Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1913
- Issue
- Nr. 3 - März
- Date
- 1913-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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reiches Feld der Betätigung. Hier handelt es sich nicht um eine einfache Vereinstätigkeit mit dem oft störenden äußeren Beiwerk," um eine oberflächliche Hilfeleistung, von der der kommende Tag nichts mehr vom gestrigen weiß, sondern um eine oft jahrelange Erziehungsarbeit, die Interesse und Liebe zu dem einzelnen Menschenkinde erzeugt. Der oft geäußerten Ansicht, daß Vormundschaften und Pflegschaften zu den unangenehmen Wohlfahrtsbetätigungen gehören, muß energisch entgegengetreten werden. Freilich verlangt die neue Aufgabe von jedem einzelnen hingebende Arbeit; aber an eine Arbeit, die unsere Persönlichkeit in Anspruch nimmt, sind wir ja durch, das Erziehüngisystem in unseren Logen gewöhnt. Wir wissen alle, das echt menschenfreundliche Liebestätigkeit nur möglich ist, wenn sich der Mensch selbst zu seinem notleidenden Mitmenschen bemüht, persönlich sieht, wie es mit ihnen steht, und hört, was sie bedrückt und worüber sie zu klagen haben. Da wir die neue Einrichtung der Mündeipflege nach dem Elberfelder System *) organisieren wollen-, so werden jedem Beteiligten höchstens drei Vormundschaften zufallen. Auch stehen den Vormündern und Pflegern in unserer Institution ein Arbeitsamt und Rechtsbeiräte zur Verfügung, um gegen etwaige komplizierte und schwierige Fälle gerüstet zu sein. Die Aufgabe der Vormünder und Pfleger wird hauptsächlich darin bestehen, das Wohl der ihrer Obhut anvertrauten Kinder zu überwachen, für geeignete Pilegestellen und etwaige Adoptjone.i zu sorgen. Daß wir eine lokale Wohlfa'nnseinrichtung "der Berliner Logen hier nochmals zur Sprache bringen, geschieht aus einem doppelten Grunde. Einmal woJIen wir die Logen unseres Distrikts auf dieses neue Gebiet der Wohlfahrtspflege hinweisen. Um sie anzuregen, etwas Aehnliches an ihren Plätzen zu schaffen. Hat' doch vor kurzem die w. Kant Loge in Königsberg berichtet, daß Br. Prof. Lassar-Cohn in dem dortigen städtischen Asyl jüdische Kinder gefunden hat, die dann durch seine Bemühungen' einem jüdischen Waisenhause zugeführt wurden. Königsberg dürfte in dieser Beziehung nicht vereinzelt dastehen. Durch eine Institution der Mündeipflege werden voraussichtlich auch noch andere Fälle bekannt werden. Zum zweiten wollten wir unsere auswärtigen Brüder bitten, uns in unserer Arbeit zu unterstützen durch Meldung geeigneter Pflegestellen oderAdoptions- *J Die Hauptgrundsätze' diese Systems sind im Monatsbericht 1908 No. 11 S. 15 t zusammengestellt. gelegenheiten in der Provinz.**) Für die Pflegen werden die betreffenden Kostgeber bezahlt, die Adoptionen sollen ohne Entschädigung von irgendwelcher Seite erfolgen. In den letzten Jahren sind wir durch das Buch von Dr, Theilhaber: „Der Untergang der deutschen Juden" unangenehm berührt und aufgerüttelt worden. Wenn wir auch, am jüdischen Optimismus festhaltend, uns durch die Kassandrarufe und Notsignale dieses jungen Arztes nicht beirren lassen, vielmehr an die Zukunftshoffnungen der Propheten glauben, die uns den ewigen Bestand Israels verheißen haben, so können wir uns dennoch der Tatsache nicht verschließen, daß uns in Deutschland seit 1S70 trotz des Nachschubes aus dem Osten über 190000 Juden fehlen.' Wer daher nur eine Seele dem Judemtume erhält, hat für die Zukunft unserer Gemeinschaft mitgewirkt. Wir hoffen daher, daß wir mit der Zentrale der jüdische Mündelpflege unseren Brüdern und Schwestern in Berlin und auswärts ein großes Feld sozialer Arbeit erschlossen haben, dem sie sich mit Liebe und Eifer zuwenden und dadurch zur Erstarkung unserer Glaubdnsgemeinschaft und zur Erhaltung des Juden-, tum beitragen werden. « <x Aus Amerika. XXX IL Die Januar - Nummer unserer "B'nai B'rith Ne*s" steht unter dem Zeichen der Tagung des Exekutiv - Komitees, die am 5. und 6. Januar in Washington stattfand. Die Mitglieder dieses Ordens- Ministeriums * wohnten einer Festsitzung der dortigen Argo - Loge bei, in welcher eine große Anzahl von Kandidaten durch den hochw. Ordenssekretär Br. Seelen freund aus Chicago eingeführt wurden. Der hochw. Ordenspräsident Br. Adolf Kraus beglückwünschte in seiner Ansprache die Loge zu dem heuen Mitgliederzuwachs sowie deh 5. Distrikt zu der überaus erfolgreichen Arbeit, die er im abgelaufenen Jahre geleistet hat. Mit einem Rückblick auf die nunmehr siebzigjährige Geschichte des Ordens verband Br. Kraus eine Mahnung an die Logen des In- und Auslandes, eitrig neue Mitglieder zu werben, um unserm Orden die Führerrolleunter allen jüdischen Organisationen des Erdballs zu sichern. Auch unser ehrwürdiger Br. Simon Wolf — ) Meidungen nach dieser Richtung nehmen mit, Dank entgegen: Br. Salli Kirsclistein, Berlin W.,: Kurfürstendämm 5'), und das Bureau der Berliner Logen U.O. B. B., Berlin Vi . 62, Kleiststr. 10. Vl