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Bericht der Großloge für Deutschland · 1913-05-01 · Nr. 5 - Mai · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1913
Issue
Nr. 5 - Mai
Date
1913-05-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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unseres Distriktes zur Beachtung zu empfehlen, das zweite mit dem Ersuchen um Veröffentlichung im Großlogenorgan und mit der Aufforderung, die Großloge möge sich mit anderen Organisationen zusammenschließen, um zu beraten, durch welche Mittel der Gefahr des Ausschlusses unserer Söhne aus den Haupterwerbszweigen des kaufmännischen und technischen Lebens zu begegnen sei. Den Inhalt beider Vorträge darf ich im allgemeinen als bekannt voraussetzen, und will ihn daher nur in aller Kürze rekapitulieren. Ein Mitglied der Rheinland-Loge fand in den Statuten »t des Deutsch-nationalen Handlungsgehilfen- Verbandes folgenden Satz: „Juden und sich in einem bewußten Gegensatz zum Deutschtum befindende Angehörige anderer Nationen können keinerlei Mitgliederrechte erwerben." Es folgerte daraus, daß der erwähnte Verband das Staatsbürgerrecht der deutschen Juden verneine, das ihnen doch nach der Verfassung gewährleistet sei, und hielt sich deshalb für verpflichtet, den in seinem Geschäfte beamteten Mitgliedern des Verbandes Vu kündigen, weil es sein Ehrgefühl nicht zulasse, Leute, die in ihm einen-Feind Deutschlands sähen, in seinem Dienste zu beschäftigen. Der Vörstand des Verbandes intervenierte zu Gunsten der Gekündigten, der Prinzipal beharrte auf seinem Standpunkt, nahm abefctiie Kündigung zurück, nachdem die Angestellten ihren Austritt aus dem Verbände erklärt hatten. Der Referent fordert nun alle Logenbrüder auf, in gleicher Weise zu verfahren und in Zukunft kein Mitglied des Verbandes mehr anzustellen. Das zweite Thema über die Zurücksetzung der Juden im deutschen Wirtschaftsleben, das in der Carl 1 Friedrich-Loge diskutiert wurde, geht davon aus1, daß unsere ökonomische Entwickelung Vinimer mehr zur Gesellschaftsform hindränge und dadurch die Möglichkeit einer wirtschaftlich selbständigen Existenz des Einzelindividuums in bedrohlicher Weise einenge. Andererseits sei die Großindustrie bemüht, den Zwischenhandel in jeder Weise auszuschalten. Diese Tendenz sei zwar nicht direkt gegen die Juden gerichtet, sie würden aber die Hauptleidtragenden sein, weil eben der Zwischenhandel seit jeher den wesentlichsten Erwerbszweig der luden bildete. Unter den obwaltenden Umständen seien unsere Söhne hauptsächlich darauf angewiesen, soweit sie nicht in akademischen Berufen unterkommen, in kaufmännischen und industriellen Betrieben Anstellung zu suchen oder in technischen Unternehmungen als Ingenieure, Chemiker und dergl. eine Lebensstellung anzustreben. Aber der in großen Verwaltungen' herrschende Geis sei den Juden ungünstig; Tatsache sei, daß die chemische Industrie die Aufnahme von jüdischen Technikern in ihre Industrie grundsätzlich ablehne, und es sei kein Zweifel, daß diesem Beispiele bald andere große Industriezweige folgen würden. Diesem gefährlichen Notstande sei dadurch allein nicht abzuhelfen, daß sich unsere Söhne, aus eigener Kraft neue Betätigungsmöglichkeiten suchten. Ebenso wenig könnten wir mit wirtschaftlichen Machtmitteln gegen jenen Boykott ankämpfen, schon um nicht den größeren Schaden wirtschaftlicher Gegenmaßregeln heraufzubeschwören. Es bliebe uns daher nur übrig, mit geistigen Mitteln den Kampf .aufzunehmen, um das ungeschriebeneGesetz der Gleichheit aller Menschen zur Geltung zu bringen. Diesen geistigen Kampf solle die Großloge im' Verein mit den anderen großen jüdischen Institutionen organisieren u.id durchfechten. Soweit die beiden Referate! Der Geschäftsausschuß hat es s.Z. abgelehnt, den Vortrag über unser Verhalten gegenüber dem Deutsch - nationalen Handlungsgehilfen-Verband den Logen des Distriktes zuzustellen, weil er ein agitatorisches Vorgehen der Logen gegen antisemitische Ausschreitungen verhindern wollte. Das andere Referat ist im Großlogenorgan mit dem Be-. merken publiziert worden, daß sich die.Großloge die prinzipielle Stellungnahme zu dieser Frage vorbehalten müsse/) „;- Im Anschluß an diese Veröffentlichung nnd wohl auch beeinflußt durch die bekannten Schriften Werner. Sombart's ist in der Folgezeit die Frage unseres Verhaltens gegenüber dem wirtschaftlichen-Antisemitismus in den Logen eifrig diskutiert- und zum Gegenstand von Vorträgen gemacht worden,, namentlich seit im allgemeinen darüber Klage geführt worden, daß auch die großen Banken, die doch vorwiegend von Juden geleitet werden, eine starke Abneigung gegen .die Anstellung von Juden zeigen. Nachdem nun auch der geistige Zcntralaussclmß das Thema der Berufswahl der jüdischen Jugend in die 1_ogen hineingetragen hat, ist die Frage von neuem auf die Tagesordnung gekommen, und ich zweifle nicht daran, daß uns ähnliche Resolutionen wie die von der Montefiore-Loge gefaßte noch in großer Anzahl zugehen werden Deshalb muß sich das General-Komitee, der nächsten Großlogen-Versammlun^ vorgreifend darüber schlüssig machen, wie wir uns gegenüber den an uns gelangten und ähnlichen Anregungen und Beschlüssen zu verhalten haben. i Vergl. Monafsberidri 1911 Nu 3, S1/35.

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