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Bericht der Großloge für Deutschland · 1913-05-01 · Nr. 5 - Mai · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1913
Issue
Nr. 5 - Mai
Date
1913-05-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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genügt — um im Schlagwort zu bleiben der Forderung des Tages. Wir beginnen mit Rumänien: die Juden sind dort rechtlos, werden als Fremde behandelt, trotzdem sie dem Staat Guts- und Blutssteuer zahlen müssen. Die Kinder werden nur in ganz geringfügigem Prozentsatz zu den allgemeinen Schulen zugelassen. Infolgedessen ist es eine vordringliche Sorge der rumänischen Logen, aus jüdischen Mitteln jüdische Schulen zu gründen und zu unterhaltert. f erner: die rumänische Großloge bemüht sich jahrzehntelang — seit ihrem Bestehen um die Abschaffung des entwürdigenden Eides „more judaico". Grenzt das schon an Politik, die satzungsgemäß eigentlich ausgeschlossen ist, so sieht es doch einem gekränkten Memchenrecht sprechend ähnlich. Das Vorgehen ist dann so, wie es einmal der hochw. Ordenspräs. Kraus auch für Amerika geschildert hat: die ausführenden Brüder treten nicht als solche in die Erscheinung, sondern nur als beauftragte Bürger. Der Eid „more judaico" wird vor dem bürgerlichen Eide gewissermaßen als reinigender V'oreid in derSynagoge unter Innehaltung bestimmter Vorschriften in Gegenwart des Rabbiners geleistet. Wer ihn leisten muß, gilt damit im bürgerlichen Sinne als ehrlos. Auf die verschiedentlichen Eingaben und Proteste hat der Kassationshof den Eid für ungesetzlich erklärt. Nur einige Richter verlangen ihn noch. Die Rabbiner aber/ weigern sich zumeist diese Schmach zu unterstützen. Ehre diesen Männern! Die führenden Männer . der rumänischen Großloge bemühten sich ferner um die Schaffung einer ständigen Vertretung der einheimischen Juden, die ihnen seit mehreren Jahren auch gelungen ist. Die rumänische Regierung erkennt zwar keine jüdische Gesamtvertretung an, da es sich ja doch nur um ..Fremde" handelt, aber die rumänische jüdische Intelligenz — hier dürfen wir den Namen des Grolipräs. Dr. Adolphe Stern nicht vergessen zu erwähnen ging von der richtigen Voraussetzung aus, daß zu der Zeit, wo es der Regierung einmal einfallen würde, mit ihren Juden zu verhandeln, die Vertretung fertig und geschlossen da sein müsse. So darf die „Repräsentanz der einheimischen Juden" als eine Frucht der durch den rumänischen Orden geförderten weitausschauenden Erkenntnis angesehen werden. Mit großem Interesse haben wir den Bericht dieses Verbandes mit seinen schneidig geschriebenen unerschrockenen Eingaben an die Regierung gelesen; mit Genugtuung ersehen, daß es gelungen ist, den jüdischen Handwerkern den Raub an ihrer Existenz zu verhindern. Oesterreich- Ungarn erhält im Ordensleben seine besondere Note durch Galizien, durch die Tätigkeit für Galizien. Galizien und wirtschaftlicher Tiefstand und Unkultur sind identisch insbesondere für die Juden. Die Juden bildeten früher unter der Polenherrschaft , eine Art von Mittelstand — als Mittler und Vermittler. 1 Die moderne Zeit hat die Verhältnisse mächtig zu ihren Ungunsten verschoben, und die Polen sind für sie schwere Nachbarn geworden. Die österreichische Großloge führte nun verschiedene Industriezweige ein, bezw. forderte sie: die Spitzenklöppelei, die Haarnetzflechterei; sie reorganisierte die Armenpflege, schuf Arbeitsnachweise; die Krakauer Loge gründete Kreditgenossenschaften für den Kleinhandel und das Kleingewerbe. Die letzte Zeit aber ist ausgefüllt durch den Gedanken der Sorge um die Schaffung einer Gesamtorganisation der österreichischen Juden. Wieder ist Galizien das Schmerzenskind. Die 800 000 galizischen Juden lassen sich nicht so leicht einfügen. Sie fürchten um ihr Seelenheil. So steht die Frage denn: Gesamtvertretung ohne Galizien oder m i t Galizien in einer Form, die zunächst gar nicht auszudenken ist. Die österreichischen Logen haben beschlossen, dieser Frage ihre ganz besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden. Der Orden in Amerika beschäftigt sich mit der Frage des Mädchenhandels, mit Versuchen zur Milderung der Einwanderungsbestimmungen, mit Versuchen zur Einwirkung auf die Behandlung der russischen Juden, mit der russisch-amerikanischen Paßfrage. Wenn es gelungen ist, die amerikanische Regierung zur Kündigung des russisch-amerikanischen Handelsvertrages von 1832 zu veranlassen, so dürfen sich nach dem Zeugnis des hochw. Br. Ordenspräsidenten Kraus die amerikanischen, Brüder nicht unwesentliche Verdienste zuschreiben. Ein großer öffentlicher Zug — ich möchte das Wort „politisch" vermeiden — geht durch die amerikanischen Logen. Der Orden erscheint der . Staatsf .H regierung gegenüber gewissermaßen wie eine „befreundete Macht.' Der Ordenfpräsident Kraus empfängt für seine Europareise Empfehlungen der amerikanischen Regierung an die amerikanischen Konsulate und Botschaften, die ihm nach besten Kräften zu Diensten sein sollen. Das Judentum wird gelegentlich von hoher Stelle als die Aristokratie des Menschengeschlechtes bezeichnet. Der Präsident Taft erhält zur Silberhochzeit ein Logengeschenk, das er nach seinen eigenen Worten als eine dauernde Erinnerung an seine Pflicht aufbewahrt. Ein Bruder — Simon Wolf — vertritt den Orden bei der Bundesregierung in Washington.

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