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Bericht der Großloge für Deutschland · 1908-01-01 · Nr. 11 - Dezember · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1908
Issue
Nr. 11 - Dezember
Article
Beilage zu Nr. 11
Date
1908-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Menschen, in welcher die wechselseitigenLebensbeziehungen derMitglieder zum Ausdruck kommen und ein gemeinsames Ziel aufgestellt, ein gemeinsamer Zweck erstrebt wird. Trotz aller Mannigfaltigkeit, die die Menschheit in ihrer Zusammensetzung aufweist, besteht für uns ^Menschen eine Reihe gemeinsamer Anschauungen, Ansprüche, Ideen und Willensbestätigungen, die die Einzelnen veranlassen, mit Gleichgesinnten sich zusammenzutun. Durch die besondere Art der Ziele und Zwecke und der Mittel zur Erreichung dieser Zwecke erhält jede Vereinigung ihre Eigenart, ihre Färbung, fordert sie von ihren Mitgliedern bestimmte Eigenschaften, Vorbedingungen für ein gedeihliches Zusammenleben Entschuldigen Sie diese ■ Weitschweifigkeit, Sie sind ja ein philosophisch denkender Mensch, und1 ich glaubte diese allgemeinen Bemerkungen vorausschicken zu müssen. Nun will ich direkt auf Ihre Frage eingehen. Was kann und soll die Loge dem i Bruder geben? Wer in unsere geschlossene Gesellschaft eintritt, erwartet für sich etwas Bestimmtes, verbindet mit seinem Eintritt einen ihm vorschwebenden Zweck, er erwartet von ihr die Erfüllung alles dessen, was ihm die Vorstellung von der Gesellschaft eingegeben, ganz gleich ob sie berechtigt ist oder nicht. Sein Ideengang geht vielleicht über die ♦ Wirklichkeit hinaus. Er macht sich übertriebene Vorstellungen, die Enttäuschung ist bald da. Die Einen wollen Geselligkeit, die Anderen Belehrung: c'ie Einen trlerbt der Wunsch nach Mitarbeit, ihre Kenntnisse und Fähigkeiten zu verwerten, die Anderen wollen durch Fortbildung ihre Lücken ausfüllen. Zuweilen ersucht mancher um Aufnahme, weil er sich durch die Mitgliedschaft geehrt fühlt, zuweilen wollen wir uns durch die Aufnahme hervorragender Persönlichkeiten selbst ehren. Sie sehen, das ist ein Gemisch von' Aspirationen. Was schadet es? Alle können ,bei uns die Erfüllung ihrer Wünsche finden. Oberster Grundsatz muss, aber für alle sein, dass sich Jeder als Glied eines grossen Ganzen fühlt und dieses Gemeinschaftsgefühl ' betätigen muss durch Rücksichtnahme und freiwilliges Sicheinfügen in die Normen und Gebräuche. Denn der Freiheit Seele ist das Gesetz. — Was erwartet der neuaufgenommene Bruder von der Loge, in die er mit grosser Feierlichkeit aufgenommen? Unter diesem mächtigen Eindruck mal' er sich in: seinem Ideengange aus, dass er im Sinne des hochgestimmten Aktes Höhe ., Schönes, „ Grosses finden, dass die wohltuende Wärme des Empfanges stetig und gleich bleiben wird In einen Bruderkreis tritt der Kandidat ein. und erwartet in ester Reiht; Brüderlichkeit. Finden Bruder soll sie ein Lebenseleinent sein. Die Brüderlichkeit ist keine eigentliche Aktion, die ruht mehr in der Sinnesart, sie ist eine . ■•>,■'.„ Gesinnung, aus welcher!>eraus die Beurteilung des anderen erfolgt unc die Handlungsweise gegen1 einen anderen Menschen sich einrichtet. Sie nimmt den ganzen Menschen üi Anspruch mit seinem Intellekt, Gefühl Und Willenskraft. Die Brüderlichkeit hat zur" Voraussetztins das Verstehen des anderen, das Suchen-nach Einsicht, Eingehen auf'die Denk- und Gefühlsweise der Brüder. ^Der brüderlich Denkende ist nicht, leicht mit dem Tadel dabei, er Sueht das Gute und Schöne beim Bruder herauszufinden, er sucht das Schlechte, Hf ssliche zu verhindern statt zu tadeln und Vorwürfe zu - machen. Achtung vor jedes Ar deren Ueberzeugung, auch einer solchen, die wir nicht teilen können, ist ein ernstes Gebot b'üderlicher Gesinnung Der Orden nimmt Menschen! auf und verlangt" persönlichen Verkehr z visehen . Männern, die sonst durch mannigf iclie" Besonderheiten, politische, religiöse Gegensätze; vielleicht auch durch überlieferte Vorurteile, getrennt sind. Der Orden ist ein gemeinsamer gesellschaftlicher Boden, auf dem die Gegensätze, schweigen. Die Brüderlichkeit, die. wir dem Kandidaten feierlichst versprechen, verpflichtet ihn auch, sich gleiche Gesinnung ■ anzueignen. B. Seien Sie mir nicht böse, wenn ich einige Bedenken hege. Sie stallen an' uns Brüder so hohe Anforderungen, dass ' es Vielen nicht möglich ist, sie zu erfüllen.. Dazu gehört doch meines Erachtens eine sehr ausgebildete Feintühligkeit, eine solche Zjartheit des Gefühls, die nur eine besonders glückliche Veranlagung aufweisen kann. Unsere Brüder sind Durch-* schnittsmenschen mit alltäglichen Lebensansichten. Sie werden durch ihre zweifellos idealen Gebote verwirrt, geraten in Zweifel ob ihres Verhaltens, und ich fürchte, sie werden bald in Misstimmung verfallen, sie werden die Natürlichkeit ihres Benehmens verlieren, es / — 26 —

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