Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1913
- Issue
- Nr. 5 - Mai
- Date
- 1913-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Gemäß der Ausdehnung des Landes geht in Amerika manches über den Malistab hinaus, mit dem wir hierzulande die Dinge zu messen gewohnt sind. Eine Loge — die Josua-Loge — führt 150 Kandidaten auf einmal ein und steigert damit ihre Mitgliedschaft auf 600- Ein Banke^ von 1000 Gedecken schließt sich an. Eine Kapelle nur aus Brüdern bestehend führt die Tafelmusik aus, und wir dürfen nicht zweifeln, daß es eine Harmonie gibt, wenn Brüder die Musik machen. Die Minneapolis-Loge im Staate Minnesota setzt Eintrittsgeld und Jahresbeitrag herab, um die Studenten als Mitglieder heranzuziehen; sie setzt ferner einen Preis von 200 M. für die beste Arbeit eines Studenten über ein Thema aus Geschichte und Literatur des Judentums aus. Die philosophische Fakultät, der Universität übt dabei das Preisrichteramt aus. In San Francisco wird eine große Turnhalle an das Logenheim angeschlossen. Balkan und Türkei! — Die Bedeutung der Logen aus der europäischen Wetterecke kann nicht besser illustriert werden als durch die Worte, die der Mentor Br. Canetti der Siegmund Bergel-Loge aus Rustschuk (Bulgarien), bezw. der Vertreter der Orientlogen, Br. Dr. Sussnitzki- Konstantinopel, anläßlich der Trauerfeier für die BBr. Bergel und Wolff sprachen. Sie rühmten den Orden als Einiger und Kulturbringer. Die Brüder in Rustschuk brachten das zum Ausdruck, indem sie die Manen ihres Gründers wie die eines Vaters ehrten. Sie sprachen sämtlich in der Synagoge für Br. Bergel das Totengebet. Sussnitzki schilderte die Lage der Juden im Reiche des Halbmondes, die zerrissen und zerfallen auf der untersten Entwicklungsstufe des soi ■ i ziafen Lebens sich befunden hätten. Aus der Morgenröte der Konstitution hätten sich nur die Armenier und die Griechen geistig und wirtschaftlich gehoben. Wohltätigkeit, Bruderliebe und Eintracht waren wenig bekannte Begriffe. Da kam der Orden und einigte die streitenden Brüder: Aschkenasim und Sefardim. Der Orden wurde das „Symbol einer ethischen Forderung." Ein kleines Beispiel erläuterte das: als die'beiden Judenviertel in Konstantinopel durch Brand zerstört wurden, da ereignete sich für unsere Begriffe etwas Alltägliches, Natürl iches, Selbstverständliches, für dortige Anschauungen etwas Neues, Unerhörtes, Bewunderungswürdiges, womit sich die Tagtspresse mit Staunen und Anerkennung beschäftigte. Die Loge, in Konstantinopel trat — mit Unterstützung auswärtiger Logen — mit einer Spende für diejuden hervor! Welch' ein Nichts müssen diese Juden früher gewesen sein, sagen wir uns als modern empfindende Menschen, wenn dies Ereignis solches Aufsehen hervorrufen konnte, und welche Bedeutung für sie mußte ihm innewohnen.. Die Abgebrannten rückten mit einem Male in die Bedeutung und Geltung von Menschen ein! — Wir nähern uns den neuesten Schöpfungen des Ordens auf begünstigterem Boden. . In London wurde im Jahre. 1910 -die erste Luge unseres Bundes installiert, in Manchester in jüngster Zeit die zweite. Jüdische Orden, "und Logen gab es m England zwar schon früher, sogar in großer Anzahl. Fünfzig dieser kleinen Ordensgebilde mit ca. SOOO Mitgliedern hatten sich sogar zu einem großen Bunde (Federation) zusammengetan, aber sie setzten sich wohl zumeist aus russisch-jüdischem Kleinbürgertum zusammen und bezweckten in der Häuptsache gegenseitige Unterstützung. Die London-Loge stellte die Basis her, auf der wir Logen arbeiten zu sehen ge-, wohnt sind. Sie wirkt in Gemeinschaft mit der dortigen größten Wohltätigkeitsorganjsation, dem „Board of Deputies." — Sie befaßt sich mit dem Einwanderungsproblem, mit derjkhaffung von Herbergen in den Haupthäfen des Landes u.a. In der Schweiz besitzt der Orden zwei Logen: die 1905 , gegründete Basel - Loge in Basel und die 1909 ins Leben gerufene Augustin-Keller-Lqge. Auch sie wenden ihre Sorge den Einwanderern zu. Die Angliederung an unseren achten Distrikt wurde von den beiden Schweizer Logen abgelehnt. Sie unterstehen unmittelbar dem Exekutrv-Komifee-in Amerika. Da die Mehrzahl ihrer Mitglieder Schweizer Bürger sind, und nur eine Minderzahl Deutsche und.Franzosen, so wollten sie lieber freie Schweizer sein — ein „Fähnlein der Aufrechten", wie auch die Schweiz sorgfältig ihre politische Unabhängigkeit hütet. Sie fürchteten, daß andernfalls ihre Ausbrpitun^ geringer sein würde. — Am 18. März lüll wurde in Baden im,Aargau der erste Schweizer Logentag seitens des. beiden Logen abgehalten. [-.'■ Die erste Loge auf dänischem Boden, die Danmark-Loge, tritt in das zweite Lebensjahr ein. Auch ihre Sorge ist die Einwandererfräge. Die Schweizer Logen und die dänische Loge möchte ich in einer gemeinsamen Betrachtung, bezw. mit einem gemeinsamen Wunsche'.zusammenschließen. Wenn ■von äußerlich günstigen Judenverhältnissen gesprochen wird, dann darf die-Schweiz, darf Dänemark in erster Reihe genannt Werden.- _ Als freie, aufrechte Bürger genießen die Juden dort den Sphutz der Gesetze, der ihnen nicht durch