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Bericht der Großloge für Deutschland · 1913-01-01 · Nr. 1 - Januar · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1913
Issue
Nr. 1 - Januar
Date
1913-01-01
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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der Borussia-Loge am 20..Oktober 1912 erstattet vom Vorsitzenden des Aktions-Komitees, Br. Rabbiner D r. ' K a e 11 e r - Danzig.) Am 31. März 1912 hatte de^jNordostdeutsche Logenverband auf seiner ersten ordentlichen Delegiertentagung in Danzig mit allen Stimmen gegen eine Stimmenthaltung beschlossen, in einem der Badeorte von Danzigs Umgebung ein Kinder - Erholungsheim zu gründen. Der Verband hatte damit einen Oedanken, der vom Kinderhort der Borussia-Loge im Kreise der Danziger Brüder schon mehrfach zur Erörterung gebracht, wegen finanzieller Bedenken aber immer wieder zurückgestellt worden war, in glücklichster Stunde aufgenommen. Wenn es eines Zeugnisses dafür bedarf, welch hohen Wert der Zusammenschluß einzelner Kräfte und demgemäß auch einzelner Logen hat, so ist die Geschichte dieser Gründung ein klassisches Zeugnis: was die eine Loge aus einer begreiflichen Scheu vor der materiellen Verantwortlichkeit nicht unternehmen wollte, das wurde zur Tat, als der Verband die Kosten des ersten Jahres sicherstellte, das wurde zur Tat, als die Männer, die die Verwirklichung dieser Gründung übernehmen wollten, am Verbände moralische Rückendeckung fanden. Die Ausführung des Beschlusses des Nordostdeutschen Logenverbandes war sinngemäß der Borussia- Loge übertragen worden. Diese wählte sogleich ein Aktions-Komitee, welches aus den Schwestern Helene Beck, Sophie Bernstein, Sidi Maschler, Henriette Schönfeld, Grete Vogel und den Brüdern A. Bukofzer, A. Cohn, H. Hirschberg, Felix Jacobsohn, Dr. Jelski, Dr. Kaelter, Dr. Lewy, Dr. Solmsen und J. Wolff bestand; außer diesen Danziger Brüdern wurden aus den einzelnen Verbandslogen kooptiert: BBr. Geh. Medizinalrat Dr. Freyer-Stettin, Stadtrat Professor Dr. Lassar-Cohn-Königsberg, Professor Levy - Allenstein, GeorgLewinson-Landsberg, Justizrat Meyer-Stargardt- Pomm., Dr. Rosenkranz-Insterburg. Der Vorsitz des ' * i / Aktions-Komitees wurde Br. Dr. Kaelter-Danzig übertragen. Mit herzerfreuendem Eifer, mit wahrer Lust und Liebe gingen alle Kräfte ans Werk und binnen einem Monat waren die Vorarbeiten durch Aufstellung eines genauen Etats, eines umfassenden Verwaltungsplanes und durch Unterhandlungen mit den Zoppoter Behörden soweit . gefördert, daß schon anfatfgs Mai jedem Bruder der Verbandslogen ein entsprechender Aufruf zugesandt werden konnte. Wir waren uns von vornherein darüber klar, daß ein Inslebentreten des Kinderheims schon in diesem Jahre bei der Kürze der zur Agitation bleibenden Zeit mit besonderen Schwierigkeiten verknüpft sein mußte und daß es keineswegs möglich sein würde, die Anstalt in vollem Umfang in Betrieb zu setzen. Wir waren uns aber auch darüber völlig klar, daß der Versuch zurGründung, selbst auf ein gefährliches Risiko hin, sofort gemacht werden mußte, damit im kommenden Jahre der normale ruhige Ausbau der Institution nicht mehr auf Grund von Erörterungen, sondern auf dem Grunde von wirklichen, den Verhältnissen entnommenen- Erfahrungen erfolgen könne. Schließlich sollte f ine sofortigeGründung auch denjenigen Brüdern, welche sich für ein Kinderheim im Sinne des Verbandsvorschlages nicht recht erwärmen konnten, durch eine „demonstratio ad oculos", durch eine lebendige Vorführung Gelegenheit geben, ihren Standpunkt zu revidieren. Die gewisse Kühlheit, mit der diese Brüder, dem geplanten Kinderheim gegenüberstanden, resultierte aus folgenden Erwägungen: dfr Verbandstag hatte beschlossen, daß das Heim insbesondere für Kinder von Brüdern dienen und daß die Aufnahme in der Regel gegen Ent g« J t erfolgen solle. Diese Punkte erregten Widerspruch. Man bezweifelte auf der einen Seite, daß für Kinder von. Brüdern -das Bedürfnis einer solchen Gründung vorliege, und betonte anderseits, daß der Charakter der Logen als sozialer Wohlfahrtsorgane die Einrichtung eines „Pensionats" verbiete. Diesen Meinungen gegenüber galt es zu zeigen, was der Logenverbahd gewollt, und, dass er mit seiner Absicht einem tatsächlichen Bedürfnis^? entgegengekommen war. Wir waren nämlich an die Gründung unter folgenden Gesichtspunkten herangetreten. Für die notorisch armen, erholungsbedürftigen Kindern wird bei uns in Deutschland verhältnismäßig ganz gut gesorgt; interkonfessionelle Veranstaltungen oder auch jüdische Kurhospitäler oder ähnliche Institute, für weiche ja diesen Kindern Freifahrt erwirkt werden kann, stehen für sie zur Verfügung. Wohl sollte diese Kategorie in unserem Kinder-Erholungsheim keineswegs ganz ausgeschaltet, sondern in der Vor- oder Nachsaison hauptsächlich -berücksichtigt werden, — vor allem aber wollten wir für diejenige Klasse unserer jüdischen Bevölkerung'sorgen, die es in jeder Beziehung am schwersten hat: für den achtbaren Mittelstand, für jene Kreise, die; haft arbeiten, um ihrer Familie einen gehobenen Lebensstand, ihren Kindern bessere Bildung zu geben, die'es jedoch nicht ermöglichen können, bei Erholungsbedürftigkeit ihrer Kinder den Badeaufenthalt zweier Personen, des Kindes und eines erwachsenen Begleiters,, zu bestreiten. Daß ein gut Teil unserer Logenbrüder in solchen Ver-

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