Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1913
- Issue
- Nr. 1 - Januar
- Date
- 1913-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/4864325-6029030-6074209--1436-4865566- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
stellen gemeldet und können fortan die jüdische Wohltätigkeit nicht mehr brandschatzen. Ferner werden die Rückwanderer auf dem kürzesten Wege ihrem Ziele zugeführt, was für die guten Elemente eine unschätzbare Wohltat ist, und ebenso die ungeeigneten der Heimat schnellstens zugesendet. Den Grenzbüros bleibt es überlassen, die Rückkehr in unser Land zu erschweren. Wenn alle Organisationsglieder richtig funktionieren,, werden wir es mit der Zeit nur mit den würdigen 'Armen zu tun haben, und die vorhandenen Mittel werden zu wirklicher Hilfe ausreichen. Die gegenseitige Kritik der Abtertigungsstellen ist dabei eine Cautel gegen Härten, und das kann ich versichere, daß die praktische Handhabung sich schon durch die Individualität der Mitarbeiter von der Gefahr der Schablone fern hält. Aber der rasche Erfolg birgt eine neue GefahV, nämlich die übergroßen Erwartungen, die man an eine Institution stellt, die doch erst zwei Jahre alt ist. Man möchte gleich das Letzte, Grölite von ihr verlangen, und irre ich niciit, so geht es meinen Lesern auch so: ich höre.sie fragen: wie steht es mit der Arbtitsbeschättigung, welche Einrichtungen sind hierfür geschaffen? Darauf möchte ich kurz antworten: Wir verfügen erstens über die Arbeiterkolonie in Weiliensee, über die jüdische Arbeitsstätte in Cöln; verschiedene Kassen, wie Hannover, Leipzig, Bremen ' stehen mit den örtlichen, nichtjüdischen Arbeiter- -kr>lonien in Verbindung: selbstverständlich sind Abmachungen getroffen, daß die Kolonisten gegen Verletzung, der religiösen Pflichten geschützt sind. Ferner ist uns der Verband der jüdischen Arbeitsnachweise der Großlogen LL O. B. B. angegliedert, und ef wird uns besonders gute Hilfe leisten, wenn die Schützlinge erst in den Arbeiterkolonien die Fähigkeit für Arbeitsheschäftigunj; erjangt haben werden. Ich weiß nun wohl, daß die vorhandenen Hilfsmittel, unter denen noch die „Peahs" zu nennen sind, niclrt zureichen,, und daß die geplante Gründung neuer Arbeiterkolonien noch nicht so schnell, wie wir es alle wünschen, realisiert ist. Dazu gehören eben große Mittel, und die lieben Brüder können uns dazu helfen. Sie ^brauchen nicht erschrecken, ich komme nicht als Wanderbettler, um Geldtr zu sammeln. Ich wünsche nur moralische Unterstützung, die darin besteht, daß Sie den Intentionen der Deutschen Zentralstelle entsprechen, das soll sagen: ein jeder schließe sich der Ortskasse an bezw. arbeite auf deren Begründung hin und übertrage ihr die Mittel, die er durch die Entsagung der persönlichen Unterstützung — 10 erspart. Die süddeutschen Brüder in den noch nicht organisierten Teilen Bayerns, Württembergs, Badens und Elsaß-Lothringens mögen ferner ihren gewiß nicht geringen Einfluß auf die Gemeindeverwaltung und Ortskassen dazu verwenden, daß eine Organisation ausgebaut wird: denn „das ganze Deutschland soll es sein". Durch die Begründung von Orts- und Provinzialkassen könnten sich die einzelnen Logen ein großes, Verdienst um eine bedeutende jüdische Angelegenheit erwerben. Der Gegenstand scheint mir zur Besprechung in einer Sitzung sehr geeignet. Gern bin ich "bereit, die Refererten mit Material und Informationen zu versehen. Wenn wir erst eine nahezu lückenlose Organisation haben werden, wird es uns ein Leichtes sein, mit der schon in Bildung begriffenen österreichischen Zentralstelle, mit der Schweiz, von wo verschiedene Brüder sich wiederholt an mich gewandt haben, zusammenzuarbeiten, wie es schon mit Belgien und Holland geschieht. Denn erst, wenn unsere ausgebaute Organisation kraftvoll und stark sein wird, wird das letzt': Große geleistet werden können: Die Versorgung der Armen. Gemäß dem internationalen Charakter des jüdischen Wanderarmenwesens wird dann die Tätigkeit der Deutschen Zentralstelle nach zwei Seiten sich erweitern: einmal Hilfeleistung in der Heimat der Armen (wenigstens wird das von Österreich gelten), zweitens Berücksichtigung des Arbeitsmarktes in den westeuropäischen Zentralen durch die Kooperation mit den dortigen Institutionen, die erst lernen müssen, unsere Bedeutung zu erkennen. Wenn wir schon jetzt daran, sind, die negative Seite der Aufgabe besser zu erledigen als bisher, indem wir den arbeitsscheuen Gewohnheitsbettlern ihr Handwerk (lucus a non lucendo) erschweren, so werden dann auch die nutzlosen Reisen der unserer Teilnahme Würdigen eingeschränkt werden. Einmal dadurch, daß ein Teil der Reisen überflüssig wird, weil für Beschäftigung in der Heimat gesorgt ist, anderseits indem kostspielige und nutzlose Reisen Unerfahrener ins Ausland mit den schweren Enttäuschungen vermieden werden. Manches ist erreicht; Größeres gilt es zu erlangen. Helfet uns, Brüder, eine Plage in Wohltat zu verwandeln! Wohlfahrtseinrichtungen der Logen. Bericht über das Kinder-Erholungsheim des Nordostdeutschen Logenverbandes in Zoppot. (In der bei Einweihung des neuen Lokales abgehaltenen Festloge V