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Bericht der Großloge für Deutschland · 1913-05-01 · Nr. 5 - Mai · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1913
Issue
Nr. 5 - Mai
Date
1913-05-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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Dabei gilt es zunächst, die Vorfrage zu beantworten, ob die geschilderten Vorgänge und Tatsachen ihre Wurzel in der antisemitischen Bewegung haben. Ohne Zweifel ist dies bei dem Vorgehen des D.-N. H.-G.-V. der Fall, aber das ist ja nur eine vereinzelte Erscheinung, die uns wirklich nicht bange zu machen braucht, und wer die Entwickelung dieses Verbandes und seine wirksame Bekämpfung durch den Centraiverein, sowie durch kaufmännische und ' ' ' i Vpolitische Organisationen verfolgt hat, wird mit mir übereinstimmen, dal! wir uns mit diesem Gebilde des Antisemitismus hier nicht weiter zu befassen brauchen. Ungleich wichtiger und sehr viel schwieriger ist die Beantwortung jener Vorfrage, ob* die Zurückdrängung der Juden auf anderen Gebieten des Wirtschaftslebens .auf antisemitischer Grundlage beruht. In einem Artikel über die Berufswahl der jüdischen Jugend „Im Deutschen Reich" erörtert der Verfasser — übrigens Br. Dr. Goldmann in Oppeln — diese Frage sehr eingehend. Er gelangt dabei zu dem Ergebnis, dali der Antisemitismus oft dazu herhalten muß, andere causae rhoventes zu verdecken, z. B. wo es sich um Handwerk, mittlere Beamtenlaufbahn und i ähnliche Berufe handelt, während der Antisemitismus in allen höheren Laufbahnen eine traurige und verderbliche Rolle spiele, worüber wohl allgemeine Übereinstimmung herrsche. Unter den i höheren Berufen versteht er also im wesentlichen die höhere Beamtenkarriere; die Offizierslaufbahn, die Anstellung bei der Regierung u. a. Das vorliegende Problem hat er garnicht in den Kreis seiner Betrachtungen gezogen. Aber wenn ich seine Begründung reclit verstehe, gelangt er zu dem Resultat, daß wir überall da, wo dem Eindringen der Juden in bisher verschlossene höhere Berufskreise — die eine Frage der Ehre sei — Widerstand entgegengesetzt wird, gegen antisemitische Tendenzen zu kämpfen haben, wahrend bei den niederen und mittleren Berufskreisen, deren Erschließung für die luden zur Selbsterhaltung und Gesundung der jüdischen Gemeinschaft notwendig sei, das antisemitische Vorurteil keine oder eine nur nebensächliche Rolle spiele. Im vorliegenden Falle handelt es sich weder um die Erringung der Gleichberechtigung noch um Eröffnung neuer Berufsmöglichkeiten, sondern um die Abwehr des Ausschlusses der Juden aus einer Betätigung, in die Sie förmlich hineingedrängt worden sind und in der sie seit Jahrhunderten eine auch von den Gegnern anerkannte bedeutungsvolle Wirksamkeit entfaltet haben. Vergegenwärtigt man sich das, so wird man sehr vorsichtig abwägen müssen, warum den Juden gerade diese ihrer fiiätorisch entwickelten nach Sombart sogar natürlich innewohnenden und religiös anerzogenen — EigeHart entsprechende Existenzmöglichkeiten abgeschnitten werden sollten, gerade die Betätigung auf Gebieten, wo sie für das allgemeine Ganze so Ersprießliches geleistet haben. Und iri der Tat hört man dafür ganz andere sachliche Gründe, die mit der Abneigung gegen die jüdische Rasse als solche nichts gemein haben. Man klagt über schlechte Erfahrungen, die man mit jüdischen Beamten gemacht ha'- Zu Bürobeamten, Buchhaltern u. dergl. eigneten sie sich nicht, weil die monotone Beschäftigung ihrem unruhigen Geiste nicht zusage, weil die Besoldung eine zu geringe sei und weil sie von dein. Drange erfüllt seien, rasch vorwärts zu korrtmen, um höhere Bezüge zu erlangen. Jeder Banklehrling fühle sich zum Bankdirektor befähigt und berufen, jeder Handlungsgehilfe zum Disponenten und Chef. Ganz anders die Christen, die sich mit einer bescheidenen aber gesicherten Stellung begnügen und einen guten Stamm eingearbeiter Beamten abgeben. Andererseits wendet man ein, dali jüdische Chemiker und Techniker zwar Hervorragendes leisten, aber infolge jhrer Intelligenz rasch den Betrieb durchschauen und in alle Geheimnisse der Fabrikation eindringen, und dann entweder übertriebene Gehaltf- „ torderungen stellen oder zur Konkurrenz übergehen, oder wenn sie über ausreichende Mittel verfügen hezw. genügende finanzielle Unterstützuug finden, selbständig in den Wettbewerb eintreten. Aus Bankkreisen hört man endlich noch, daß das geschäftliche Vorwärtskommen, däs Niederringen der Konkurrenz heutzutage nicht sowohl und jedenfalls nicht ausschließlich durch Tüchtigkeit und Intelligenz, als vielmehr durch* Aufsuchen und Fruktifizieren vorteilhafter Beziehungen bedingt ist. Gute Beziehungen zu Kreisen der Großindustrie, zu den Inhabern hoher Beamtenposten sind nach Ansicht der leitenden Persentichkeiten des Bankwesens ungemein wertvoll für das Prosperieren ihrer Betriebe. Solche Konnexionen fehlen aber den Juden meistens, man greift daher viel lreber auf einen Christen zurück, der, wenn er auch weniger Geschäftsroutine und Gewandtheit besitzt, doch in der Lage ist, erstrebenswerte Geschäftsverbindungen herzustellen. Dem Gewicht aller dieser Gründe wird man sich bei objektiver Würdigung der Sachlage gewiß nicht verschließen können, wenn sie auch nicht durengehends zutreffen und teilweise über ihre Bedeutung hinaus geschätzt werden, und 'andererseits mag bei der Zurücksetzung der Juden in diesen Berufen, soweit sie auf den pro-

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