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Bericht der Großloge für Deutschland · 1908-12-01 · Nr. 12 - Dezember II · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1908
Issue
Nr. 12 - Dezember II
Date
1908-12-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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doppelte Aufgabe, eine praktische und eine ideale. Sie soll in erster Reihe dem Gelehrten das nötige Hilfsmaterial zu seinen wissenschaftlichen Arbeiten, der studierenden Jugend die erforderlichen Bildungsmittel und dem Volke gesunde, belehrende Lektüre in die Hand geben. Die ideale Aufgabe der Bibliothek besteht aber darin, auf dem historischen Boden Jerusalems die jüdische Z-ntral-Bibliothek zu werden, in welcher sämtliche Produktionen des jüdischen Geistes aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ein würdiges Heim linden und zusammen ein harmonisches Ganzes bilden sollen. Während die Anstalt die praktische Aufgabe zum Teil jetzt schon löst, ist in ihr der Grundstock auch für die Erreichung des idealen Zieles vorhanden, dessen vollständiger Ausbau 120000 Frs. erfordern dürfte. Von dem geplanten Bibliotheksgebäude ist, wie schon erwähnt, der rechte Flügel errichtet, welcher jedoch die bereits vorhandene Sammlung kaum noch fassen kann. Zur Deckung der laufenden Ausgaben, Konservierung der Bücher und Anschaffung neuer Werke ist ein Jahresetat von 10000 Fr. erforderlich. Eine Einnahme von 5000 Frs. kann jetzt schon als gesichert gelten. Mit verhältnismässig geringen Mitteln liesse sich also ein stolzes Werk aufbauen. Sollten upsefe-Glaubensgenossen in der ganzen Diaspora, bei denen jedes kulturelle Unternehmen stets die wärmsten Förderer und generösesten Gönner findet, nicht auch dieses jüdische Kulturwerk mit Freuden unterstützen? Sollten wir nicht mit Leichtigkeit daB fertig bringen, was andere im heiligen Lande ohne jede Schwierigkeit leisten? Vor allem ist es eine heilige Pflicht unserer .Ordensbrüder, an dem Ausbau dieses hehren Kulturwerkes nach Kräften teilzunehmen. Wem noch das Ideal vorschwebt, dass „von Zion die Thora ausgehe und das Wort Gottes von Jerusalem", dass das heilige Land der geistige Mittelpunkt für die Tlmra und die Wissenschaft des Judentums sein soll, der hat die Verpflichtung, an diesem Werke mitzuwirken. Er darf sich nimmermehr davon ausschHessen, selbst wenn er nur in geringem Masse das Werk zu fördern in der Lage ist. Nicht umsonst nennt man die Juden „das Volk des Buches", das Volk, das die Literatur zu schätzen und die Wissenschaften zu pflegen weiss. Als der jüdische Nationalstaat unter- _ « gegangen war, errichtete R. Jochanan b«n Sakkai auf den Trümmern desselben einen neuen Staat, einen Geistesstaat, der unser Volk durch die Jahrtausende geführt, und nun in seiner Wiege zu neuem Leben erwecken soll. So soll denn die jüdische Zentral-Bibliothek in Jerusalem als Gemeingut des jüdischen Volke* von dem ganzen Volke erhalten und weiter ausgebaut werden, der Jeruscholajim-Loge zur Ehre und Israel zum Ruhme! , '. ' T' «- Nochmals „W. B. u. E." Die begeisterten und tief durchdachten Ausführungen des Br. Dr. Hochschild, Uetz, in No. 9 der Grosslogen-Berichte haben gewiss viele Brüder von der Trefflichkeit seines Reformvorschlages überzeugt und den Wunsch rege gemacht, dass-das Verdienst der Erfindung der neuen Lesart dadurch gekrönt werde, dass die hochw. Grossloge sie sanktioniere. Dass der Ordensgedanke in den Werten: Wohltätigkeit, Bruderliebe und Ehre seine.i kernhaften Ausdruck findet, sei durch eine Probe auf dieselben dargetan: Das Wesenhafte unserer Ordensidee besteht in der. Forderung an die Bnei Briss: Strebet beharrlich danach, Idealmenschen zu werden. Die- Antwort aber auf die Frage: Wie äussert sich ideale, ethische Kultur in ihren drei Erscheinungsformen: Handlungsweise, Gemütsverfassung und Denkungsart? sie kann nur lauten: die edelste Handlungsweise ist positiv Wohltätigkeit schlechtweg, die edelste Gemütsverfassung, die bis zu dem intensiven Grade, wie ihn sonst nur die Stimme de* Blutes diktiert, gesteigerte .Sympathie für den Nächsten, welche den Namen Bruderliebe verdient, und endlich die edelste Denkungsart, die auf die Ehre gerichtete. So glücklich mir also auch die neue Lesart erscheint, so wenig möchte ich indes die althergebrachte missen. Ist doch die Parole ..Eintracht'' uns allen ein. lieber und vertrauter Klang und wer von uns weiss nicht die Macht traditioneller Uebung auf das Gemüt zu würdigen? Freilich, „Eintracht" nicht in der Deutung, die dem Worte im allgemeinen, auch von Br„ Dr. Hochschild, gegeben wird, weil der die feinen Unterschiede nivellierende Sprachgebrauch die Bedeutung des, Wortes verwischt, indem er „Eintracht" gleich „Frieden'' setzte.

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