Mannheim
Compact Memory

Bericht der Großloge für Deutschland · 1908-12-01 · Nr. 12 - Dezember II · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1908
Issue
Nr. 12 - Dezember II
Date
1908-12-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/4864325-6028974-6074184--1408-4865540
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

der hohe Prozentsatz jüdischer Studierender (75 %) an der -5°° akademische Bürger zählenden New-Yorker Stadt-Universität: mehr als die Hälfte dieser jüdischen Studenten entstammt den eingewanderten ärmeren Schichten des New-Yorker Ghettos. Ja, dies New-Yorker Ghetto! Alle amerikanischen Logen erwägen die Frage: Wie sind die hier lebenden Soo<«>o Juden in den noch unbebauten Landesteilen der Vereinigten Staaten zweckmässig anzusiedeln: Namentlich der mit Naturschätzen überreich gesegnete Süden dieses Landes ladet zu erfolgreicher Kolonisierung ein. Nach den Feststellungen des Professors Herbert A. Smith vom Ackerbauministerium in Washington wird nur ein Bruchteil des fünfhundert Millionen Morgen umfassenden Südlandes bebaut, davon ein noch kleinerer Bruchteil rationell. Juden die Möglichkeit zu gewähren, hier ihr Brot zu verdienen, ist für die amerikanischen Logen die »Forderung des Tagest. Wie weit dies Streben bisher vom Erfolg begleitet war, — darüber das nächste Mal. Nach den vorliegenden Berichten zu urteilen, gehört zur Tätigkeit der amerikanischen Logen auch die Abwehr judenfeindlicher Angriffe sowie das Einschreiten gegen Massregeln, die geeignet sind, das jüdische Empfinden zu verletzen. Die Graham & Morton Transportation Company verbreitete in Tausenden von Exemplaren ein Reklameheft zur Hebung des Fremdenverkehrs in West-Michigan; unter den inserierenden Hotels nannten sich dre issig jud^nrein . (Diese Mitteilung bestätigt Prof. Sombarts Aeusserung, der Judenhass in Deutschland sei ein Kinderspiel gegen den in Amerika! Ref.) Gegen diese Brüskierung der jüdischen Bevölkerung schritt die Grossloge des 6. Distrikts ein und erlangte von der Direktion der Gesellschaft die Zusicherung, dass dergleichen Zusätze zu den Hotel-Anzeigen in Zukunft nicht mehr geduldet werden. Wir hören ferner von einer philantropischen Aktion der Minnesota-Loge in St. Paul und der Minneapolis-Loge in Minneapolis anlässlich des grossen Waldbrandes in Nord-Minnesota, bei dem u. a. 45 jüdische Familien all ihre Habe verloren. Ein TeitMes entstandenen Schadens wurde durch Versicherungen gedeckt, sodass acht Familien einer UnterstützuHg^nicht benötigten. Den übrigen wurde von seiten der Logen geholfen. Die letzteren dürfen sich rühmen, mit ihrem Hilfswerk zuerst auf den Plan getreten zu sein; denn erst nach ihrer Aktion erliessen die christlichen Kirchengemeinschaften die erforderlichen Aufrufe. Der inxAmerika häufig auftretende Missstand, Religion und Politik mit einander zu verquicken, findet von seiten des Ordens gebührende Zurückweisung, indem er sich scharf gegen die jüdischpolitischen Klubs wendet, die dem Strebertum ihrer Mitglieder Vorschub leistet, dem Judentum aber, das bescheidene Zurückhaltung fordert, wenig Ehre bereiten. Endlich hören wir von einer in den deutschen Logen glücklicherweise fast nie vorkommenden Massregel, zu der die amerikanischen Logen ananscheinend öfter ihre Zuflucht nehmen müssen: zeitweiliger Ausschluss von Brüdern, die mit der Zahlung ihrer Beiträge im Rückstände sind. Die B'nai B'rith News« empfehlen die Namen dieser säumigen Zahler den Schwesterlogen bekannt zu geben, im übrigen aber möglichst milde zu verfahren und den Ausschluss — wenn nicht böser Wille vorliegt — auf höchstens sechs Monate zu verhängen. Von den Institutionen der amerikanischen Logen ist nur Gutes zu berichten. Das jüdische Waisenhaus in Cleveland (Ohio) beherbergte im letzten Jahre 500 Pfleglinge (284 Knaben und 216 Mädchen). Die Einnahmen der Anstalt betrugen 107.543,32 Dollar, die Ausgaben t>l 110,73 Dollar. Das jüdische Tuberkulosenheim in Denver hat für seine Insassen Unterhaltungsabende mit belehrenden, unterhaltenden und musikalischen Vorträgen eingerichtet. Das gemeinsame Komitee der Chicagoer Logen veranstaltete am 20. Oktober im »Internationalen Theater - eine Vorstellung der Oper «RigolettO' , deren Reinertrag dem dortigen Arbeitsnachweis zufloss. Welch reges Interesse die Brüder jenseits des Ozeans an den Arbeiten und dem Wachstum der deutschen Logen haben, beweist der Umstand, dass das amerikanische Logenorgan in englischer Üebersetzung vollinhaltlich die Rede wiedergibt, mit der unser hochw. Grosspräsident die »Moritz Lazarus-Loge« in Göttingen installierte. Dr. Eugen Wölbe.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.