Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1913
- Issue
- Nr. 5 - Mai
- Date
- 1913-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Einige Zahlen über den Gesamtumfang seien vorausgeschickt. Der üesamtorden zählt gegenwärtig M Distrikte: 7 in Amerika, 1 in Deutschland, 1 in Rumänien, 1 in Oesterreich-Ungarn und I im Orient Die 7 Disirikte besitzen 303 Logen (darunter drei in Kanada), der deutsche Distrikt 79, Rumänien 13, Oesterreich-Ungarn 14, der Orient 12 Logen. Nach Ländern verteilt sich die Zahl der Logen wie folgt: Amerika 303, Deutschland 79, RumÄien 13, Oesterreich-Ungarn 14, Bulgarien 6, Aegypten 3, Palästina und Syrien 6, Serbien 1, Türkei 4, Schweiz 2, England 2,'Dänemark 1, zusammen 434. Einzelne Logen sind noch nicht in Distrikte zusämmengefaßt. Sie unterstehen direkt dem Exekutiv- Komitee in Amerika. Die Zahl der Mitglieder beträgt ca. 37000. Damit wenden wir uns den Verhältnissen des Ordens in Deutschland zu. Die Forderung „die Not der Armen und Dürftigen zu lindern" hat der Orden — soweit es in seinen Kräfien stand — glänzend gelöst. Ein unvergleichliches soziales Hilfswerk ist entstanden, das den Armen, vom Schicksal Zerzausten Hilfe und Trost bringt. Kind, Mann und üreis, Mädchen und Frauen erhalten in den Nöten des Tages Geleit und Stütze. Für den hungernden Körper und die darbende Seele wird gesorgt. Ich nenne nur drei Gründungen: den Arbeitsnachweis, die Toynbeehallen und die Krankenschwestemorganisation. Die Aufzählung aller Wohlfahrtseinrichtungen des Ordens in Deutschland und der von den Brüdern geförderten Organisationen nimmt allein ein kleines Bändchen für sich in Anspruch. Ein Wort Xavier de Maistres lautet: „So ist das Gefüge der Gesellschaft in den großen Städten : Elend und Überfluß, Glück und Unglück kreuzen sich beständig und begegnen einander, ohne sich zu sehen : zwei getrennte Welten sind's, die keine Ähnlichkeit haben. Aber eine kleine Zahl mitleidiger Seelen, die die Vorsehung bestimmt hat, knüpft einige vereinzelte Verbindungspunkte zwischen ihnen an." Das Wort hat in der heutigen Zeit einen Teil seiner Herbheit verloren. Der Orden darf sich rühmen, an seiner Stelle mit dazu beigetragen zu haben. Nun aber -— wir dürfen nach unseren Satzungen auch u n s e r W o h I fördern. Unser Wohl! — nicht im materiellen Sinne. Der Gedanke einer Reliktenversorgung, der in der Anfangszeit des Ordens die Gemüter erregt hat, ist abgelehnt worden, und im Jahre 1890 ist der Beschluß gefaßt worden, daß er nicht wiederkehren dürfe. „Nichts für, uns,'alles für andere!" lautete die Formel, die man gefunden zu haben glaubte. Aber ein anderes dürfen wir tun und glauben damit „unser Wohl und das unserer Nebenmenschen zu fordern." Ich bezeichne es vorweg: die innere Aufrichtung, und Stärkung in dem Gesellschaftskampfe, den wir zu führen gezwungen sind. Man bedenke: die Ungleichheit der Behandlung im Staatsleben, die gesellschaftliche Zurückdrängung, die in gewissem Sinne npch heute bestehende enge Zusammendrähgung der Entrechteten, die ohne die erleichternden äußeren glänzenden Stellungen, Titel, Ordensauszeichnungen der anderen Autorität aus sich heraus erst schaffen müssen, — das alles hat einen Zustand erzeugt, der naturgemäß nicht ohne Nachwirkung auf uns bleiben konnte. Die Schwächen, die aus unseren abnormen Zuständen entstehen, werden dann weiterhin von unseren Gegnern als Vorwahd benutzt, um ihr System der Ausschließung zu rechtfertigen. Grillparzer hat das in seiner Jüdin von Toledo vorzüglich zum Ausdruck gebracht: „Wir lähmen sie und grollen, wenn sie hinken!" In der Erkenntnis dessen, was uns not tut, dürfen wir nun an dem Streit des Tages nicht achtlos vorbeigehen. Wir dürfen uns nicht parteiisch in ihn hineindrängen- — das verbieten unsere Satzungen. Aber auf der Grundlage unserer Anschauungen dürfen wir ihn auffassen und zu meistern suchen. — Ein schriller Mißklang dringt zu uns herüber. „Das Judentum geht unter!" tönt es aus vielen Kehlen. Nun: der sorgende Gedanke, der uns erfüllt, erfordert wohl ein$ andere Fassung. Sie darf lauten: eine herrschende Gruppe wächst und breitet sich rascher aus als eine nichtherrschende, denn die herrschende Gruppe hat mehr Vorteile zu vergeben. Diese Vorteile aber üben auf schwache Charaktere immer ihre Wirkung aus. -Ganz besonders dringlich ist die Sorge hervorgetreten, daß gerade geistig hochstehende und als solche wertvolle Elemente von der Majorität aufgesogen werden. Um diesen Prozeß zu kennzeichnen, hat man einem Worte Gewalt angetan, das in der letzten Zeit aus der Diskussion nicht mehr verschwinden will: dem Worte Assimilation. Man hat es umgemodelt aus dem, was es sein könnte: „Annäherung in Ehren", in das, was es angeblich sein soll, in das, was es zu sein verurteilt wurde, in „Aufsaugung ohne Würde". Was versteht man unter Assimilation, wie w i r sie verstehen, wenn man dem Worte die Würde nicht nimmt, die in ihm liegen kann? Annäherung! An wen? Annäherung — an was? — Wir antworten: Annäherung an diejenigen, die unter freien Bedingungen zu den höchsten Zielen menschlicher Gesittung — «0 —