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Bericht der Großloge für Deutschland · 1913-05-01 · Nr. 5 - Mai · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1913
Issue
Nr. 5 - Mai
Date
1913-05-01
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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auf jenes ferne Ziel gerichtet bleiben, sonst haben wir als Orden keine Existenzberechtigung und bringen die Flamme der Begeisterung, die wir in den Herzen von Tausenden entzündet haben, selbst zum Er. löschen. / So verstanden, hat unser Orden als solcher nichts damit zu schaffen, die wirtschaftlichen Interessen seiner Mitglieder und unserer Glaubensgenossen überhaupt zu fördern, und es hielte gegen seinen heiligen Geist sündigen, wollte man gegen den wirtschaftlichen Antisemitismus mit: den blanken Waffen und der schimmernden Wehr des Ordens zu Felde ziehen. Möge dieser Kampf auf anderem dazu geeigneten und voroereiteten Boden ausgefochten werden wir wollen unbeirrt von den wechselnden Zeitstrlbmungen und ohne Rücksicht auf den eigenen Vorteil unsere ganzen Kräfte daran setzen, um Sandkorn auf Sandkorn zum Bau des Tempels der Menschenliebe zut sammenzutragen im Sinne unseres alten guten Wahlspruches: Nichts für uns selbst, alles für die Gesamtheit. — Ich schlage deshalb folgende Resolution vor: Das General-Komitee wolle folgende Resolution fassen: 1. Die Frage der Zurücksetzung der Juden im deutschen Wirtschaftsleben trägt an und für sich weder politischen noch sozialpolitischen Charakter; ihrer Behandlung in den- Logen stehen daher keine gesetzlichen Bedenken irgend welcher Art entgegen. 2. In Erwägung, daß die äuf diesem Gebiete herrschenden Verhältnisse uns mit ernster Sorge für die Zukunft unseres Nachwuchses erfüllen und eine gründliche Beschäftigung mit der Berufswahl der jüdischen Jugend erfordern, wird den Logen dringend empfohlen, dieser Frage ernste Aufmerksamkeit und eingehende Erörterung zu widmen. 3. In Erwägung jedoch, daß die Behandlung der Frage nur im Sinne und Geiste der Ordensidee erfolgen darf, werden alle Bestrebungen und Anträge, die auf eine öffentliche Bekämpfung der Zurücksetzung oder auf eine Kooperation der Großloge mit anderen jüdischen Verbänden zu Abwehrzwecken hinauslaufen, für unstatthaft erachtet. 4. Den Logen wird empfohlen, alle ihnen zur Kenntnis gelangenden Fälle derartiger Zurücksetzung dem Centraiverein Deutschtr Staats-' bürger jüdischen Glaubens zur weiteren Veranlassung zu überweisen. * * i ' * Korreferat dos Expr. Br. Baumann. Meine Brüder! Ich stimme mit Br. Kuznitzky durchaus darin überein, daß das eigentliche Ziel unserer Ordensbewegung, ihre Haupt- und Endabsicht eine ethische ist. Aber wir wollen uns doch einem nicht verschließen: jeder ethische Fortschritt setzt ein 1 gewisses materielles Gedeihen voraus. Sinkende Erwerbsverhältnisse einer üemeinschaft drücken naturnotwendig äuf ihr sittliches Niveau, ". Die Geschichte der deutschen Juden im 17. und 18. Jahrhundert ist ein schlagendes Beispiel hierfür. Wer daher unsern Stamm sittlich fördern will, darf auch seine materiellen Lebensbedingungen nicht ohne Fürsorge lassen. Nun herrscht unter uns offenbar die allgemeine Ueberzeugung, daß in bezug auf die. Erwerbsverhältnisse der deutschen Juden sich eine.Krisis vorbereitet oder wohl gar schon ausgebrochen ist, und daß für eine gar nicht ferne Zukunft die Sorge besteht: womit sollen und werden weite Kreise unserer Stammesgenossen sich ihr tägliches Brot verdienen?. Auch Br. Kuznitzky geht ja, wie die These 2 der von ihm vorgeschlagenen Resolution zeigt, keineswegs achtlos an dieser Gefahr vorüber und hat sogar ein Mittel genannt, das er für. geeignet hält, sie abzustellen : die verstärkte Zuführung von Juden zu Handwerk, Landwirtschaft, mittlerer Beamtenkarriere und ähnlichen Berufen. Nun, meine lieben Brüder, möchte ich Ihnen versichern, daß alle hierauf abzielenden Bestrebungen auch meine vollste Sympathie haben, und daß auch ich meine, wir dürfen in ihrer Verfolgung nicht erlahmen und ermüden. Aber ein Heilmittel von wirklich weittragender öder gar durchgreifender Bedeutung für die unter uns sich entwickelnden wirtschaftlichen Nöte vermag ich hierin nicht zu erblicken. Die geschichtliche Entwicklung,, die unser Stamm erfahren hat, läßt es für absehbare Zeit als ausgeschlossen erscheinen, daß das Gros unserer Stammesgenossen anderswo seine .Nahrung finden kann als in Handel oder Industrie. Man mag dasbe1 dauern, aber man wird daran nichts ändern können. Verkennt man dies, so verliert man den Boden der Wirklichkeit unter den Füßen und gibt sich unerfüllbaren Illusionen hin. Alle Kräfte müssen w>r vielmehr anspannen, es zu verhindern,, daß die Juden in ihrer Beteiligung an Handel' und Industrie verkümmert und aus wichtigen Zweigen - der hierunter fallenden Berufe herausgedrängt werden.'- Derartigen Bestrebungen entgegenzutreten, ist eine ernste Pflicht aller um das Wohl ihres Stammes aufrichtig besorgten **■■£;*' " •* Juden. , Nun sind von Br. Kuznitzky Bedenken geäußert worden, ob diese Aufgabe nicht außerfrarb der Zwecke unseres Ordens liege. Sicher ist eines: wäre sie als

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