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Bericht der Großloge für Deutschland · 1913-01-01 · Nr. 1 - Januar · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1913
Issue
Nr. 1 - Januar
Date
1913-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Keinem wohl solch umfassende Kenntnis der Menschen und der Dinge, die in Betracht kommen, zu Gebote steht. Das hat er vor f\Wm in der Geschichte des Ordens Bnei Briss in Deutschland bewiesen, die er zum 25jährigen Gedenktag der Gründung der ersten deutschen Loge verfaßte, nachdem er vorher schon in der Festschrift zur Feier des 20 jährigen Bestehens des Ordens zu verschiedenen Materien das Wort er-' griffen hatte. Die Geschichte des Ordens läßt so recht erkennen, wie er jede Entwicklungsstufe des Ordenlebens in innerster Seele miterlebt, wie er unter Jen unvermeidlichen Widerwärtigkeiten der ersten Entstehungsjahre gelitten, wie er jeden Erfolg stolz und dankbar mitgefeiert hat. Sie läßt, obwohl er seine Persönlichkeit mehr als billig in den Hintergrund treten läßt, trotzdem deutlich sehen, wie gerade Maretzki, schon früh durch den den damaligen Ordenspräsidenten B i e n in seiner Bedeutung erfaßt, an der Festigung des deutschen Bezirks das ausschlaggebende Verdienst davon trug, wie seine nur von sachlichen Erwägungen geleiteten Maßnahmen selbst die Gegner zu überzeugen, und was noch wichtiger ist, zu versöhnen verstanden, wie er, „unverbesserlich in seiner Friedensliebe", jede Persönlichkeit' schonte und achtete, sich aber in seinem einmal als notwendig erkannten Verhalten durch persönliche Rücksichten niemals beeinflussen und beirren ließ' Aus der Geschichte des Ordens und aus jeder seiner kleinen Gelegenheitsabhandlungen leuchtet durch die gedruckten Worte hindurch eine geschlossene, liebenswerte Persönlichkeit des Verfassers. Bis auf die Form seiner Schriften erstreckt sich dieses Durchdringen mit Maretzkischem Geist. J<eine originell zugespitzten Phrasen, keine kunstvoll gebauten Perloden oder stylistisch gefeilten Satzgefüge; fast ohne Pathos fließt der Strom der Gedanken dahin, bisweilen schon Gesagtes wiederholend, um dadurch eindringlicher zu wirken, denselben Gedanken von verschiedenen Gesichtspunkten aus mit verschiedenartigen Wendungen breiter und dadurch faßlicher erscheinen lassend. Was immer besticht, das ist die ruhige Sachlichkeit, * die innere Uebffrzeugungstreue, die Wahrheit des Gefühls, das Fernhalten jeder Polemik um der PoJemik willen. Was Maretzki in seiner Gedächtnisrede von Joachim gesagt hat, das gilt auch für ihn: Belehren will er, überzeugen, nicht durchsetzen. Diese Gedächtnisreden fuY heimgegangene Brüder, deren er leider schon so viele hat halten müssen, .gewähren eine ganz eigenartige ^Ergänzung des Lebensbildes Maretzkis. Nirgends deutlicher als \fi ihnen tritt die Fähigkeit des Redners zutage, sich in den Gedankengang und die Empfindungswelt seiner Freunde hineinzudenken, mit ihnen gemäß ihrer Naturanlage zu fühlen, sie tiefer zu verstehen, als wojil irgend ein Verwandter oder naher Freund. Mit dem Blicke des erfahrenen Arztes, des Naturforschers, erschaut er das Phänomen des erloschenen Menschenlebens, von dem er in seiner Gedächtnisrede Kunde geben soll. Vorzüge und Schwächen schließen sich zu einem einheit- \ ' v ". . liehen, fesselnden Bilde zusammen. Alles aber, was er denkt und spricht, wird durchdrungen von der hohen und gewaltigen Kraft der Freundes- und Bruderliebe, die Maretzki so Vielen entgegengebracht hat, und für die er so reichlichen, tiefempfundenen Herzensdank erhalten und verdient hat. Das ist vielleicht die ausgeprägteste Tugend, die wir am Jubilarbewundern, daß er den Dingen und den Personen, denen er ein-, mal sein Herz geöffnet, unverbrüchlich Treue hält, daß seine Freunde auf ihn zählen können, wie auf einen Felsen von Bronze. Man muß aber auch nur einmal zusehen, wenn Br. Maretzki, gewöhnlich wegen der Anforderungen seines Berufs etwas, verspätet, in die Sitzungen der Großloge öder ihrer Ausschüsse eintritt, wie dann vor allem die auswärtigen Brüder, die seltener Gelegenheit haben, ihn zu begrüßen, ihm entgegeneilen, wie jede konventionelle Höflichkeit fernbleibt, und aus jedem Händedruck, mit den man sich begrüßt, jedem Blick, den man wechselt, die hohe Achtung und Ehrfurcht spricht, mit der alte und junge Freunde an Maretzki hängen. So steht das Bild des Mannes in unsern Herzen, dem wir heute zu seinem 70. Gebuitsfest unsere innigsten Wünsche darbringen. Nach wie vor liebt er, im Stillen wahr zu sein, und eine Entschuldigung mag ihm gegenüber vielleicht am Platze seinj'daß wir es gewagt haben, ihn, der jedem Personenkultus im Orden stets abgeneigt war, zum Gegenstand eines solch ausführlichen Festgrußes zu machen. Wir aber empfinden eine solche Würdigung unseres lieben Bruders Maretzki nicht als eine Pfljcht nur, nein, als . unser Recht. Wie er mit allen Fasern seines reichen Herzens dem Orden angehört, so erheben wir Brüder alle Anspruch auf ihn. Wir wollen uns seiner Frische, seiner Rüstigkeit, seiner Güte, seiner Gerechtigkeit freuen, wir wollen sie als Beispiel uns und anderen vor Augen führen. Wir hoffen aus bewegtem Herzen, daß er uns noch ungezählte Jahre als lieber Bruder und als treuer Führer erhalten bleibe! ■y

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