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Bericht der Großloge für Deutschland · 1913-03-01 · Nr. 3 - März · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1913
Issue
Nr. 3 - März
Date
1913-03-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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eine städtische Bevölkerungsschicht des Zuflusses und der ständigen Auffrischung durch vom Lande hinzuziehende Bestandteile für längere Zeit nicht entraten kann. Aber stutzt sich denn diese Ansicht wirklich aul gewichtige Gründe, auf unbezweifelbare Fakten? Ist denn die Tatsache, daß es in Deutschland nur wenig jüdische Bauern gibt, ein genügender Beweis? Und ist das aus dem jüdischen Charakter entnommene Argument denn wirklich stichhaltig genug, um ein für die jüdische Existenzfrage so vernichtendes Urteil zu fällen? - Es ist noch nicht allzu lange her, da glaubte man auch aus dem tatsächlichen Fehlen bildender Künstler unter den Juden, sowie aus dem jüdischen Charakter schließen zu dürfen, daß sTeTcetn TatenFzur bildenden Kunst besäßen; aber schnell ist diese Legende infolge gänzlich unbestreitbarer das Gegenteil beweisender Tatsachen verschwunden. Und in diesem Falle handelt es sich doch um Gaben, die in der Welt ungleich verteilt sind, während bei der Eignung zur Landwirtschaft keine spezifischen "Eigenschaften vorausgesetzt werden, denn sonst könnten nicht 90° 0 der Bevölkerung, Wie es doch in manchen Ländern der Fall ist, und zwar bei Leuten der verschiedensten Herkunft und Rasse, sich diesem Erwerbszweig widmen. . Daß nicht jedem logisch denkenden Menschen von vornherein klar wird, wie unsinnig die Annahme ist, ein ganzer Volksstamm eigne sich nicht für eine doch relativ wenig voraussetzende Beschäftigung, liegt an den besonderen Verhältnissen einerseits der deutschen Juden, anderseits der deutschen Landwirtschaft. Erstere sind im wesentlichen handeltreibende Städter, und diese gehen, einerlei ob Juden oder Christen-, überhaupt nichtgern - außera'.SGutsbesitzer — zur Landwirtschaft über, wie überhauptja schon Dienstpersonal, das lange in Städten gelebt hat, gewöhnlich nur ungern in die ländliche Heimat zurückkehrt. Daß dies aber nichts mit der Eignung zur Landwirtschaft zu tun hat, ist klar.' Anderseits liegen aber die landwirtschaftlichen Veihäl'tnisse in Deutschland so, daß ein Jude ohne oder mit einem nur kleinen Vermögen nur sehr schwer in der Landwirtschaft eine Stellung findet, zumal dann, wenn er als Neuling auf das Land geht. Es hängt dies nicht allein mit Antisemitismus zusammen, sondern mit der konservativen Scheu der Landbewohner vor allem Fremden und Andersartigen. Wo dies wegfällt, gelingt es dem Juden ohne Schwierigkeit, auf dem Lande festen Fuß zu fassen und sich auch gut einzuleben. Ein Beweis dafür ist das schnelle Anschwellen der jüdischen landwirtschaftlichen Betriebe in den Ve reinigten Staaten, wo die Juden nur zum kleineren Teil in geschlossenen jüdischen Kolonien leben, aber dennoch ihren jüdischen Traditionen treu bleiben, ja auch sogar jüdische landwirtschaftliche Zeitungen in hebräischem Druck lesen, sich auf jüdischen Farmerkongressen versammeln, jüdische Landwirtschaftsschulen und korporative Kreditorganisationen besitzen. Auch die von über 20000Juden bewohnten Kolonien in Argentinien, sowie die von 10000Juden bewohnten Dörfer in Palästina beweisen jedem Unbefangenen die Eignung der Juden zur Landwirtschaft; und desgleichen die seit vielen Jahren bestehenden und trotz aller Beschränkufigen und Unterdrückungen sich stetig weiter entwickelnden, etwa 100000 Juden beherbergenden jüdischen Kolonien in Rußland. Wenn sich aber die osteuropäischen, palästinischen und amerikanischen, wenn sich außerdem die sephardischen und yemenilischefi Juden zur Landwirtschaft eignen, ist dann irgend ein Grund zur Annahme vorhanden, daß gerade der deutsch ejude unter einem so großen Defekt leide? Sollte diedoch schließlich nur auf dem politischen Federstrich der Teilung Polens beruhende Trennung der deutsch-polnischen von den russisch- und österreichisch-polnischen Juden eine so totale Umwandlung des Charakters des deutschen Teiles hervorgebracht haben? Aber es fehlt ja selbst in Deutschland nicht an Beweisen, daß auch hier die Juden in der Landwirtschaft brauchbares leisten. Von den vielen jüdischen Großgrundbesitzern will; ich "flicht reden, obgleich gerade unter ihnen manchfe sind, die geradezu musterhafte Wirtschaften betreiben. Auch unter den kleinen Hofbesitzern gibt es, namentlich in Süddeutschland, noch eine klejne Anzahl Juden, und auch diese erweisen sich als ihren christlichen Kollegen ebenbürtig. Und ebenso stehen die etwa 11 , Dutzend Eleven, welche der Verein für Bodenkultur unter den deutschen Juden ausgebildet hat, durchaus auf der gleichen Höhe des Könnens wie gleichaltrige christliche landwirtschaftliche Eleven, und dasselbe gilt für die jungen Leute, welche, ebenfalls mit Unterstützung des eben genannten Vereins, die Land- und Lehrgutgesellschaft in Steinhorst bei Celle ausbildet. Nicht darum kann es sich also jetzt noch handeln, die Eignung der deutschen Juden zur Landwirtschaft zu erweisen, sondern ihnen die Möglichkeit zu schaffen, sich in der Landwirtschaft dauernd zu betätigen, und

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