Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1908
- Issue
- Nr. 12 - Dezember II
- Date
- 1908-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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drängen zunächst nach den grossen Städten, wo sie zumTeil von der Ausweisung betroffen werden, zum Teil wegen mangelnder Erwerbsfähigkeit der Wohltätigkeit zur Last fallen und schliesslich von Ort zu Ort wandern, bis sie die Polizei aufgreift Im Interesse dieser Leute müssen in den Grenz- und Hafenstädten Arbeitsnachweise eingerichtet werden, die sich ihrer annehmen, den Zustrom in verschiedene Kanäle ableiten, Nachfrage und Angebot regeln, das zweck und planlose Umherirren unterbinden und ganz erwerbsunfähige Zuwanderer nach Möglichkeit in ihre bisherige Sphäre zurückweisen. Diese Massnahmen erscheinen gerade im Interesse der erwerbsfähigen Einwanderer dringend erforderlich. Die Frage der Auswanderung und der Rückwanderung kann hierdurch natürlich nicht gelöst werden. Das kann nur durch zweckmässige Organisationen in Russland, Gahzien, Rumänien selbst geschehen. Alle diese Gesichtspunkte hatten mich bereits im Jahre 1904 zu der Ueberze'ugiing gebracht, dass man in allen Logenstädten Arbeitsnachweise oder entsprechende Komitees zu schaffen hätte, was auch bereits in einem Referat in der Berthold Auerbach-Loge zum Ausdruck gebracht und in den Mitteilungen der Grossloge s. Zt. veröftentlicht worden ist*) In weiterer Verfolgung dieses Gedankens habe ich vor Jahresfrist eine Enquete über alle deutschen Logenstädte unter Einschluss von Basel veranstaltet, deren Ergebnis auf, der im Anhang befindlichen Tabelle I ausführlich und spezifiziert niedergelegt ist. Die Enquete ergab das folgende Resultat: vom 60 Logenstädten besitzen im allgemeinen ausreichendere Logen arbeitsnachweisc 7 (Berlin, Frankfurt a/'M., Basel, Hamburg, Posen, Leipzig, Dortmund). Unvollständige ähnliche Einrichtungen zum Teil ohne Mitwirkung der Logen bestehen in 8 Logenstädten (Mannheim, Stettin, Halberstadt, Nürnberg, Breslau, Metz, Darmstadt, Landsberg a/W). Ueberhaupt keine Einrichtungen dieser Art sind in 41 Logeristädten zu verzeichnen. Von 13 Logen, darunter auch die neugegründeten Logen, ist keinerlei Nachricht in diese/ Angelegenheit eingegangen (Beuthen, Dresden, Nordhausen, Ostrowo, Köln, *) Vgl. Monatsbericht 1904,. Nr. 4. S. 54, das Referat des Br. Dr. Ciinsberg; ferner Allgem. Zeitung des Judentum« 1904, Nr. 29 Stargard i/Pom., Braun'schweig, Bremen, Danzig, Trier,, Osterode, Lübeck, Göttingen). Es wäre vielleicht zwepkmässip;, wenn die bezügliche Tabelle I in den Mitteilungen der Grossloge veröffentlicht würdet damit die einzelnen Logen etwa inzwischen eingetretene Verankerungen melden, und diejenigen, die nichf geant wortet haben, nachträglich ihren Bericht der Grossloge einsenden können. Wenn'die Logen, von der Notwendigkeit und der segensreichen Bedeutung -der Einrichtung von Arbeitsnachweisen überzeugt-sind, so wäre m. K. der Organisationsplan in kurzen allgemeinen Zügen der folgende: ,' ' - 1. In den Logenstädten, in denep über uxxj Juden wohnen, müssfen Arbeitsnachweise in grossem Stile (Vereine) eingerichtet, werden 2. In den Logenstädten, in denen"500 bis Juden wohnen, müssle ein ..grösseres Arbeitstiachweiskomitee def betr. Lbffien ins Leben gerufen, werden. In Logenstädten, die Weniger als 51* > jüdische Einwohner ha.ben, Ware ' eine besondere Institution nicht notig.- . c - Bei *!er Behandlung d eser Frage : müssen wir von der wohl meist zutreffenden Voraussetzung ausgehen, dass an den grösseren Orten, .wo auch die grössere Anzahl Juden Wohnt,- grosse Arbeitsnachweise zu errichten .sind, weil dort im allgemeinen auch die grössere Anzahl von Ge Schäften und industriellen Unternehmungen vorhanden und daher die Möglichkeit, Arbeitsuchende anzubringen, grösser ist. Ausnahmen sind natürlich hierbei möglich, falleil aber zunächst bei der Organisation nicht ins Gewicht uivd werden sich später sicherlich aus den tatsächlichen Bedürfnissen heraus leicht regeln lassen- Als ferneres Moment kommt hinzu, dass .Arbeitsnachweise.in grossem- Stile eine stärkere materielle Unterstützung notig haben, die ihnen -natürlich ausschliesslich von Juden zuteil wird. . Aus' diesem Grunde können sich grössere Arbeitsnachweise nur injudenreicheren Städten erhalten. Daher müssen wir uns bei Logenstädten mit 500 bis i<>0<> jüdischen Bewohnern -auf ' Arbeitsnachweiskomitees beschränken, bei noclr kleineren Judengemeinden auf besondere Einrichtungen ganz verzichten. Bei letzteren werden wohlvorkommenden- ') Die» ist nun geschehen; siehe die,Tabellen MX Schlu« dieses Monatsberichtes Seite 1711 IT. - 167