren nur eindringlich zum Bewußtsein gebracht zu werden brauchen, um ihre Kraft zu verlieren. Ich will mir indessen in dieser Beziehung kein Urteil anmaßen. Ja, ich glaube überhaupt, daß das Generalkomilee, welches sich ja überwiegend aus Akademikern zusammensetzt, kaum in der Lage ist

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