Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1913
- Issue
- Nr. 2 - Februar
- Date
- 1913-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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So gilt auch diese Feierstunde dem Orden und unserer Loge. So feiern wir auch heute nicht den 70. Geburtstag — den Tag an der Schwelle des Alters und stiller Resignation -- nein! uns ist der heutige Tag ein Festtag der Freude und des Glückes, daß Ihr Leben und Ihr Streben uns und unserer Arbeit geweiht war, — ein Tag heller Begeisterung, Sie, lieber Bruder, unter uns zu sehen in voller Frische des Geistes und des Körpers, den Kämpfer für W.B. u.E." * ♦ ' . Hierauf hielt Br. Vizegroßpräs. Kuznit/ky folgende Ansprache: Hochwürdiger Exgroßpräsident, Lieber Freund und Bruder! Namens der Großlöge und im Auftrage aller deutschen Logen habe ich die Ehre, Ihnen die herzlichsten Glückwünsche zur Vollendung des 70. Lebensjahres zu überbringen. Der deutsche Distrikt hat mit Ihnen den bedeutsamen Geburtstag am 6. Januar ganz im Stillen gefeiert, da es so Ihr Wille war — erfüllt von hoher Freude, daß Sie frei von allen Beschwerden der Jahre als rüstiger Mann und in voller Schaffenskraft das biblische Alter erreicht haben. Nur wenigen Auserwählten wird ein solches Glück zuteil — nur den Meistern jener Lebenskunst,die, alle flüchtigen Genüsse verschmähend, den tieferen Inhalt des Lebens auszuschöpfen sucht, jener Kunst, die in stillen Nächten den Menschengeist emporträgt in die heiteren Regionen, Wo die reinen Formen wohnen, Und des Jammers trüber<Strom nicht rauscht. Diese seltene Kunst haben Sie, lieber Freund, Jahrzehnte hindurch geübt, und so ward Ihnen, wie Sie selbst im Nachwort Ihresjubiläumswerkes bekennen, die Arbeit zur Lust und die Mühe zur Freude. Und noch ein zweites. Moment kennzeichnet die Eigenart Ihrer Persönlichkeit. Wozu Qoethe die Menschen ermahnt: „Sie sollen ihre selbstsüchtige oder persönlich beschränkte Existenz aufgeben, um dann erst wahrhaft in erhöhter Weise zu existferen" 1 diese schwere Selbstüberwindung quillt in reicher FiHIe aus dem Grunde Ihres Wesens hervor. Jene sittliche Forderung, die gewissermaßen alle ethischen Satzungen in ~ich vtreinigt, haben Sie zum Lebensprinzip erhoben und mit eiserner Energie durchgeführt. Indem Sie so in mannhafter Festigkeit allen Lockungen des Daseins widerstanden undjeden egoistischenTrieb niederkämpften, haben Sie nicht allein Ihr Selbst zur höchsten Würde der Menschheit erhoben, sondern zugleich unserer ganzen Glaubensgemeinschaft und insbesondere unserem Bruderbund das Vorbild des echtjüdischen Sittlichkeilsideals gegeben. In d&n Spiegel, aus dem Ihre innerste Reinheit und seelische Schönheit uns entgt genslrahlt, schauen wir immer wiedermit tiefer Herzensfreudehinen, und je mehr wir uns darein versenken, desto höber steigt die Sehnsucht, unserm geliebten Führer und JV^eister es gleich zu tun. So stiftet das edle Beispiel Ihrer .Lebensführung reichen Segen für unsere ganze Gemeinschaft: Wenn ich auch nur mit wenigen Strichen l\ir Charakterbild zeichnen darf und nichts weiter 2äj Ihrem Lobe hinzufügen will, so mag es mir docl vergönnt sein, noch den tiefempfundenen Dank au-'l zusprechen für alles, was wir Ihnen schulden. Und so danke ich Dir vor allem, teurer Brudfrl daß Du uns gelehrt hast, unbeirrt von allen bitteren! Erfahrungen niemals den Glauben an die Menschheit.] an den endlichen Sieg des Guten über die Mr.c'r der Finsjernis, über niedere Leidenschaften und dunkle Triebe zu verlieren. Hab' Dank, mein Freund, daß Du uns durch Erziehung zu sozialem Empfinden und Handeln auf die Höhen der Menschheit geführt und aus der Welt des Materialismus in dfe reinen Sphären des Ideals emporgehoben hast. ' Hab' Dank, mein Bruder, daß Du uns durch Dem Beispiel gezeigt hast, wie mit der Arbeit im Orden die Begeisterung für seine Ziele wächst, das Gemüt sich vertieft und der Lebensinhalt erhöht wird. Und endlich nimm unseren innigsten Dank dafür, daß Du durch die herzliche Freundschaft und Treue, die Du einem jeden von uns entgegenbringst, Lehrmeister der wahren Bruderliebe geworden bist, die keinen Unterschied machen darf zwischen Mensch und Mensch, zwischen Bruder und Bruder. In bloßen Worten soll sich aber unser Dank nicht erschöpfen. Die deutschen Logen wollten die Erinnerung an Ihre segensreiche Wirksamkeit im Gedächtnis kommender Geschlechter lebendig erhalten und haben daher zu"' Ihren Ehren eine Stiftung begründet die ich Ihnen mit einer Widmung überweise. Mögen Sie, lieber Bruder, die Gabe so freundlich annehmen, wie sie gespendet ist, und möge die Stiftung reiche Früchte tragen zum Besten der Allgemeinheit! Br. Kuznitzky verlas alsdann eine Urkunde über eine von den Logen gemachte Stiftung im- Betrage von 14400 M., worauf Br. Kirschstein eine solche der Deutschen Reichsloge über 9000 M. überreichte. In einer tiefempfundenen Dankrede nahm Br. Maretzki die Stiftungen an, bat aber davon Abstand zu nehmen, daß sie seinen Namen trügen. Der Jubilar erzählte dann in fesselnder Weise interessante Erinnerungen aus seinem Leben seit seiner frühesten Jugendzeit und schloß seine Ausführungen mit der