Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1908
- Issue
- Nr. 11 - Dezember
- Article
- Beilage zu Nr. 11
- Date
- 1908-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal additional
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/4864325-6028974-6074181-6074182--1395-4865528- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
verwunden uns die Vorwürfe wie Stacheln. Wir können bei den Andersgläubigen das Interesse für uns nicht in dem Maasse voraussetzen, wie wir es füreinander haben. ^Miteinander haben wir die Leiden überwunden, miteinander wollen wir uns in geistiger und sittlicher Arbeit erheben und veredeln, jünd dann, meine Herren, sagte ich, wir haWn den Mut zu bekennen, dass wir im Orden viele edle, unantastbare Männer besitzen, an denen wir uns Vorbild und Muster nehmen, an denen wir uns emporranken zu idealer Gesinnung und Handlungsweise. I'st es nicht des Schweissos der jK(j!en wert, in so erhabenem Sinne für seine Volksgenossen zu wirken, sie zu lehren und zu leiten': Darum sollten grade die bersten, klügsten, ehrenfeste* und idealsten Männer zu uns kommen, uns zu beraten, uns zu helfen. Wir haben die Ehre des jüdischen Namens zu wahren. A. Das haben sie treffend ausgefühit. Dagegen konnten die Herren doch nicht ankommen, sie mussten doch ganz überzeugt seid. B. Mit Nichten. Sie haben zwar zugegeben, dass Aufklärung und Erziehung erforderlich seien, dass sie sich im'Laufe derzeit wirksam erweisen werden, aber, nieinten sie. es licssc sich in anderer Weise erreichen und erzielen. Wozu denn ein Orden.' ein jüdischer Orden. Da konnte ich ihnen keine bündige Antwort geben._ A. Das befremdet mich. Sie waren so schon im Zuge, Sie Iratten auch diese Einwendungen widerlegen können. So muss ich Ihnen schon ein wenig unter die Arme greifen. Sehen sie, so wie Sie. waren die meisten unserer Glaubensgenossen nicht in der Lage, sich mit geistigen Mitteln gegen die verschiedensten Angriffe zu wehren. fAVir mussten also -in erster Reihe den Plan aufnehmen, unsere Brüder mit geistigen Waffen zu versehen, damit sie wohl ausgerüstet den Kampf aufnehmen und bestehen können. Dieser Mangel an Kenntnis vom Judentum und seiner Geschichte, diese empfindliche Lücke klaffte tief in unseren eigenen Reihen. Deshalb haben Viele unseie Religion mit verächtlichen Augen angesehen, haben sie für minderwertig gehalten, das Christentum höher eingeschätzt und sich ihm zugewendet. So haben wir denn die Geschichte der Juden, das Wesen des Judentums durch die kenntnisreichsten Brüder in einer langen Reihe von Vorträgen lehren lassen. Dadurch haben wir ihr jüdisches Bewusstsein gehoben Ind gestärkt, dass sie erhobenen Hauptes sich bewegen können, ihre Religion liebgewonnen haben, sich zu ihren Glaubensgenossen hingezogen, innerlich zueinander verwandt fühlen, die Zusammenge hörigkeit fester geknotet haben. Nicht um unsertwillen allein, sondern um der Menschheit willen sind wir doch ein Glied in der ganzen Menschen famihe. Wir dienen damit der Menschheitskulturj der Hthijanität im besten und schönsten Sinne gedacht, nb^chnstliche Humanitätsgedanke ist nicht der einzige^Ht^nanitätsbegriff. Unsere pheten, Plato. _un*B ''^'"aaitAV^ ■h^n vor Christus humane Anschauungen nuwiIrifnWrT" der Begeisterung gepredigt. Sonderbar! Wenn Nichtjuden sich zu einem Verein zusammentun, um für die höchsten Güter der Menschheit zu wirken, wird das hoch gepriesen, wenn wir das (deiche tun, hält man es für verkeh'r^*JWenn Nichtjuden . für die sittliche Vervolrfffflmnung sich bestreben, so leistet man ihnen Vorschub, man begünstigt ihre Absichten, wenn wir das Gleiche tun, so soll das nicht geduldet werden, so seh^n unsere Glaubensgenossen und die Andersgläubigen darin eine ungerechtfertigte Ab- Schliessung. — Werden Sie ' nicht ungeduldig! Ich komme gleich, zu Ihrer Frage wegen des jüdischen < >rdens. Eine lose Vereinigung ist für hohe Ziele nicht geeignet. So'lciic erhabenen Ideen verlangen eine erhabene Form, eine ausgeprägte Ausdrucksforni, eine Vereinigung, die schon äusserlich durch eine sinnbildliche Ausstattung des Versammlungsortes die Ziele deutlich erkennen lässt, wo eine feinere Art des Zusammenlebens herrscht, eine edlere Form der Verhandlung gepflegt wird, verlangen eine Art von Tempel, in dem alles von einem idealen Geiste durchweht ist, in dem jeder-Akt auf idealen! Hintergrund ruht, in dem die Brüder in gehobener Stimmung sich bewegen, in den die Brüder mit ernster Vorbereitung eintreten. Dadurch erlangen unsere Arbeiten itwas Weihe- und Holuitsvolles, dessen Zauber sich auf Alle ergiesst. Die Wirkung auf die Brüder ist eine mächtige, der Eindruck eki Nachhaltiger. Das alles kann nur in einem Orden mit seinen bestimmten Vorschriften, seiner Eröffnungs- und Schlussfeier, seinen Symbolen erreicht werden. Ich hoffe, das Ihnen das klar geworden ist. B. Ich bin Ihnen für die Aufklärung sehr verbunden. Fast müsste ich micli schämen, dass ich die Lösung nicht selbst gefunden habe Sie