Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1913
- Issue
- Nr. 2 - Februar
- Date
- 1913-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
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machten sich den I.-Brüdern der Danmark-Loge besonders deshalb so fühlbar, weil der Versuch einer Toynbeehalle bereits vor einigen Jahren aus der Mitte der jüdischen Gemeindemitglieder heraus unternommen war. Lejder führte er aber zu keinem dauernden Erfolge wegen der Parteiungen, die sich unter dem besuchenden Publikum bildeten, die bald zu sehr unliebsamen Kämpfen und Streitigkeiten, teils politischer, teils religiöser Natur ausarteten und endlich zur Schließung des Unternehmens führten. Wenn nun nach längeren Vorbereitungen und speziellen Verhandlungen mit den in Präge kommenden Faktoren die Loge es wagen konnte, den philantropischen Gedanken, der in . der Gründung solcher Toynbee-. hallen liegt, zu neuem Leben zu erwecken, so würde das, meines Erachtens, am besten beweisen, dali die allgemeine Wohltätigkeit vielleicht imstande ist, rein materielle Humanität auszuüben, da15 aber für die Lösung von großen, speziell erzieherischen und geistigen Aufgaben, wie wir sie zum Wohle unserer zurückgebliebenen Glaubensgenossen ausüben müssen, wollen wir sie stark machen für den Kampf mit dem Leben, nur eine Gemeinschaft von selbstlosen, idealen und opferwilligen Menschen in Frage kommen kann, die abseits jeder staatsrechtlich wie religiös-politischen Tendenz, auf absolut neutralem Boden das Gute nur umdes Guten willen erstreben und fördern — und diese Gemeinschaft finden wir eben am besten und reinsten verkörpert in unserem geliebten Orden, in unseren Logen. Die Feierlichkeit der Eröffnung an sich vollzog sicli in den üblichen Formen. Nach Übernahme des ebensp günstig gelegenen, wie praktisch eingerichteten Lokales durch das Toynbeehallen-Komitee und einem Musikvortrage setzte der Br. Präsident den Anwesenden -die Zwecke, Ziele und Tendenzen der Toynbeehalle auseinander und gab den Hoffnungen und Erwartungen, die die Loge an diese Schöpfung knüpft, in beredten Worten Ausdruck. Von den Brüdern freundlich gebeten, das Wort zu ergreifen, erlaußte ich mir zunächst, der Danmark-Loge herzlichst zu diesem neuen schönen Erfolge im Sinne unserer Ordensidee zu gratulieren und versuchte dann in kurzen Umrissen und iji deutscher Sprache, in der es den russischen Eingewanderten vorläufig noch leichter zu folgen möglich ist, als in der dänischen, ein Bild zu geben von dem, was die Toynbeehalle an sich bedeutet, besonders aber, was sre" zu bedeuten in'der Lage ist, wenn die Besucher ernstlich sich bemühen wollen, sich vertrauensvoll ihr anzupassen. Besondere Zustimmung schien nach dem allgemeinen Eindruck meine Definition auszulösen, daß mit dem, was die Brüder der Danmark-Loge durch die Toynbeehalle bieten wollen, kein Almosen gereicht, keine einfache Erfüllung einer etwa lästig empfundenen Pflicht, geleistet werden soll, sondern daß die treibende Kraft und das leitende Motiv zu ihrer Errichtung die Liebe zu den unterdrückten Glaubensgenossen und.das Bestreben gewesen sei, sie geistig und moralisch, materiell wie menschlich so zu stärken und zu kräftigen, daß es ihnen möglich werden soll, in dem Lande und der Gemeinde, die ihnen gastfreundlich die Tore geöffnet hat, sich zu einer menschenwürdigen Lebensstufe emporzuarbeiten. Von großem Wert für die Erwärmung der Stimmung bei den Besuchern war dann noch eine Rede eines schon vor einigen Jahren eingewanderten russischen Juden, der es inzwischen in seinem Handwerk zu einer recht gesicherten Existenz gebracht hat, und « der im. Jargon des „Jiddisch", dessen Klänge den Besuchern wohl nocH am vertrautesten sind, warmherzige Töne des Dankes für die Danmark-Loge fand und, gerade unter Hinweis auf die bei der verflossenen Toynbeehalle gemachten Fehler und den damit verbundenen schweren Schädigungen, seine Landsleute heizlich und dringend ersuchte, rückhaltslos und dankbar den Segnungen, die ihnen die Toynbeehalle zu gewähren in der Lage, ist, zu vertrauen. Auf Einladung des Toynbeehallen-Komitees wohnte ich dann am nächsten Tage noch der ersten offiziellen Tagung der Toynbeehalle bei, und es war für mich, nach allem was ich bereits von dem ernsten Eifer der w. Danmark-Loge gesehen hatte, nicht weiter verwunderlich, daß das jüngste Kind des Ordens die hervorragenden Eigenschaften, die sich in ihm im Laufe der Jahre entwickelt haben, in besonderem, erweitertem Maße auszubauen bestrebt ist. So geht auch der Ralingen, in dem die Köpenhagener Toynbeehalle aufgebaut wird, und die Aufgaben, die man sich dort zu lösen vorgenommen hat, weit über das hinaus, was man bisher in den von Logen des Ordens gegründeten Toynbeehallen bezweckt. Von dem Bestreben geleitet, die neuen Gemeindemitglieder so schnell als möglich mit den Landessitten und -Gebräuchen zu befreunden, sie ihrer zum Teil auffallenden Sondergewohnheiten zu entkleiden, hat die Danmark-Loge mit der Toynbeehalle eine Anzahl Unterrichtskurse für die Erwachsenen (denn für die Kinder bestehen solche bereits, wie schon früher mit- . geteilt) verknüpft, in denen neben vor allen Dingen der dänischen Sprache, elementare Kenntnisse etc. unter den Eingewanderten verbreitet werden sollen. — 23 —