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Bericht der Großloge für Deutschland · 1913-02-01 · Nr. 2 - Februar · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1913
Issue
Nr. 2 - Februar
Date
1913-02-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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in Kürze angegebenen Richtlinien die Ursachen sind der meisten Klagen, die man im Logen leben — ich betone es besonders — überall zu hören bekommt. Meine lieben Brüder, es liegt mir fern, hier im Kreise lieber Freunde den Sittenrichter abzugeben, aber soweit meine Menschenkenntnis.reicht, habe ich bis jetzt im. Sinne aller gesprochen; ich habe Wahrheiten vorgeführt, die durchaus nicht neu sind, aber dafür die Bezeichnung „Wahrheit" mit Recht für sich in Anspruch nehmen dürfen. Noch möchte ich einiger Fehler gedenken, auf deren Abstellung wir besonders bedacht seih müssen, wenn wir der Bruderliebe bei uns eine schöne Stätte bereiten wollen. Wir sollen die Überhebung meiden. Hier sind wir nichts als Brüder, es gibt keinen Rang und keine Klassen innerhalb unserer Gemeinschaft; unser Rang ist die Ehre, unsere Klasse das liebevolle M enschsein. Die Unterschiede der Bildung, des Standes, der religiösen Anschauungen, sie mögen hier verwischt sein, zumal sie draußen so sehr betont werden, so sehr zur Niederdrückung unseres Gemütes beitragen. Hier sind wir treue Menschen, Angehörige eines gemeinschaftlichen Glaubensbekenntnisses, Männer mit warmem Herzen für das Heil der ganzen Welt. Stolz sollen wir sein auf solchen.Adelstitel, aber die Überhebung gegen andere sei uns fremd. Meiden müssen wir die Vermischung des Persönlichen mitdemSachlichen. Geltend sei für uns die Sache und nicht die Person. Nicht frage man, wer hat die Ansicht ausgesprochen, sondern man gehe auf den Inhalt der Ansicht selber ein und urteile in Gerechtigkeit einzig und allein nach diesem. Ich gebe zu, daß es schwer sein mag, sich aus dem Banne der Neigung und Abneigung gegen bestimmte Persönlichkeiten zu befreien, daß man leicht geneigt ist, der Ansicht des Mannes zuzustimmen, der uns sonst sympathisch ist; wir aber müssen lernen, objektiv zu denken; wir müssen imstande sein, jetzt' einem Bruder in der sachlichen Verhandlung entgegenzutreten und ihm wenige Minuten später, wenn es sich um einen anderen Gegenstand handelt, schrankenlos und rückhaltslos zuzustimmen. Wir müssen den Ehrgeiz meiden, und die Folgen, wenn er vielleicht gekränkt wird. Nicht'jeder eignet sich, die höchsten Spitzen im Ordensleben zu erreichen, nicht jeder hat die Gabe, sich überall in die Gunst der Mitmenschen versetzen zu können; da darf er nicht mit ürollund Zorn sich zurück-, ziehen, sondern der echte Ben Briss müß nach wie vor an seinem Platze wirken und schaffen, sich bemühen, auch im kleinen Wirkungskreise seine Kräfte zu entfalten und darin mit Treue auszuharren. Aber wie ' oft geschieht das Gegenteil. Es dürfte Glicht möglich sein, daß leitende Brüder in dem Augenblick für das Logenleben erkalten, da sie nicht mefir an höchster Stelle stehen; wie oft erscheinen Brüder erst dann im Bruderkreise, wenn ihnen eine besondere Aufgabe zugedacht ist, oder sie selber eine Anregung auf dem Herzen haben. Aber wie wir auf der einen Seite meiden müssen zu grollen, so sollen wir es verhüten, Groll zu erregen' durch Unge.rechjigke.it und Mangel an 1 i e b e v o I I e m Entgegenkommen. Das gesellschaftliche Schneiden eines Bruders innerhalb und außerhalb der Loge müßte zu den Unmöglichkeiten gehören; lieber möge das Friedensgericht öfter tagen, als daß Bruder am Bruder thi Groll vorübergehe. Wenn Sheit und augenblicklicher Ärger im Logenleben nicht zu vermeiden ist, so kommt dies daher, weil wir in näherer Berührung miteinander manchmal in menschlicher Weise die Grenzen verkennen, die uns immerhin voneinander scheiden müssen. Auch in der Ehe, in der innigsten Gemeinschaft, die unter Menschen vorhanden ist, ltommen Gegensätze und Kämpfe vor; hört sie darum auf, die innigste Gemeinschaft zu sein? Für uns sei das Ziel — durch Kampf zur Einigkeit, nicht aber durch Schwaigen zurTr'ennung. Besser ein Augenblick des Kampfes mit darauf folgender Freundschaft, als die Ruhe des Friedhofes und die Tötung jeglicher Gemeinschaft für alle Zeit. Nicht gelte für uns der Grundsatz, der jetzt für das Nebeneinanderleben der Konfessionen im Staate in Frage kommt: friedlich schiedlich, sondern der Grundsatz! friedlich im Zusamenhange bfeibend. - Es ist weiterhin notwendig,, uns von d e r a 11 z ugroßen Wertschätzung des irdischen Besitzes fernzuhalten. Wir brauchen' nicht die Bedeutung des Besitzes zu unterschätzen, da er für die Erreichung unserer sozialen Ziele unentbehrlich ist, aber die Hauptsache für die Beurteilung eines Bruders muß dessen i n n e r e r $ i 111 i c h ex Werf sein und bleiben. Hier, in unserem Bunde, soll alles äußere Beiwerk schwinden; im Logenleben gibt es nur einen Bruder und jede Titelbezeichnun^j ist in unserer Arbeitssitzung verpönt. Wünschenswert wäre es sogar, wenn auch wenigstens in den Klubräumen der treue Brudergruß zu hören wäre. Gibt es doch sonst im Leben so viele Gegensätze und Scheidungen, daß sie wenigstens für die kurzen Stunden, da wir in unseren Logenräumen uns befinden, beseitigt werden könnten. Für diese Zeit wenigstens sei das erträumte Ziel der Einigkeit in die Wirklichkeit ubertragen.

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