Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1908
- Issue
- Nr. 12 - Dezember II
- Date
- 1908-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Einige Bemerkungen zur Hebung des Logenlebens. Ein wichtiger Punkt des allgemeinen Logengedankens an sich ist sicherlich die Pflege der Freundschaft, oder wie unser Orden es nennt, die Pflege der „brotherly love,* der Bruderliebe. Solche wahrhaft zu üben wird indessen wohl den Logen am besten glücken, die in der angenehmen Lage sind,'ein schönes Heim ihr eigen nennen zu dürfen. Freilich nicht ein solches, das nur einmal wöchentlich für wenige Abendstünden seine Pforten öffnet. Nein, vielmehr ein Heim, das jederzeit den Logenbrüdern zur Verfügung steht, wie etwa die englischen Klubs in so vorbildlicher Weise das zweite „Zu Hanse" ihrer Mitglieder darstellen. Daher sind solche Logen zu beneiden, die stets geöffnete Räume besitzen und die — was hierbei recht wesentlich? ist — zugleich mit guter Oekonomie versehen sind. In solch anheimelnden Hallen, die täglich zum zwanglosen und daher gemütlichen Beisammensein mit Gleichgesinnten, mit Freunden einladen, können unsere Ideale B. und E. leicht ihrer Verwirklichung näher treten. Deshalb sollte es zur Pflicht aller Bnei-Bris-Logen werden, allmählich dieses Ziel anzustreben. Hierzu gehört natürlich viel Geld, das durch allerorten zu gründende Fonds beschaffen werden müsste. Und die besonders wohlhabenden und opferwilligen Brüder fänden hierbei die schönste Gelegenheit, sich durch Zeichnen erheblicher Beträge verdienstvoll auszuzeichnen. Diese Ausführungen möchte ich nun in folgende Thesen zusammenfassen: Alle Logen müssen allmählich darnach streben, eigene Räume zu gewinnen, die eine angemessene Bewirtschaftung besitzen und jederzeit für die Brüder geöffnet sind. Solange aber dieses Ziel für die meisten. Logen noch ein frommer Wunsch ist. werden andere Mittel nötig sein mitzuhelfen, dass die Eintracht und edle Geselligkeit an dem ein wöchentlichen Logenabend nach Möglichkeit gepflegt wird. Ist die Arbeitsloge beendet, so setzen sich die meisten Brüder, wenigstens in Oberschlesien, zum frohen Kartenspiel, in dem sie, entrissen dem Dunst der Alltagssorgen, ihr Vergnügen finden. Und zweifellos ist ja jedes -. Spiel im' heutigen struggle for life eine berechtigte Zerstreuung. Indessen sollten die Geselligkeits-Komitees auch für die anderen Brüder sorgen, sollten sie auch.ausser für Karten auch für andere (nicht minder hannlose!) Spiele Sorge tragen, sei es nun für Schachbretter oder wenn möglich, für ein Billard, oder sei es last not least für ein Pianino. So wäre ehen auch für die vielen gesorgt, die nicht die Kartenspiele lieben! ■ - ' v Mit viel billigeren Mitteln jedoch Hesse sich in jeder Bnei-Briss Loge ein Unternehmen schaffen, das der Belehrung und zugleich der Unterhaltung aller dienen würde. Ich meine nämlich, jede Loge sollte ihr Heim zu einer Art „Jüdische Lesehalle" zu gestalten versuchen. Politische und lokale Blätter liest jeder Bruder zu- Hause; nicht jeder aber ist auf eine jüdische Zeitung abonniert. Da wäre es nun durchaus angebracht, wenn die einzelnen Komitees für geistige Interessen allerwärts in ihren Logen dafür sorgen würden, dass sämtliche in Deutschland erscheinende jüdische Zeitungen abonniert und allwöchentlich, in angemessene. Zeitungshalter ordnungsmässig geheftet, regelmässig ausgelegt würden. Selbstverständlich müssten in unparteiischer Weise sowohl die orthodoxen und liberalen Zeitungen, wie auch die zionistischen Blätter abonniert werden. Ich bin überzeugt, dass die Ausführung dieser Idee Zustimmung finden und gute Früchte zeitigen wird. Denn mit der regelmässigen Lektüre der jüdischen Presse, an die sich oft ein friedlicher Gedankenaustausch knüpfen wird, wächst das jüdische Selbstbew,usstsein der Leser und ihr Zusammengehörigkeitsgefühl. Es wächst ferner die Kenntnis über die Lage unserer Stammesbrüder des Ostens und Palästinas, insbesondere der jüdischen Kolonien: es wächst weiter das Interesse an jüdischen Angelegenheiten und Verhältnissen überhaupt. - Und so hätte ja auch) unser Orden den schönsten Gewinn davon. Denn dann werden ja auch die meisten Brüder, mit^ i den einschlägigen Verhältnissen wohl vertraut, noch weit mehr als jetzt befähigt sein, an der praktischen Ausübung unsrer Wohltätigkeitsbestrebungen verständnisvoll und mit dem Herzen an der Sache mitzuraten. Dass all diese Gedanken weder besonders neu noch originell sind, weiss ich wohl. Und