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Bericht der Großloge für Deutschland · 1908-01-01 · Nr. 11 - Dezember · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1908
Issue
Nr. 11 - Dezember
Article
Beilage zu Nr. 11
Date
1908-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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prozess müsste^ eigentlich jeder Bruder durchmachen. Nur so kann ihm der Orden etwas Wertvolles, Leuchtendes werden. Bedenken Sie doch, man kommt nicht wie Athene aus lovis Haupt als vollständiger, fertiger Bruder in die Löge, man wird Bruder. Man erlangt mit dem Eintritt in unsern Orden die Berechtigung, mit der äusseren Gewandung des Bruders sich zum inneren Gehalt eines wirklichen Bruders zu entwickeln, sich zu erheben. Sehen Sie, Sie sind es gewurden, weil Sie es werden wollten. Aber die Menschen sind 'eben verschieden geartet. Der Eine bleibt an der Oberfläche haften, kann sich nicht von ihr erheben, der Andere ist mit seinem lieben Ich zu sehr beschäftigt als dass ein höherer Trieb bei ihm Platz findet; der Eine ist lebhaft, interessiert sich für seine Fortbildung, der Andere ist teilnahmslos; der Eine steht verständnislos allem Idealen gegenüber, dem Andern ist alles nicht ideal genug: der Eine möchte in stürmischem Drange das Ideal ergreifen, dem Anderen geht Ruhe rnd Beschaulichkeit über alles. Diese Seelehstimmung ist nicht bei uns allein, das werden Sie überall sehen, wo Menschen sich gesellen. Die Loge ist eben ein kleines Spiegelbild der Menschheit in seiner bunten Mannigfaltigkeit. Darum herrscht bei den Brüdern, ob sie neu eintreten oder schon •lange dem Orden angehören, die verschiedenartigste Auffassung vom Wesen des Ordens.' seinen Aufgaben und den Mitteln, die Aufgaben zu lösen. Das sei allgemein bemerkt. Bei uns kommt noch ein anderes Mqment hinzu. Wir. wissen ja garnicht, was die .vorschlagender. Brüder dem Kandidaten von unserem Orden erzählen. Ihre eigenen richtigen oder falschen, klaren oder dunklen Anschauungen übertragen sie auf die Kandidaten. Gar mancher wird ohne jedes Motiv geworben, mancher wider Willen zum Eintritt in den Orden bewogen. Sicher haben Sie selbst etwas anderes in dem Orden gesucht als Sie gefunden. .Sie haben sich aber weiter geprüft,, ehe Sie die Tendenzen des Ordens gebilligt oder verworfen haben. Sie sind häufig in die Loge gekommen, diaben sich in unser Wesen hineingearbeitet. Sie haben Geschmack an unserer Arbeit gefunden, und mit dem Verständnis die Lust mitzuarbeiten. So ist es mir selbst ergangen Ich habe mir gesagt, es ist doch kein leerer Wahn, \vienn so viele honette Männer sich zu einem Orden zusammentun, es ist doch ein Achtung gebietendes Streben, das diese Männer beweisen. Ich habe es mir angelegen sein lassen, das Wesen des Ordens zu ergründen, ich bin ein ständiger Besucher der Loge geworden, ich habe gelernt, den Geist, der in dem Bruderkreise waltet, zu verstehen und zu bewundern, ich habe ernstlieh mitgearbeitet, ich habe nach und nach meine ganze Kraft dem Orden gewidmet und in dieser Ordensarbeit meine volle Befriedigung gefunden. Man kann das Aufgehen in den Orden nicht von Allen beanspruchen, aber wer dem Orden ein uneingeschränktes Interesse entgegenbringt, dem vergilt der Orden das Gute hundertfach wieder. ' |B. Ich bin Ihnen für ihre Ausführungen sehr verbunden, Sie stärken mich in meinem! Bestreben für den Orden zu wirken. Sie erwähnen mit Recht, dass den Kandidaten so grundverschiedene Aussichten gemacht werden. Es gibt datür keine Instruktion. Worüber soll map den Kandidaten belehren? Was haben sie von der.Loge zu erwarten? Mir scheint, dass in dieser Frage der Angelpunkt des Logenwesens liegt. A. Ganz bestimmt. Die Brüder müssen sich darüber klar sein, welche Vorstellungen sie bei den Kandidaten erwecken; es müsste auch i ine gewisse Einstimmigkeit in den Anschauungen herrschen Das gehört so recht zu dem inneren Werke der Loge. Das hat auch unsere Grossloge in ihrer letzten Sitzung empfunden, und ganz mit Recht wurde von allen Rednern betont Und gewünscht, es möge die Entwickelung unseres Distrikts dahin gerichtet werden, dass das innere Logenleben mehr wie bisher ausgebaut und vertieft, die Brüderlichkeit auf eine breitere Grundlage gestellt, die Zugehörigkeit aller Organe mehr gestützt werden Dazu sollen die Logen beitragen. Sie bdden das Rückgrat der Gesamtorganisatidn. Sie sind die Stütze unseres Bundes. In der Loge liegt das Fundament unserer Arbeit, der Schwerpunkt für das innere Leben. -In die Logen müssen alle Bestrebungen verlegt werden, welche die Annäherung der Brüder ebnen, die Brüderlichkeit und die Eintracht fördern. Das liegt eigentlich im Wesen jeder Vereinigung. Jede Gesellschalt bildet ein zusammengehöriges Ganze einer Gruppe von — 24' r-1;

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