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Bericht der Großloge für Deutschland · 1913-05-01 · Nr. 5 - Mai · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1913
Issue
Nr. 5 - Mai
Date
1913-05-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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Nähe rückenden Gefahren können wir aber nur erzielen, wenn wir unsere Söhne andern Berufsarten zuführen, die ihnen seit langem offenstehen, aber bisher sehr geringe Anziehungskraft besessen haben. Ich habe dabei besonders die mittlere Beamtenlaufbahn, auch im Privatbetriebe, und das Handwerk im Auge. Voraussetzung für diese Berufe ist eine bescheidenere Lebensauffassung, die den Juden der Gegenwart völlig verloren gegangen ist und erst wieder anerzogen werden muß. Der Jude muß lernen, mit einem geringeren aber dafür gesicherten Einkommen haus zu halten. Das Streben nach Geld und äußeren Ehren' das mit zauberischer Kraft lockt und so oft zur gescheiterten Existenz geführt hat, muß durch erziehlichen Einfluß und sachgemäße Belehrung über die Lichtseiten eines ruhigen und zufriedenen Lebens bei kleinerem aber sicherem Einkommen herabgedrückt werden. Wenn wir uns gern rühmen, daß der jüdische Idealismus ein altes Erbteil wnseres Stammes ist, so sollten Wir ihn gerade darin zeigen, daß wir bei der Berufswahl unserer Knider nicht immer den Nachdruck auf solche Berufsarten legen, die den Weg zum Erwerb eines großen Vermögens oder zur Erlangung von .ehrenvollen Stellungen eröffnen. Gerade aus der herrschenden Berufsverteilung der Juden, die im ganzen nach dem Kaufmannstande und den freien akademischen Laufbahnen gravitiert, wird der Vorwurf hergeleitet, dal< die Juden jeglicher idealer Lebensauffassung bar sind, und viele sehen darin eine der ergiebigsten Quellen des Antisemitismus. ^Welch' schöne Aufgabe für die Logen, den stets, mit tönenden Worten verkündeten jüdischen Idealismus in die Tat umzusetzen! Welch' weites Feld für fruchtbare Erziehungsarbeit liegt da vor uns, wenn wir energisch ans_ Werk gehen! Das große Ziel geh* auf Selbsterhaltung und Gesundung der jüdischen Gemeinschaft, und der mit Erfolg beschrittene Weg muß zur tatsächlichen Anerkennung unserer Gleichwertigkeit und am letzten Ende zur Erringung der Gleichberechtigung führen. Ein zielbewußtes und kraftvolles Vorgehen in diesem Sinne kann daher nicht warm genug befürwortet werden. Andererseits ist der soeben gezeigte. Weg der allein gangbare im Sinne der Logenidee. Eine öffentliche Propaganda oder ein Zusammenwirken der Großloge mit anderen jüdischen Organisationen, um die über die Juden verhängte Sperre in gewissen Industrien und Bankkreisen nach Möglichkeit zu beseitigen, liegt keineswegs im Rahmen unserer, Aufgaben. Auf diesem Standpunkte steht einmütig der geschäftsführende Ausschuß, nicht allein deshalb, weil e* sich von solchen Maßnahmen aus A ' - & den oben entwickelten Gründen nicht den geringsten generellen Erfolg verspricht mag auch im Einzel falle eindringliche Befürwortung durch einflußreiche Persönlichkeiten hier und da gute Wirkung t haben — sondern vorwiegend aus der Erwägung heraus, daß ein solches Vorgehen mit dem Geiste und Zwecke unseres Bundes unvereinbar ist. Gewiß hat die große Judennot, die durch die Flutwelle des Antisemitismus über uns hereingebrochen ist, unseren Bund ins Leben gerufen, aber er hat im Gegensatz zu anderen Verbänden, die sich die Bekämpfung des Antisemitismus zur alleinigen Aufabe gemacht haben, von vornherein mit aller Klarheit es abgelehnt, in die Arena des politischen Streites herabzusteigen, überhaupt ein öffentliches Wirken perhorresziert, sondern die geistige, sittliche und kulturelle Hebung unserer Glaubensgemeinschaft durch stille geräuschlose Arbeit irt den Vordergrund gerückt, um durch dieses in wahrem Sinne ideale Erziehungswerk einer dauernden Versöhnung mit unseren Gegnern, einer endlichen Erlösung der Judenheit vom .uralten Haß der Völker die Wege zu bahnen. Es ist befremdlich' und mutet förmlich seltsam an, däß dieser Grundgedanke des Ordens immer wieder in weiten Kreisen der Brüderschaft verkannt oder bei Seite geschoben wird. Ob wir den Orden als ethische Kulturanstalt — oder'als jüdischen Verein für innere Mission bezeichnen, ob wir ihn als jüdischen Orden oder als Orden jüdischer Männer betrachten, das macht keinen Unterschied und trifft nicht den Kern. Die Hauptsache ist und bleibt, daß wir einen Orden, d. h eine Vereinigung bilden', in d e r d i e g r o ß e n H u m a n itätsideale der G I e i c h h e i t aller Menschen, der Freiheit und Brüderlichkeit zur Blüte und -Frucht getrieben werden sollen. Die aufsteigende Staffel der Ordens: tendenzen hat ein österreichischer Bruder, Dr. Feith, auf dem Brudertage in Brünn im Jahre 1910, ebenso prägnant wie glücklich dahin zusammengefaßt: ' Erhöhung der Persönlichkeit des Einzelnen durch die Loge, Erhöhung der Loge durch den Einzelnen, Erhöhung des Judentums durch die Gesamtheit des Ordens Bnei Briss, ■ ' und in letzter Linie Erhöhung der Menschheit durch das Judentum. Diese höchste Stufe der Skala schwebt uns freilich heute noch wie eine Fata Morgana dem Wüstenwanderer vor, und gewiß wird noch manches Jahrhundert in den Schoß der Ewigkeit hinabsinken, ehe das letzte Ziel wirkliche Form und Gestalt annehmen wird. Aber unsere Sehnsucht und Hoffnung muß

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