Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1913
- Issue
- Nr. 1 - Januar
- Date
- 1913-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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begrüße Sie alle, die Sie hierher geeilt sind, um teilzunehmen an dem 10jährigen Stiftungsfeste unserer lieben Ostpreußischen Loge. Ein Dezennium ist ein langer Zeitraum, in dem man viele Erfahrungen sammeln kann, freudige und weniger erfreuliche. Es dürfte sich verlohnen, einen Rückblick über das Entstehen und Werden unserer Loge zu geb^n. Es waren zunächst einige Osteroder Herren, die sich die Aufgabe stellten, hier in Ostpreußen eine neue Pflanzstätte des Ordens B. B. zu gründen. Da ihre Zahl nur beschränkt sein konnte, mußten sie von vornherein auf die Mitwirkung in den Nachbargemeinden bedacht sein. Ihre Begeisterung fand bald Unterstützung in Alienstein. Es traten etwa 6—,8 Herren aus Osterode und etwa ebensoviele aus Alienstein zunächst derOabriel Riesser-LogezuThorn bei. Ihre Zahl wurde bald auf 10 Brüder in Osterode, 8 in Alienstein und 1 aus Guttstadt vermehrt. Dazu kameiynoch 15 Herren hinzu, sodaß für 34 Petenten der Freibrief erbeten und von der hochwürdigeh Großloge bewilligt wurde, worauf am 30. November 1902 die feierliche Installation der Ostpr. Loge unter Mitwirkung sehr zahlreicher auswärtiger Logenmitglieder stattfandv Obwohl schon damals die Zahl der Petenten aus Alienstein 14 gegen 11 Osteroder überwog, hatte die konstituierende Versammlung, welche in Allenstein stattland, in Anerkennung der Verdienste der Osteroder Herren um di« Gründung beschlossen, die neue Loge in Osterode installieren zu lassen. Nach 5 Jahren aber sollte durch Abstimmung festgesetzt werden, ob die Loge dort zu belassen oder nach Alienstein überzuführen sei. Die Führung der Loge übernahm als Präsident Br. Siegfried Jacobsohn, der sie auch 5 Jahre bis zur Überführung nach Alienstein behalten hat. Da die Zahl der Brüder in Osterode durch Wegzug geringer wurde, in Alienstein durch Neueintritt aber zunahm, wurde am 17. Oktober 1906 beschlossen, die Loge zum 1. Oktober 1907 nach Allenstem zu verlegen. Am 20. Oktober 1907 fand dann die 60. Sitzung der Ostpr. Loge zum ersten Male in unserem jetzigen Logen- 'heim unter Leitung des derzeitigen Präsidenten Br. Kamnitzer statt. Es folgten dann als Präsident: Br. Rechtsanwalt Cohn für zwei Jahre und Br. Aron Jacobus für ein Jahr. Was nun die Tätigkeit der Loge anbetrifft, so hat sie sich redlich bemüht, die idealen Bestrebungen des r Ordens, Wohltätigkeit, Bruderliebe und Eintracht zu pflegen; sie hat schwere Jahre durchgemacht, bis sie an Zahl gewachsen, heute in der Ostpr. judenheit die Ehrenstellung einnehmen konnte, die ihr ausnahmslos -zuerkannt wird. Obwohl der Loge nicht große Mittel zur Verfügung stehen, hilft sie überall denen, die sich an sie wenden. Kleine Gemeinden, jüdische. Beamte wissen sie anzugehen, wenn sie unterstützungsbedürftig sind, und niemand hat je vergebens an unsere Türe geklopft. Wie es sich von selbst versteht, haben wir nur im „Allgemeinen" zu den großen Aufgaben unseres Ordens beigetragen, ich erinnere nur an die Pogrome in Rußland, an das Elend in Marokko, jetzt in der Türkei usw. - Wir sind zu weit vom Zentrum entfernt, um dauernd tätigen Anteil an diesen großen Arbeiten zu nehmen. Eins aber haben wir ganz besonders in den letzten Jahren gepflegt, das gute-Einvernehmen im Innern unter den Brüdern, und ich glaube, es ist gelungen, ein durchaus zufriedenstellendes Resultat zu erlangen. Ich bin der Überzeugung, daß jeder Bruder der Ostpr, Loge jetzt in vollem Vertrauen die wirkungsvollen W. B. E.. unterzeichnet» Können wir auch nach dem Gehörten nicht prunken mit großen Taten, so haben wir uns doch dadurch ein Verdienst erworben, daß wir den Logengedanken nach dem Osten verpflanzt und für seine Verbreitung gewirkt haben. Uns kann das Verdienst nicht genommen werden, daß wir die Libanon-Loge in lnsterburg gegründet und zur Gründung der Kant- Loge in Königsberg unser redlich Teil beigetragen haben. Hoffen wir, daß die Saat, die wir ausgestreut, auch weiterhin im Osten gute Früchte tragen wird. Wir sind jetzt zu der stattlichen Zahl von 64 Brüdern angewachsen; hoffen wir, daß wir weiter zunehmen, und daß die innere Einigkeit und das treue Zusammenhalten uns soweit erstarken läßt, daß wir die idealen Aufgaben unseres hohen Ordens freudig erfüllen und ihnen in allen Lebenslagen nachlebenkönnen. Der Name Ben Briß soll inuOst mit Ehrfurcht genannt werden. ' . * - Damit schließe ich die heutige Betrachtung. Glückauf zum nächsten Dezennium unter unserer treuen Devise: Wohltätigkeit, Bruderliebe und Eintracht! Literarisches.. .. > Jud Süß. Ein Schauspiel .von -Fritz Runge." Frank»- ' furt a. M. iKauffmann) 1912. Preis' M. 2 - Der Verfasser' wählt zum Helden seines Dramas den wiirttembergischen Finanzagenten Joseph Süß Oppen-, heimer, der ldie undankbare Aufgabe, 'seinem Herrn das 1 Geld zu einem höchst verschwenderischen Hofhält zu liefern, nur zu gut zu .lösen -wußte und bald nach dessen I Tode. 1738. der Erbitterung der von ihm bedrückten Vjlkskreise zum Opfer fiel. Im Gegensatz zu Hauff sucht Runge seinen Heldeti etwas zu heben, ohne die Schattenseiten des Charakters .zu unterdrücken; er sieht in ihm *~*ti&^ fo-^M^j) V ''''.--»»■»*■'• >»