Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1913
- Issue
- Nr. 3 - März
- Date
- 1913-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Nehmen Sie sie als Zeichen unserer tiefgefühlten Dankbarkeit entgegen und seien Sie versichert, daß wir für Sie als Menschen und als Staatschef die aufrichtigste Bewunderung hegen! Wir hoffen, nein, wir sind überzeugt, daß sie mit den Jahren einen immer höheren Wert für Sie haben wird, weil sie verknüpft ist -.mit den 'großen Taten, die ein großer Führer eines großen Volkes vollbracht hat, das die zunehmende Einsicht des Menschengeschlechtes einst als den Bannerträger begrüßen wird, de die Sache der menschlichen^ Freiheit um hundert Jahre gefördert hat" Hierauf erwiderte Präsident Taft: „Geehrter 11 rr K'aus! Meine' Herren vom Exekutiv-Komitee Bne; Briss! ich fühle mich außerordentlich geehrt und bin lief gerührt über diesen schönen Beweis der Anerkennung, die (Sie meinem Wirken gezollt haben. Während meiner Amtszeit a's Präsident habe ich dem Amerikanischen Volke und der weiten Welt den Beweis liefern wollen, daß wenigstens in unserem Valeriade jeder Marn, jede Erau und jedes Kind vor dem Gesetze gleich sind und Anspruch darauf haben, jene Rechte zu genießen, die wir als unveräußerlich bezeichnen; daß in unserem Vatcrlande jene Rechte nicht nur gesetzlich formuliert und festgelegt sind, sondern auch daß in unserem Volke ein Geist lebt, der die Grundsätze unserer Staatsverfassung widerspiegelt und zur Ausführung bringt. Was nun die jüdische Glaubensgemeinschaft betrifft, so brauche ich dieser wahrlich keine Lobrede zu halten. Hinsichtlich des berechtigten Stolzes auf eine glorreiche Vergangenheit müssen wir, die wir der jüdischen (k.neinde nicht angehören, bescheiden sein. Der Geist, die Kraft Ihnes Stammes, die Geduld und Beharrlichkeit, mit . der Sie Ihre Ziele verfolgt haben, um Ihre Rech'e zu schützen und die Aufwärtsbewegung des jüdischen Stammes zu fördern — alles dies macht Ihre Geschichte zu einer in der ganzen Welt -einzig da-tehenden. Die*-Verfolgungen, die Sie um Ihres "Glaubens willen erleiden mußten, haben in gewissem Sinne zweifellos den Charakter und die Zähigkeit Ihres Stammes höher entwickelt. Aber nur ein freies Land, wie es die Vereinigten Staaten sind, kann die Saat zur Reife bringen und Sie befähigen, der weiten Welt zu beweisen, daß Ihre Glaubensgenossen eine wunderbare Fähigkeit besitzen, Gesetz und Ordnung in einem trrien Gemeinwesen zu stützen, allerdings im Schutze einer Regierung, die auf der Gleichheit vor dem Gesetz beruht. I'..' . — AQ Nun eine persönliche Erinnerung. Mein Vater war Unitarier; ich wurde in demselben Glauben erzogen. Gerade gegenüber der Unitarierkirche in Cincinnati lag die jüdische Synagoge, in, der Rev. Isaac M Wise als Rabbiner wirkte. Unsere Geistlichen vertraten einander häufig auf det Kanzel, und so saß](ich in meiner Kindheit zu Füßen Dr Wises in der Unitarierkirche und lauschte seinen Predigten. Darum ist wohl kaum anzunehmen, daß ein Vorurteil irgend welcher Art sich in meinem Herzen hätte einnisten können. Leute mit so engem Horizont, daß sie dem Vorurteil Raum geben, habe ich immer nur bedauert. Lieber Herr Kraus! Geehrte Herren! Es unterliegt keinem Zweifel, daß eine Gemeinschaft wie die Ihrige immer an der Spitze der fortschreitenden Zivilisation marschieren und alle Zi rücksetzungen und Verfolgungen überdauern wird, die leider in einigen Ländern Europas noch immer an der Tagesordnung sind. Das ist khr wie der Tag. Uns aber gereicht es zu lebhafter Befriedigung, daß dies Streben der Juden nach der ihnen gebührenden allgemeinen Amrkennung und nach sozialer Gerechtigkeit gegenüber allen Unterdrückten einen lebhaften Impuls von unserem Vaterlande erhalten hat. Und nun, meine,Herren, schließe "ich mit der Versicherung, daß ich mir diesen Beweis Ihrer Anerkennung zur höchsten Ehre rechne und daß,es eine der größten Freuden meiner Amtszeit gewesen ist, wahrzunehmen, daß Sie mich, den Staatschef, für einen weitherzigen, vorurteilslosen Mann halten!" Die Feierlichkeit, die über eine Stunde wähtte, t bildet einen Markstein in der Geschichte unseres Ordens, denn sie zeigt, welches Ansehens sich der Orden in seinem Mutterlande erfreut. Gegenüber dieser Tagung des Exekutiv-Komitees mit ihrem Glanz und ihrer hohen mo-alischen Bedeutung können alle übrigen Berichte aus dem amerikanischen Logenleben nur ein geringes Interesse beanspruchen. Dennoch seien einige Einzelheiten verzeichnet. Die Große Prairie-Loge zu Champaign (Illinois) hat in ihren Reihen sehr vieleStudenten der Landesuniversität; erst im Januar wurden wieder r8 Musensöhne neuaufgenommen. Die Loge hat einen Jahrespreis von 200 Mark für denjenigen Studenten ausgesetzt, der die beste Arbeit über ein das Judentum betreffendes Thema liefert. Der Rektor der Universität, Mr. James, hat die Stiftung angenommen und seine Mitwirkung bei ihrer zweckdienlichen Ausführung zugesagt