Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1913
- Issue
- Nr. 3 - März
- Date
- 1913-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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unser der deutschen Judenheit ein ihrer Gesamtheit gewidmetes Werk sollte fördern helfen. Es ist also nicht nur eine Pflicht.der Brüder, sondern auch der Logen, als solche unserem Verein beizutreten und sich auch sonst aktiv an unserem Kulturwerk zu beteiligen. - Zuversichtlich darf erwartet werden, daß die Großloge hierzu die Initiative ergreift. SoMen die Frauen als gleichberechtigte Mitglieder in die Logen aufgenommen werden? Von Ella Selig mann - Frankfurt a. AV Als wir im Oktober letzten Jahres den Verband der Frauenvereine der U. O. B. B.-Logen begründeten, bezeichneten wir als einen unserer wichtigsten Programmpunkte die gemeinsame Arbeit der Männer und Frauen innerhalb der Logen. Mit dieser Forderung haben wir uns bewußt auf den Boden der allgemeinen Frauenbewegung gestejlt, die überall die Mitarbeit der Frau anstrebt, sei es im Berufsleben, sei tsbei den sozialen Aufgaben in der Kommune, sei es im politischen Leben. Im Berufsleben hat Jch die Frau ihren, wenn auch oft heiß umstrittenen Platz erobert. Seit 1832 ist die Zahl der erwerbstätigen Frauen um das doppelte gestiegen und bildet mit ihren Sl 4 Millionen (ohne dieHausbediensteten) den dritten Teil aller im Beruf tätigen Arbeitskräfte im Deutschen Reich. Eine Fülle sozialer Aufgaben biettt sich der Frau in der Gemeinde, aber wenn auch heute weit über 12 000 Frauen in der kommunalen Wohlfahrtspflege Deutschlands mitarbeiten, wenn auch eine Reihe offizieller Gutachten vorliegt, die einstimmig aussagen, daß die Armen- und Waisenpflegerin den Erfordernissen des Amtes in jeder Weise gewachsen sei, so stellen sich doch dem Wunsche der Frauen nach gleichberechtigter Betätigung.bei den kommunalen C , Aufgaben in der Gemeinde noch große Schwierigkeiten entgegen. s Aber die Frau will sich durchsetzen, sie kann es tinfach nicht mehr fertig bringen, wie Dr. Gertrud Bäumer auf dem Frauenkongreß in Berlin sagte, Herz und Hand, Einsteht und Willen von den großen Aufgaben fernzuhalten, die ihrer heute draußen warten. Sie ist nicht mehr imstande, nur sich selbst,\ ihrer persönlichen Kultur zu leben in ihrem wohlgehüteten Heiin, nicht miterleben und njcht mit durchmachen zu wollen, was anderen zum Schicksal wird.. Diese Erkenntnis, daß es Dinge gibt, die nur durch weiblichen Einfluß, durch weibliche Wesensart zu höherer Entwicklung gebracht werden können, die aber nicht nur spezielle Angelegenheit der Frauen sind, sondern im Interesse der jüdischen Allgemeinheit und in unserem besonderen Falle im Interesse der Loge liegen, ist es, die uns auch innerhalb des Ordens die Forderung gemeinsamer Arbeit und , gleicher. Berechtigung der Männer und Frauen als letztes Ziel aufstellen läßt. Die innere Missionstätigkeit in den Logen kann, nicht ohne die Frau geleistet werden; nur gemeinsam, beseelt von gleichem Fühlen und Wollen werden wir das erreichen, was uns als Erziehungsideal' im Sinne des Logengedankens vorschwebt. Deswegen treten wir mit aller Kraft für die gleichberechtigte Stellung der Frau innerhalb der Logen ein. Aber — wir sehen Aiie Erfüllung dieses Wunsches erst als unser I e t z t e s Z i e I an. Noch halten wir die Zeit nicht reif dafür; wir wollen das Recht erst erwerben, um es zu besitzen. Darum gilt es zunächst erziehliche Arbeit an uns selbst /.ii. leisten. . Die Tatsache sollte uns zu denken geben, daß eine stattliche Anzahl geistig bedeutender Jüdin neu, die sich-auf sozialem, kommunalem,erziehlichem und politischem Gebiet kraftvoll und erfolgreich betätigen, für-spezifisch jüdische Angelegenheiten nichts übrig haben. Wir wollen zunächst einmal durch unseren Zusammenschluß unter dem Banner des Logengedanketis das in so vielen jüdischen Frauen schlafende jüdischeGemeinschaftsbewußtsein wachrufen, eine Verinnerlichung des jüdischen Frauenlebens herbeizuführen suchen, für die sittlichen Ideale des Judentums uns begeistern und Interesse erwecken für all das, was das Judentum der Jetztzeit bewegt und ihm neue Kraft gibt. Wie viele dieser Bestrebungen- und Gedanken sind uns jüdischen Frauen heute noch unbekannt öder gleichgültig, und doch wie notwendig zu kennen und in ihren Tiefen zu erfassen, wenn wir Frauen gleichberechtigte Gefährtinnen unserer Männer auch nach außen hin sein wollen. Ehe wir das letzte Ziel ins Auge fassen, muß das nächste Ziel unseres Zusammenschrusses erst einmal erreicht sein, daß sich nämlich jeder Männerloge eine 'Erauenloge angliedert, deren Mitglieder sich zu arbeitsfreudigen, unentbehrlichen Helferinnen heranbilden sollen. Wir wollen den zweiten.Schritt nicht vor dem ersten tun, wir wollen das Ham nicht mit dem Dach beginnen, sondern erst einfestes Fundament legen;