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Bericht der Großloge für Deutschland · 1913-02-01 · Nr. 2 - Februar · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1913
Issue
Nr. 2 - Februar
Date
1913-02-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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tut uns not, so erklang der allgemeine Ruf bei der Großlogensitzung des Jahres 1908. Möge der Erörterung der Frage, was eigentlich innere Mission ist, der heutige Festvortrag gewidmet sein, der fern sein will von jedem Vorwurf, erfüllt von Treue und Anhänglichkeit an unseren Orden und an unsere lieben Brüder. Zum inneren Ausbau unseres Ordenslebens gehört vor allem die Arbeit an uns selber, die Veredelung unseres eigenen Charakters. Um diese zu erreichen, erstreben wir die ä u 15 e r e und innereAnnäher u n g an einander. Die äußere Annäherung geschehe durch den häufigen und regelmäßigen Besuch der Arbeitssitzungen und der Klubräume. Es wäre ein bedauernswertes Zeichen des Niederganges, wenn wir die Gelegenheit zur äußeren Annäherung nur in seltenen Augenblicken ersehnten, wenn wir von der segensvollen Arbeit des Ordenslebens uns fernhielten und an den wenigen Abenden, da wir gesellig mit einander verkehren wollen, nur in. geringer Anzahl erscheinen möchten. Nicht Annäherung, sondern Entfremdung, nicht Wärme, sondern kühle Ablehnung^ nicht Liebe, sondern das Gegenteü wären und sind die Folgen solcher Unterlassungen.. Innere Annäherung nenne ich das Eingehen auf unser gegenseitiges Innenleben. Wir müssen uns deshalb bemühen, Verständnis für unsere gegenseitigen Vorzüge zu erlangen, sie in Gerechtigkeit hervorzuheben und jedem die Ehre zuzuteilen, die ihm gebührt. .Wir sollen aber auch Verständnis zeigen für unsere gegenseitigen Fehler und sie, soweit sie nicht den Charakter des anderen in ein schlechtes Licht stellen, soweit sie nur besondere Eigentümlichkeiten des Bruders sind, die aus seinem Werdegang sich erklären, mit Liebe und Freundlichkeit übersehen und mit ihnen rechnen. Nicht immer lassen sich im Lebet! die scharfen Konsequenzen ziehen und keiner von uns kann sich von Fehlern und Eigentümlichkeiten freisprechen. Neben dieser Ar-näherung voll Verständnis ist es die T e i 1 - .nähme, die wir dem Bruder gewähren sollen in Freud und in Leid. Nicht nur die formelle, die in Glückwünschen und Beileidsbezeugungen sich erschöpft, sondern die innere Anteilnahme an dem Streben, an dem Kummer des Bruders,' das liebevolle Eingehen auf die inneren Beweggründe seines Handelns. Weiter ist erforderlich die Freundlichkeit, nicht nur die unserer Mienen und unserer Worte, sondern auch unserer Werke. Sie gibt dem anderen den Mut, sich an uns zu wenden, sich mit uns auszusprechen; sie zeigt ihm, daß Brüder, bei allem Auseinanderstreben im Leben des Berufes, doch für einander einen Teil ihres reichen, unerschöpflichen, liebevollen Herzens übrig haben. Die Freundlichkeit vermag trauernde und niedergeschlagene Angesichter wieder aufzuhellen, kummervolle Herzen von ihrer schweren Last zu befreien, Glück zu bringen in das ah wahrem Glück sonst so arme Menschenleben. Ja wir können durch Freundlichkeit unsere Brüder-beglücken. Und auch dort wo der Bruder einen wirklichen Fehler begangen hat wo er das berechtigte Mißfallen der anderen erregte, wo Freundlichkeit nicht am Platze wäre und als Falschheit ausgelegt werden könnte, auch dort meide man das scharfe Wort, sondern eine I i e b e v ö 11 e Ermahnung, offen ' ihm ins Gesicht gesagt, natürlich, ohne ihn vor anderen zu beschämen — denn das wäre gegen Menschlichkeit und religiöses Sittengesetz wird das ihrige tun, um auch dem irrenden Bruder die Überzeugung zu geben, daß er unter Brüdern lebt, die es für ein Unrecht halten, dem Bruder Leid oder Aerger zuzufügen, die ihm selbst in den Worten des Tadels Liebe erweisen. Aber auch hier können große Fehler begangen werden; denn die Belehrung erfolge nicht von oben herab, dozierend und anspruchsvoll, sondern bescheiden und freundlich, die echte Liebe und die treue Gesinnung nicht verkennen, lassend, die uns auch in diesem Augenblicke für den anderen erfüllt. Ein liebevolles Wort, und sei. es noch so unangenehm für den Bruder, wird ihn doch nicht verletzen. Wir sollen einander begegnen mit Vertrauen. Jeder von uns hat bei seinem Eintritt irr den Bruderbund seinen ehrenhaften Charakter verbürgt, und so lange wir keine Beweise haben, daß er auf Täuschung beruht, oder sich zum Nachteil gewendet hat, muß die Ehre des anderen jedem Bruder unverletzlich bleiben, wie schon die Sprüche der Väter sageff^.Es sei dir die Ehre deines Genossen ebenso lieb, wjle die deinige." Niemals dürfen wir einem Bruder andere Beweggründe als die ausgesprochenen unterschieben. Alle diese Eigenschaften, die Annäherung, das Verständnis, die Teilnahme, die Freundlichkeit, die liebevolle Belehrung und das Vertrauen, sie sind die festen Bänder, mit denen Bruder an Bruder gekettet sein sollte, dann wäre der innere Ausbau, die wohnliche Einrichtung unserer Loge vollendet, dann wäre das Ideal erreicht. Nun wissen wir aber, daß leider noch niemals ein Ideal zur Wirklichkeit gelangte, daß unsere eigene UnVollkommenheit uns hindert, das auszuüben, was wir tausend Male in der Theorie als richtig erkannt haben. Wir wissen es, daß die Nichtbeachtung dieser

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