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Bericht der Großloge für Deutschland · 1913-01-01 · Nr. 1 - Januar · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1913
Issue
Nr. 1 - Januar
Date
1913-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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wachsend die Empfindung, die er im Herzen seiner Hörer erweckte. Diese Auffassung führte notwendig zu energischer Konzentrierung nach Innen und damit zu fast zaghaftem Abschluß nicht nur gegen die christliche, auch gegen die jüdische Außenwelt. Die Logen beschränkten sich darauf, 'ihre Mitglieder im Geiste des Judentums und des Ordens für die Aufgaben vorzubereiten und auszubilden, die im staatlichen, stadtischen und Gemeindeleben an den aufrechten, gewissenhaften, arbeitsfreudigen Juden herantreten. Sie befähigten dadurch ihre Brüder, leitende Stellungen in Verwaltungen und Vereinen einzunehmen und die sozialen und ethischen Bestrebungen des Ordens in die Praxis umzusetzen. Die Logen selbst traten nicht hervor, betätigten sich nicht korporativ; ebenso wenig der Orden. Fünfzehn neue Logen wurden unter der Präsidentschaft Maretzkis gegründet; in den acht folgenden Jahren öffneten allein 32 Logen ihre Pforten. Diese Tatsache beweist schon, daß für den kräftig erstarkten Orden die Aenderung der Taktik ein Lebensbedürfnis geworden war; die in zielbewußter Arbeit aufgespeicherte Energie verlangte gebieterisch nach größerem Wirkungskreis; berechtigt in seinem Stolze und bewußt seiner Bedeutung, so konnte der Orden jetzt in eine neue Epoche eintreten. Mit vornehmer Geste ubergab in diesem Schicksaisangenblick Br. Maretzki die Leitung der Großloge seinem Nachfolger. In ihm lebte kein Wille zur Macht; der Sache des Ordens hatte er sich geweiht, dieser Sache zur Liebe neben seinem schweren Berufe die große Last der Präsidentenwürde auf sich genommen und getragen; da nun die Sache es verlangt,, tritt er zurück in die Reihen der Brüder, sich gleich bleibend in dem glühenden Eifer für unsern Orden, jede Aufgabe übernehmend und erfüllend, die ihm im Interesse des Ganzen zugewiesen wird. Und so sehen wir dann, ein bewunderswertes Schauspiel, die Repräsentanten der alten und der neuen Zeit gemeinschaftlich und brüderlich zusammenwirken, wie der eine, getragen von der jubelnden Zustimmung aller Brüder, den Orden einer glänzenden und erfolgreichen Entwicklung entgegenführt, während der andere sich mit Stolz bewußt ist, daß die ihm gehörenden lü Jahre es waren, die das Fundament zur späteren Größe gelegt haben; beide aber den Logenbrüdern gleich lieb, gleich unentbehrlich, beispielgebend und Dank und Veehrung erntend. Es ist wunderbar, wie sich nun die Arbeit des Br. Maretzki für den Orden noch steigert. Fast scheint es so, als ob er nach Ablegung der Verwaltungsgeschäfte und frei geworden von der Bürde lastender Verantwortlichkeit tief Atem schöpft, utrl mit verdoppelter Schaffensfreude jedes sich im Ordensleben darbietende Problem" anzugreifen, es zu durchdringen. Wege zu seiner Lösung vorzuschlagen und auf ihnen Führer zu sein. Wer kann sich die Bekämpfung, des Mädchenhandels ohne Maretzki denken? Was würde nach dem Hinscheiden Adolf Mayers aus der Krankenpflegerinnensache geworden sein, wenn Maretzki sich ihrer nicht angenommen hätte? Das galizische Hilfswerk -benötigt und erhält schon im Jahre 1898 seine Mitarbeit und ließ ihn seit dieser Zeit nicht mehr frei. Jede neu auftauchende soziale Frage veranlaßt den Br. Maretzki unter den ersten, sich ihr zu widmen, sie zu studieren, aus seiner Erfahrung heraus Winke uncj Ratschläge zu erteilen; So war es noch in jüngster Zeit/ bei dem Arbeitsamt für jüdische Akademiker. / Vor alle« Dingen ist er unermüdlich, wenn es sich um eine eigentliche Ordensangelegenheit handelt Die Hebung'des Logenbesuches hat er zum Gegenstand seiner wiederholten, tiefgehenden Untersuchungen gemacht. Dte Frage, wie man .die Frauen an dem Lpgenleben beteiligen könne, ist von ihm intensiv in einen}, fortschrittlichen, ' direkt jugendlich - modernen Geiste bearbeitet worden. Das Ritual und die äußerliche Feierlichkeit der Logen beschäftigte ihn; als der Sonderausschuß für geistige Interessen in der Großloge gebildet wurde, ergab sich fast selbstverständlich, daß.Br. Maretzki seine Leitung übernimmt. Bewundernd sehen wir, wie er, der 70 jährige, diese Fülle von Arbeiten leistet, von Pflichten erfüllt, jede einzelne schier groß .uenug, die Kraft eines Mannes zu erschöpfen, und doch sind wir mit der Aufzählung seiner Verdienste um den Orden noch nicht zu Ende, man könnte sagen, daß das umfangreichste und wichtigste Kapitel noch nicht einmal anges.hnitten worden ist: ich meine seine schriftstellerische Tätigkeit. Die gesammelten Reden und Aufsätze, die mit Erlaubnis des Jubilars die Großloge herauszugeben im Begriffe ist, weiden auch dem bisher noch nicht genügend unterrichteten Bruder ein staunenerregendes Bild von der vielseitigen literarischen Arbeit Maretzkis für die Loge und den Orden verschaffen. Abgesehen davon, daß er seit Jahren zu dem Redaktiohsausschuß der Monatsberichte gehört, läßt er kaum einerr Gedenktag des Ordens, kaum eine festliche oder traurige Gelegenheit, kaum eine aktuelle Frage vorübergehen, ohne mit klugen, maßvollen Worten seiner Empfindung und seiner Ansicht Ausdruck zu verleihen. Wie niemand sonst im Orden, ist er dazu berufen, weil

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