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Bericht der Großloge für Deutschland · 1908-01-01 · Nr. 11 - Dezember · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1908
Issue
Nr. 11 - Dezember
Article
Beilage zu Nr. 11
Date
1908-01-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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werden es aber begreiflich finden, wenn ich Ihnen sage, dass in unseren eigenen Reihen Einwendungen gegen einen jüdischen Orden gemacht werden. Sie erinnern sich doch aus der Grosslogensitzung, dass das Dogma aufgestellt worden ist: ,,Wir sind kein jiidischerOrden, sondern ein Orden für Juden." Wie denken Sie darüber? A. Ziehen wir die Geschichte zu Rate. Das Ordenswesen ist dem Judentum nicht fremd. Sie wissen, dass die Essaeer den ersten Orden überhaupt und einen jüdischen Orden gebildet haben. Und doch sind wir keine Nachbildung jenes < >rdens. Weil die Askese und die Religionsübung keine Grundlage für . unsern Orden ist. Nur dass wir Juden aufnehmen, ohne nach deren Bekenntnis und, Richtung in religiösen Dingen zu forschen. Die Basis unseres Ordens ruht auf Menschheitskultur um! Menschheits-Grundsätzen. Das Ordenswesen ist der allgemeine Boden, auf dem wir Juden uns speziell zusammenfinden. Daher verfolgen wir auf diesem allgemeinen Boden noch besondere Zwecke für unsere Glaubensgenossen, entwickeln wir uns in unserer besonderen Kigen-, art, die zu pflegen wif" schon aus historischen Gründen berechtigt und verpflichtet sind. In unlöslichen Banden mit dem Vaterlandö verknüpft schöpfen wir aus ihm in treuer deutscher Gesinnung'Leben, Kraft und Liebe für unsere Eigenart. Die innere Mission, die wir treiben, die sittliche und geistige Hebung unserer Glaubensgenossen sind noch ein besonders spezielles Gebiet, die wir im Rahmen des Ordens uns zur Aufgabe machen. Das sind die Lehren, die den Bruder in den Logen erwarten. Sie sind so fundamental, dass Sie es verstehen, wenn ich, mich des breiteren über sie ausgelassen habe. Daran soll man festhalten. Wir üben als Juden eine parallele Tätigkeit aus, wie andere Orden, z. B. die Freimaurer, um im edlen Wettstreit zum Wohle der gesamten Menschheit alle geistigen und sittlichen Kräfte zu entfalten, eine grosse soziale Arbeit zu verrichten, religiösen, sozialen Frieden zu stiften, die ganze Menschheit mit Menschenliebe und Gottesfrieden zu. erfüllen. B. Zugegeben, dass Ihre Auffassung dem Sinne unseres Ordens entspricht, so fürchte ich doch, dass Ihre Ansichten nicht überall geteilt werden. Es wird der Hauptakzent auf das Jüdische gelegt. Wir führen einen jüdischen Namen, haben ein jüdisches Kennwort. Das Jüdische kommt auch in dem geselligen Verkehr zum Ausdruck, die rituelle Verpflegung ist doch conditio sine «lua non. A. Ich habe den Unterschied zu skizzieren gesucht, bin der Meinung, dass die Differenz etwas Künstliches hat, und schliesslich die beiden Ansichten auf dasselbe hinauskommen. Es ist schwer zu entscheiden, welche ratio die echte ist. Sie ist wie in der Fabel von den drei Ringen im Laufe der Entwickelung des Ordens verloren gegangen. Kommen wir beiden Tendenzen mit Ergebenheit, mit verständnisvoller Arbeit, mit treuer PflichterfiMlung entgegen, und wir erfüllen' die Mission des Ordens nach, jeder Richtung. Und was die ritueMe Verpflegung betrifft, so berührt sie den Kern der Sache nicht. Sie ist , T- " ein einigendes Band für uns., Es "muss doch jedem Bruder die Möglichkeit gegegeben -werden, mit seinem Mitbruder an einem Tischezu sitzen. Wer das ablehnt, versündigt sich an der Brüderlichkeit. Mit der Einhaltung .der rituellen Kost huldigen wir doch nicht dem jüdischen Geset/c und Dogma, sondern der Harmonie im Orden, der Eintracht, die zur Erhaltung und Festigung unseres Bruderbundes absolut erforderlich ist. Hüten wir uns aber auch vor .einer Ueberspannung der Forderung. Das kann nur Zwietracht schaffen. Von allen Seiten muss Entgegenkommen gebracht ■ werden. Lassen wir die Aeusserlichkeiten nicht zur Hauptsache werden. Ich will einzelnes nicht "abfuhren, mir hegt daran, das Prinzip klarzustellen. Der moderne Jude muss sich, m. "E. mehr in sozialer und ästhetischer Richtung entwickeln und fortschreiten, in der wir die Höhe noch nicht er-' stiegen haben. Da ist nicht vie| zu tun. Das ist auch ein Stück inneren Logenlebens, das wir der Vervollkommnung entgegenführen müssen.- Auch hier erwartet den Bruder die. Lösung, eine Lösung, die alle Brüder befriedigen.-und beglücken soll. B. Das ist alles sehr schön, das gilt doch nur für uns Mitglieder des Ordens. Wo bleiben die Massen: Sie haben doch keinen Anteil an diese* Bestrebungen. A. Sie irren sich. Seien Sie doch nicht so ■ kurzsichtig. IcIi will Ihnen nur ein triviales Beispiel anführen. Jede neue Mode, \vrrd zunächst in den oberen Schichten der Gesellschaft aufge nommen, sie dringt mit der Zeit bis in die untersten Kreise. Darauf beruht ja -auch der .Fortschritt in der Kultur der Menschheit., 'Wissenschaft und Kunst wird doch mit den- Jahren zum Gemeingut aller. Der gegebene -Impuls -wirkt weiter Sie sehen doch, dass soziales Denken die gesamte Menschheit erfasst hat. Bei der hohen Kultur in unserer schnelllebigen Zeit geht es unhaltbar mit raschen Schritten vorwärts. So

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