Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1913
- Issue
- Nr. 3 - März
- Date
- 1913-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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vielleicht der einflußreichste Glaubensgenosse der Welt — nahm das Wort zu einer Begrüßungsansprache 4n da* Exekutiv-Komitee, das sich rühmen darf, in Ordensangelegenheiten in sechs verschiedenen Sprachen und außer Amerika nach fünf verschiedenen Ländfern zu korrespondferen. ■ '• r '. . Den Glanzpunkt der Tagung bildete die Über» reichung der neu gestifteten Toleranz-Medaille an den Präsidenten Taft, der cfre Mitglieder des Komitees zum Frühstück geladen hatte. Br. Simon Wolf erwartete die Herren in der Vorhalle des Weißen Hauses und geleitete sie in das Rote Zimmer, ■ wo Mr. Taft sie begrüßte. Mehrere der Komiteemitglieder waren dem Staatschef bereits aus persönlichen Unterhandlungen, z. B. in der Paßfrage, bekannt; er gab seiner Freude darüber Aufdruck, diese Bekanntschaften erneuern zu können. Inzwischen hatten sich auch Frau Taft sowie die beiden Brüder und die Tochter des Präsidenten eingefunden. Unser Ordenspräsident halte die Ehre, Mrs. Taft, die Gemahlin des Präsidenten, zur Tafel zu führen. Am festlich geschmück'en Tisch hielt unser Präsident Br. Ki au folgende —< im englischen Original formvollendete — Ansprache: „Herr Präsident! Wenn es dem Menschen verliehen wäre, den Willen der Vorsehung zu erforschen, so würden wir imstande sein, zu ermitteln, weshalb gerade die Gemeinschaft, deren Führer auserwählt ward, das göttliche Gesetz zu empfangen und zu erklären, jene' Gemeinschaft, die der Welt die ersten Begriffe von Recht und Sitte gab und deren Anhänglichkeit an ihre Religion in der Gesrh'chte einzig dasteht - , weshalb diese Gemeinschaft alle Jahrhunderte hindurch bis in die jüngste Zeit hinein in Seinem Namen aufs Grausamste vet folgt worden ist. Aber, Herr Präsident, die Geschichte der menschlichen Gesittung ist nur ein Gradmesser für die allmähliche Entwickelung des menschlichen Geistes und Gewissens Das Mitgefühl mit den Mühseligen und ßeladenen, welches sich heutzutage in jedem guten Menschen regt, ist nichts anderes als ein Auflodern jenes göttlichen Funkens, der vor |ahrtauser.den in der Brust der Wilden erglomm, sie vom Menschenopfer zurückschrecken und des Mitleids erste Regung spüren ließ. So verhält es sich mit allen anderen menschlichen-, Eigenschaften, die das erleuchtete Urteil der Menschen „gut" nennt, die aber nur das allmähliche Wachstum jener Elemente des menschlichen Charakters kennzeichnen, die auf die Errichtung des Gottesreiches auf Erden, d h. auf Frieden und Gerechtigkeit unter den Menschen, abzielen. Aber um Gerechtigkeit kennen zu.lernenl muß man wissen, was Ungerechtigkeit bedeutet. Vielleicht liegt es im allweisen Plane d"s himmlischen Vaters, daß die Welt aus ihrer Ungerechtigkeit den Juden gegenüber lernen soll, was Gerechtigkeit ist und wie man Gerechtigkeit.allen Menschenkindern gegenüber ausübt. Doch sei dem, wie ihm wolle: tatsächlich BYennt in weniger aufgeklärten, weniger glücklichen Ländern als das unsrige noch heutzutage das Feuer des Religions- und Rassenhasses, und noch heute beten seine jüdischen Opfer mit derselben Inbrunst, wie es vor zweitausend Jahren ihre" Ahnen getan haben, um eine Erlösung, die noch nicht gekommen ist. Wir Brüder des U. O. B. B., dje wir uns die hohe A> fgabe gestellt haben, den Opfern der Verfolgung zu Hilfe zu kommen, wir haben die Sache des Gesamtjudcrtums zu der unsrigen gemacht, eine Angelegenheit; die freilich nicht nur die Judenheit sondern die ganze Menschheit angeht. Denndie unmenschliche Behandlung der Juden in jenen Ländern, wo sie noch verfolgt werden, ist nichts als ein Ausbruch jener alten Unmenschlichkeit des Menschen gegen den, den er als Bruder begrüßen müßte. Aber der Tag, an dem die Leiden Israels auf dem weiten. Erdenrunde enden, wird auch übereiner besseren Wilt für alle Menschenkinder dämmern!-. Gestatten Sie mir nunmehr, Herr Präsident, Ihnen aus dem Protokoll der Tagung des Exekutiv-Komitees vom 15. April 1912 zu Berlin folgende Stelle vorzuleben: „Der nächste Punkt der Tagesordnung betraf die Verleihung der Goldenen Medaille, welche jährlich demjenigen - Mann oder Frau, Christ, öder Jude — verliehen, werden soll,/ der im abgelaufenen,Jahre am meisten zur Wohlfahrt der Judenheit beigetragen hat. Nach eingehendem Meinungsaustausch wurde beschlossen, diese Toleranz-Medaille dem Präsidenten der Vereinigten Staaten, M r. William Howard Taft, zu überreichen, denn er bat im vergangenen Jahre bei verschiedenen Gelegenheiten furchtlos, mannhaft und nachdrücklichst Grundsätze aufgestellt und hat Stellung genommen in Fragen, die für die jüdische Gemeinschaft Lebensfragen bedeuten. Die Schritte, die er al§ Oberhaupt eines großen Volkes getan hat, lassen uns neue Hoffnung schöpfen, daß auch für unsere verfolgten Brüder einst bessere Tage kommen werden." So habe ich denn die Ehre, Herr Präsident, in meiner Eigenschaft als Oberhaupt des U. O. B. B. Ihnen diese Medaille zu überreichen.