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Bericht der Großloge für Deutschland · 1913-03-01 · Nr. 3 - März · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1913
Issue
Nr. 3 - März
Date
1913-03-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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wir wollen Evolution und nicht Revolution. Wir wollen kein Gnadengeschenk von unseren Männern auch nicht von den Männern, die heute schon einsichtig genug sind, um Frauenarbeit zu schätzen. Erst muß sich durch unseren Gedankenaustausch innerhalb der Frauenlogen ein erhöhtes Interesse für alle Logenbestrebungen und eine genaue Kenntnis der einschlägigen Fragen herausbilde", erst müssen alle Frauenlogen Leistungen aufzuweisen haben, auf Grund deren wir berechtigt sind, Forderungen zu stellen, ehe wir als Gleichberechtigte in die Reihen der Brüder eintreten wollen. Keinen Unfrieden wollen wir in die Logen tragen durch unsere Forderung. Der Gedanke der "vollwertigen Frauenarbeit und der Notwendigkeit der Mitarbeit der Frau muß sich mit elementarer Gewalt bei unseren Logenbrüdern in ihrer überwiegenden Mehrheit (bei allen wird es Natürlich nie der Fall sein) durchgerungen haben. Sie müssen es einsehen, gelernt haben, daß Frauenarbeit notwendig isf als. Ergänzung der Männerarbeit, 'sowohl auf sozialem wie auf erziehlichem Gebiet. Freudig soll man uns die Tore öffnen. Wie die Sachen heute liegen, so ist es zweifellos, daß, wie man auf der einen Seite uns heute schon freudig willkommen heißen würde, auf der anderen Seite starke Widerstände oder gar billiger Spott uns entgegentreten würden; so aber soll es nicht sein. Wir wollen die Männer, die heute schon unsere Freunde in dieser Angelegenheit sind, und diejenigen, die es im Laufe der Jahre zweifellos werden, bitten, in Wort und Schrift für unsere GleichberecWtigunji Propaganda zu machen, damit der Gedanke sich die Herzen und Geister siegreich erobere und das letzte Ziel einst erreicht werde, dem schon unsere aijen Weisen in einem prophetischen Spruche Ausdruck verliehen haben: „Nicht der Mann ohne die Frau, nicht die Frau ohne den Mann und beide nicht ohne die Gottheit in ihrer Mitte." Zentrale für jüdische Mündelpflege. Über dieses neue Arbeitsfeld der Berliner Logen hat Br K i r s c h s t e i n , Präs. der Deutschen Reichs- Loge, im vorigen Jahre in No. 5 unseres Logenorgans berichtet. Er wies auf § 1779 der B. G. B". hin, „Bei. der Bestimmung eines Vormundes odes Pflegers ist auf das religiöse Bekenntnis des Mündels Rücksicht zu nehmen." Diese Bestimmung hat bei jüdischen Waisen u:id besonders bei" jüdischen unehelichen Kindern nicht immer in dem vom Gesetz beabsichtigten Sinne Anwendung gefunden; auch hat die Qua ität der Vormünder und Pfleger oft nicht den Ansprüchen genügt, die eine moderne Wohlfahrtspflege erheischt- Da erwiesenermaßen Hunderte \oh. jüdischen Kindern dem Judentum oder doch dem jüdischen Fuhlen und Denken entfremdtt werden, war es nötig, hierfü "eine geeignete InstUtion zu schaffen. Für die Begiünduug dieser neuen'Tr.'jnrichtung war noch ein Grund mitbestimmend, nämlich die Kinder -, * , *.-""» 4 *, 1 ■ aus M schehen. Die Kinder aus Mischehen sie zählen nach statistischen Fesbtelluugnu-nath tause:.- dtn gehen unter den heutigen Verhältnissen'zumeist dem Judentum verloren. Beim Tode des jüdischen Vaters oder der jüdischen Mutter wäre bei einem geeigneten Pfleger oder Vormund doch noch möglich, einen Teil dieser Kindtr unserer Gemeinschaft zu erhalten. Zu diesem Behüte wurde Vor Jahresfrist in den Berliner Logen für eine geeignete Institution Propaganda gemacht, und es gelang unter Mitwirkung maßgebender Faktoren eine Zentrale für jüdische Mündelpliege für Groß-Berlin ins Leben zu rufen. Fast 170 Brüder und Schwestern stellten sich sofort zrr Verfügung, (inzwischen haben sich iioch ca. 100 Brüder und Schwestern gemeldet - •'. trotzdem würden uns besonders in Berlin N und NO noch Meldungen sehrerwünscht sein) Vormundschaften und Pflegschaften zu übernehmen; aber diese Zahl reicht bei weitem nicht aus, da Groß-Berlin über 380 Waisenbezirke besitzt. Es müßte jedem Waisenraf eine Liste unserer Mitglieder übergeben werden können, -damit sie bei Bedarf dem Vormundschaftsrichter ent>n eehende Vorschläge zu unterbreiten in der Lage'seien. Diese Pt leger und Vormünder sollten tunlichst in demselben Waisen bezirk wohnen oder wenigstens doch in dem betreffenden Amtsgerichtsbezirk. Es ist daher dringend zu wünschen, daß sich Brüder und Schwestern in größerer Zahl zur MiUitoeit melden, damit wir in jeder. Gegend Berlins die nötige ZahJ von Pflegern und Vormündern präsentieren können. Von Gesetzes wegen ist jeder Deutsche verpflichtet, drei Vormundschaften zu übernehmen ist es nicht besser und dienlicher sich freiwillig für unsere Arbeit zur Verfügung zu stellen? Ist es nicht besser, mitzuwirken an 'unserer Forderung: „Witwen und Waisen zu beschützen und mit allen Kräften ihnen beizirstehsn", als auf die Zwangsvollstreckung des Gesetzes zu warten? Ganz besonders aber bietet 'sich den erwachsenen Töchtern und den Witwen unserei Brüderhier ein

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