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Bericht der Großloge für Deutschland · 1913-03-01 · Nr. 3 - März · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1913
Issue
Nr. 3 - März
Date
1913-03-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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zwar nicht als Knechte, sondern als selbständige Bauern oder Hofbesitzer. Uni das zu erreichen, bedarf es aber freilich nicht nur einer Ausbildungsstätte für Eleven, wie wir eine solche früher in Neuhof hatten und jetzt in Steinhorst bei Celle in viel größerem Maße besitzen, ■»* (0 » ■ sondern auch der weiteren Fortbildungsmöglichkeit und schließlich eines Kredites zur Seßhaftmachung. Was die Fortbildung betriff», so haben wir leider mit den jüdischen Gutsbesitzern keine guten Erfahrungen gemacht, da sie, sei es aus Mißtrauen gegen ihre Stammesgenossen, sei es, weil sie sich in ihrer antisemitischen Umgebung nicht sicher genug dazu1 fühlen, in^ der Regel alle Bewerbungen jüdischer ausgebildeter Eleven um Stellungen ablehnen. Wohl ist es nicht schwer, die Eleven nach Beendigung der Lehrzeit bej christlichen Landwirten unterzubringen. Dies ist aber nicht wünschenswert, da die Gefahr ein? sehr große ist, daß die jungen Leute während der laugen Zeit bis zur Seßhaftmachung und bei ihrer Isolierung unter NichtjuJen leicht den Zusammenhang mit demjudentum gänzlich einbüßen. Viel besser ist es, wenn an mehreren Stellen Deutschlands in der Nähe jüdischer Gemeinden gut geleitete Güter oder Höfe sich speziell der Aufgabe der Weiterbildung solcher jungen Leute widmen, wobei dann, wenn mehrere derselben gleichzeitig dort Beschädigung finden, auch eine rituelle Verpflegung eingerichtet werden Rann. Es dürfte unseren Logen nicht schwer sein, Güter oder Höfe nahe der Stadt, die sich für solche Zwecke eignen, ausfindig zu machen und die Besitzer durch kleine Subventionen hierfür zu gewinnen, wobei natürlich nicht nur die Beschaffenheit der Wirtschaft, sondern auch die Charaktereigenschaften der Besitzer zu berücksichtigen sind. Sind die jungen Leute auf verschiedenen dieser Güter oder Höfe mit den manigfachen BetriebsFörmen bekannt geworden, so tritt die Frage der Seßhaft-! machung an sie heran; natürlich erst, nachdem sie ihren Militärdienst absolviert, und möglichst sich auch schon verlobt haben. , Die Erfahrungen in den verschiedenen Teilen der Welt haben erwiesen, daß der Jude als ein geselliges Wesen sich weit besser für Dorfsiedelungen eignet, als für Einzelhöfe, und ferner, daß er besser gedeiht, wenn er mit seinen Stammesgenossen zusammen zu Dörfern vereinigt leben kann, als in fremderUmgebung. Es wird sich also darum handeln, besondere j ü - dische Dorfgemeinschaften zu gründen, und das ist nur möglich, wenn größere Güter aufgeteilt und parzelliert werden, etwa in der Art, wie es die Ansiedlungs-Kommission des Ostens sowie verschiedene Siedlungsbanken in ganz Deutschland, meist mit großem Erfolge, zu'machen pflegen. Es hat sich hierbei herausgestellt, daß in Anbetracht der Höhe der seitens staatlicher Institute gewährten Kredite schon etwa 5000 Mk. Eigenbesitz! des Kolonisten zur Seßhaftmachung genügen. Da die meisten der in Betracht kommenden jungen Leute, durch ihre Fairiii ie, Ersparn isse und ev. Mitgift über einige Tausend Mark verfügen werden, so würde ein geringer Zuschuß schon zur völligen Installation ausreichen. In erfreulicher Weise ist die Simonsche Stiftimg gerade jetzt damit beschäftigt, eine größere Ländrläche anzukaufen, auf der die a"üf dem Steinhorster Leh e,rut ausgebildeten jungen Leute nach mehrjähriger Weiterbildung in privaten Stellungen - angesiedelt werden sollen. Da die Zahl der als Kolonisten in Betracht kommenden jungen - Leute für die nächsten Jahre naturgemäß nur eine kleine stin wird, so dürfte dieses Siedlungsgut fürs erste genügen. . » Umsomehr aber sollten unsere Brüdersich an dem schönen Werk beteiligen, durch tatkräftige Unterstützung des Vereins fürBo d e rt k u 11 u r unter den Juden D e u t s c Ii I a n d s es einer größeren Anzahl von junger Leuten zu ermögliche 1, sich der Landwirtschaft zuzuwenden. Denn noch für eine Heilig von Jahren werdern wir nicht darauf rechnen dürfen, daß bemittelte Famiii rn mrc Söhne der Landwirlschaft — es sei denn als. jutsbesflzer — zuführenwerden. Es bedarf demnach immerhin in ihrer Gesamtheit nicht unbeträchtlicher Mittel, einerseits tut Ausbildung und anderseits zur Seßhaftmachung der jungen Leute. Bei der leider nur allzugeringen Unterstützung, die unser Bodenkjulturverein bisher gefunden hat, konnte natürlich die Gewöhnung der deutschen Juden in der Landwirtschaft nur ganz langsame Fortschritte machen. Immerhin sind diese doch eindeutig genug, um jetzt zu kräftigem Vorwärtsschreiten zu ermuntern. Tun unsere Brüder in dieser Beziehung ihre Pflicht, so wird auch Deutschland in einigen' Jahrzehnten, ebenso wie viele anelore Länder1,, eine Reihe blühender jüdischer Dörfer besitzen, auf die wir mit ruhigem Stolz hinweisen könnten. Sollte auch dann noch ein christlicher oder jüdischer Antisemit die Eignung der deutschen Juden für die Landwirtschaft in Frage ziehen? Es wäre mir völlig unverständlich, wenn der Orden B. B., der doch berufen ist — und mehr als irgend ein Verein mit gebundener Tendenz — es nicht in a 11 ererster Linie sein sollte; der in vorderster Reihe 85

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