Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1908
- Issue
- Nr. 12 - Dezember II
- Date
- 1908-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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umspannt, verspricht, weil es den wahren Interessen der dortigen Bevölkerung dient, ein mächtiger Kulturfaktor in Palästina zu werden. Von zionistischer Seite wird die Gründung gleich zweier Mittelschulen in Jaft't geplant. Der Plan der Gründung eines Technikums unseres verdienstvollen Br. Dr. Xathan ist bekannt. Ja, vor einigen Monaten hat sogar der feinsinnige Gelehrte Israel Abrahams, Professor in Cambridge, .der sich wie Dr. Nathan öffentlich als Xichtzionisten bekannt, im „Jewish Chronicle" den Vorschlag zur Gründung einer hebräischen Universität in Jerusalem gemacht — ein Vorschlag, dessen Realisierung durchaus nicht ausserhalb der Grenzen der Möglichkeit liegt. Denn nur in diesem Lande ist die Renaissance der jüdischen Kultur, der jüdischen Sprache und der jüdischen Wissenschaft möglich; Palästina allein ist der geeignete Boden, auf dem sich das jüdische Wesen, vun fremden Einflüssen frei, nach allen Seiten entfalten 'und zu voller Blüte gedeihen kann. Der Mittel- und Schwerpunkt all dieser kulturellen Bestrebungen muss für uns naturgemäüs in Jerusalem liegen, der Hauptstadt des Landes,' der Städte so" zahlreicher ruhmvoller Erinnerungen. deren 80000 Seelen zählende Bevölkerung sich zu zwei Dritteln aus Juden zusammensetzt. Entfalten ja auch die christlichen Nationen all ihren Glanz in der heiligen Stadt, die alljährlich von Zehntausenden von Touristen und Pilgern besucht wird. Hier sind die reichen Klöster und pompösen Kirchen, hier die vielen Schulen und Missioneanstalten,, hier die grossen und reichhaltigen Bibliotheken der Dominikaner und Franziskaner, das deutsche evangelische archäologische Institut und die Amerian archeological School, letztere beide Hochschulen, denen reiche Mittel zur Verfügung stehen. L'nd wir:" Zwar können auch wir mit Genugtuung auf einen grossen Fortschritt nach dieser Richtung hinweisen, auf die modernen Erziehungs- und Unterrichtsanstalten, von den Kindergärten bis hinauf zum Lehrerseminar und der Handelsrealschule, die aufklärend wirken und im Laufe der Zeit eine Umgestaltung der sozialen Verhältnisse zur Folge haben werden. Jedoch e i n hervorragendes Kulturinstitut, das, abgesehen von seinem hohen praktischen Werte, auch immer idealen Zielen zustrebt, hat speziell in Westeuropa bisher leider wenig Beachtung und Förderung gefunden, ich meine: die jüdische Zentral-Bibliothek in Jerusalem. Diese Bibliothek hat ihren Ursprung in der. Abarbanel-Bibliothek, welche im Jahre 1892. als die gesamte zivilisierte Welt das 400 jährige Jubiläum der Entdeckung Amerikas feierte, unter den Auspizien der Bnei Briss-Loge in Jerusalem zur Erinnerung an das gleichzeitige weltgeschichtliche Ereignis der Vertreibung der Juden aus Spanien gegründet wurde. Aus kleinen Anfängen hat sich diesr Anstalt im ersten Dezennium ihres Bestehens vortrefflich entwickelt. Durch die grossartige Schenkung des hochherzigen Idealisten Br. Dr. Joseph ( hazanowitz, Arzt in Bialystok, der seine ganze Lebensarbeit diesem Werke geweiht, sowie durch eine Reihe kleinerer Schenkungen, (die Bibliothek des Prof. Hermann Schapiro und die Werke des Palestine Exploration-Fund seitens des verewigten Frederic D. Mocatta etc.j und Anschaffungen ist die Büchersammlung bis zu 30 000 Bänden, grösstenteils Hebraica und Judaica angewachsen Darunter befinden sich hebräische Spezialsammlungen, wie sie möglicherweise in den grössten Bibliotheken nicht anzutreffen sind, wie wissenschaftliche Werke von hohem Werte. Ausserdem ist eine reiche Kollektion von Karten, Mappen, Kupferstichen und Photographien jüdischer Süjets vorhanden. Seit 5 Jahren ist die Büchersammlung in einem eigenen Heim untergebracht, das einstweilen aus dem zweistöckigen rechten Flügel des geplanten grossen Bibliotheksgebäudes besteht. Die Anstalt wird vom Exekutiv-Komitee des Bnei Briss-Ordens in New York mit 1000 Frs., von Hilfsverein der Deutschen .Juden mit 2000 Frs. und auch von anderen palästinafreundlichen Vereinen mit rund 10 000 Frs. jährlich subventioniert. In ihrer Juni Sitzung d. J. hat auch die Grossloge für Deutschland VIII U. O. B. ,B. der Bibliothek eine Subvention von 500 Frs. bewilligt. Die Mittel reichen aber zu einer Ausgestaltung der Bibliothek nicht aus. Die Verwaltung setzt sich aus Vertretern der Bnei Briss-Loge, des Hilfsvereins der Deutschen Juden und der zionistischen Organisation zusammen, aus Männern, deren Namen in jüdischen Kreisen einen guten Klang haben. Die jüdische Zentral-Bibliothek hat eine — 170 —